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Nachtclub „Eve’s“ in Westerland : Bordell oder Schankwirtschaft? Sylter streiten vor Gericht

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das „Eve’s“ ist ein Bordell am Rand von Westerland. Der Betreiber möchte gerne in die Innenstadt umziehen, Anwohner sind dagegen.

Westerland | Der Umzug eines Nachtclubs in Westerlands Innenstadt beschäftigt das Amtsgericht in Niebüll. Das Gericht soll klären, ob der Einzug des Etablissements „Eve`s“ mit Blick auf das Rathaus der Gemeinde Sylt überhaupt zulässig ist.

Wenn es nach der Mehrheit der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) „Ankerlicht“ geht, dann hat das Amüsierlokal in der Innenstadt keinen Platz. Die Kläger fühlen sich von den Miteigentümer und Vermietern Sven Paulsen und Öger Akgün über die tatsächliche Nutzung der Gewerberäume getäuscht. So sei den WEG-Mitgliedern auf einer Sitzung lediglich der Einzug eines Backshops in Aussicht gestellt worden, nachdem der Vormieter – der Betreiber eines Chinarestaurants – im Jahr 2014 das Handtuch geworfen hatte. Ziel der WEG-Mitglieder ist es nun, den Betrieb des Eve`s gerichtlich untersagen zu lassen. „Wir befürchten, dass der Betrieb des Nachtclubs langfristig den Wert unserer Immobilie mindert“, fasste Carsten Büttcher die Sorge der Wohnungseigentümer zusammen. „Für uns ist klar, dass hier ein Bordellbetrieb geplant ist.“

Genau dies bestritt Vermieter Sven Paulsen am Mittwoch vor dem Amtsgericht Niebüll: „Die Mieterin wird dort lediglich eine Schankwirtschaft betreiben – nicht mehr und nicht weniger.“ Es handele sich aber sicher nicht um ein Bordell, so der Unternehmer. Vor Gericht verteidigte der Reeder den Mietvertrag mit Nachtclub-Betreiberin Eve Gablenz: So sei eine Nutzung, wie sie die Anklage unterstelle, weder vertraglich noch mündlich vereinbart worden. Zudem lasse eine von der WEG im Jahr 1971 beschlossene und bis heute gültige Teilungsvereinbarung eine gewerbliche Nutzung des Erdgeschosses als „Schank- und Speisewirtschaft“ zu.

Die 67-jährige Gablenz führt ihren Nachtclub Eve´s seit über 33 Jahren. Nachdem das Haus an der Norderstraße in die Jahre gekommen ist, will sie ihren Betrieb nun verlegen. Dass er in diesem Zusammenhang von Medien mit dem Satz zitiert worden sei, „es handelt sich um einen Standortwechsel – mehr nicht“, sei nicht richtig gewesen, sagte Sven Paulsen vor Gericht. Zwar habe er mit den verantwortlichen Journalisten gesprochen, aber „das habe ich nicht gesagt“. Die Anklage unterstellte dem Unternehmer daraufhin, sehr wohl zu wissen, wen und vor allem welchen Amüsierbetrieb er und Agkün über den Mietvertrag in die Stephanstraße geholt hätten. „Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass sie nicht wissen, was dort im Eve´s passiert?“, fragte Anklagevertreter, Rechtsanwalt Wolfgang Mattern. Sven Paulsen: „Ja-Ich bin noch nie im Eve’s gewesen.“

Auch zeigte sich der Sylter überrascht über die Umbaumaßnahmen, die von der Mieterin bisher betrieben wurden. Der Kreis Nordfriesland hatte im Juli eine Baustopp veranlasst. Der Grund: Es gab für die Umbauten keinen genehmigten Bauantrag. Wie vor Gericht zur Sprache kam, hatte Gablenz offenbar bereits Badewannen installieren und Trennwände einziehen lassen. „Es gab keine Absprache über solche Umbaumaßnahmen“, versicherte Paulsen. Bis heute liege eine abschließende Baugenehmigung nicht vor. „Noch ist Frau Gablenz nicht eingezogen.“

Die Gerichtsverhandlung endete am Mittwoch vorerst ohne Einigung oder Urteil. Der Zivilprozess wird am 15. Dezember fortgesetzt.  

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erstellt am 11.Nov.2015 | 18:36 Uhr

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