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Glückskinder : Botschaftertreff im Tinnumer Mittelweg

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Seit 1983 können junge Deutsche und Amerikaner an einem Austauschprogramm ihrer Länder teilnehmen. Diese Chance nutzte Diana (19) aus dem Bundesstaat New York, die ein Jahr auf Sylt lebte. Der Sylter Malte (16) geht im August für ein Jahr in die USA.

Sylt | Noch an der Haustür ist man ein wenig verwirrt - so nordfriesisch sicher wie der 19-jährigen Diana aus New York (dem Bundesstaat) das "Moin" über die Lippen kommt. Drinnen, am Esstisch, klärt sich dann aber alles auf: Seit einem Jahr lebt die Austausch-Schülerin bei Familie Petersen im Tinnumer Mittelweg. Und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass bei Diana die Integration in kurzer Zeit gelungen ist.

Die junge Amerikanerin ist über das Parlamentarische-Patenschafts-Programm (PPP) - einer Vereinbarung zwischen US-Kongress und Deutschem Bundestag - in den Genuss eines Stipendiums für einen Deutschland-Aufenthalt gekommen (mehr zum Programm siehe Infokasten). Auch der 16-jährige Deutsche Malte Melius aus Westerland profitiert von PPP, hat sein Austauschjahr in den USA allerdings noch vor sich.

Für beide hat Ingbert Liebing, der Sylter CDU-Bundestagsabgeordnete für Nordfriesland und Dithmarschen-Nord, die Austausch-Patenschaft übernommen.
Diana bleibt nur noch sechs Tage

Bei Petersens treffen sich alle drei. Die Gefühlswelten von Diana und Malte könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Diana etwas traurig auf die sechs Tage blickt, die ihr auf Sylt nur noch verbleiben, bevor es in die USA zurückgeht, schaut Malte voll Vorfreude auf sein 11. Schuljahr, das er ab August auf einer High School in den USA verbringen wird. Wo genau, das weiß er aber noch nicht. Genauso wenig, wer seine Gastfamilie sein wird. "Am liebsten wäre mir Florida oder Kalifornien", sagt Malte, schränkt aber gleich ein "das wird wohl sehr schwierig."

Vor einem halben Jahr hat er sich bei der Austauschorganisation Deutsches Youth for understanding Komitee e.V. (YFU) beworben, ein Bewerbungsinterview hinter sich, ein weiteres erfolgreiches bei Liebing und zwei Vorbereitungskurse in Berlin und Hamburg. "Da haben sie uns gezeigt, wie man sich in den USA am besten anpasst."
Tolle Botschafterin ihres Landes

Auch Diana musste solche Kurse durchlaufen, hatte aber im Vergleich mit Malte, der Englisch immerhin seit der fünften Klasse im Schulunterricht lernt, kaum Sprachkenntnisse, als sie nach Deutschland kam. Jetzt spricht sie zügig und flott Deutsch - mit dem für Amerikaner so typischen Näselton.

Ihre Gasteltern hat sie als Botschafterin ihres Landes vollauf überzeugt. "Wir haben viel gelernt in diesem Jahr", sagt Gastmutter Katja Petersen, deren Sohn vor zwei Jahren selbst einen Aufenthalt in den USA erleben durfte. "Wohl auch aus Dankbarkeit dafür haben wir uns entschieden, einmal selbst Gastfamilie zu sein."
"Sylt ist mein Lieblingsort"

"Dass unsere Stipendiaten auch Botschafter im fremden Land sind, das muss jedem von ihnen klar sein," erklärt Liebing und gibt Malte gleich eine Aufgabe mit an die Hand. "Erforsche doch die amerikanischen Wahlkampfformen rund um die Präsidentenwahl für uns, und schaue, wie das dort funktioniert. Denn früher oder später kommen deren Entwicklungen auch zu uns nach Deutschland herüber."

So wie Diana. Für den Abiball im nächsten Jahr will sie spätestens wieder ans Sylter Gymnasium zurückkehren. Überhaupt Sylt. Zwar fand sie Berlin und auch andere Städte wie Lübeck, Bonn, Köln und Flensburg auch sehr schön. "Doch Sylt, das ist mein Lieblingsort."
Parlamentarisches Patenschafts-Programm
Noch bis zum 5. September 2008 haben Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren die Chance, sich um ein Vollstipendium des Deutschen Bundestags für das Schuljahr 2009/2010 in den USA zu bewerben. Darauf macht der CDU-Bundestagsabgeordnete für Nordfriesland und Dithmarschen-Nord Ingbert Liebing aufmerksam. Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) finanziert ausgewählten Schülern sowie jungen Berufstätigen einen einjährigen Aufenthalt in den USA.
Das Stipendienprogramm wurde 1983 vom Deutschen Bundestag und dem Kongress der USA ins Leben gerufen. Insgesamt erhalten bundesweit voraussichtlich 360 Schüler und junge Berufstätige die Möglichkeit, für ein Jahr das Leben in den USA kennen zu lernen. In ihrer Rolle als junge Botschafter leisten die Stipendiaten einen wichtigen Beitrag zur Verständigung zwischen Deutschen und US-Amerikanern.

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erstellt am 04.Jul.2008 | 09:13 Uhr

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