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Wenn Sylter Kinder auf dem Festland geboren werden : Boardinghäuser in Niebüll und Flensburg

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Teil 2 der SR-Serie - Einblicke in Unterkünfte für schwangere Insulanerinnen

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2014 | 11:30 Uhr

Nach der Schließung der Geburtenstation in der Asklepios Nordseeklinik zum Ende vergangenen Jahres (wir berichteten) können auf Sylt keine Kinder mehr geboren werden. Die schwangeren Sylterinnen sind angehalten, ihr Kind auf dem Festland zur Welt zu bringen. Grundlage dafür ist das so genannte  Boardingkonzept. Dies beinhaltet unter anderem, dass die werdenden Mütter rechtzeitig vor dem errechneten Geburtstermin die Insel verlassen. Die Sylter Rundschau beschäftigt sich im 2.Teil mit den beiden Kliniken in der Region, die am Boardingkonzept beteiligt sind: mit dem Klinikum Nordfriesland Standort Niebüll und mit der  Ev.-Luth. Diakonissenanstalt  (Diako) zu Flensburg. Beide Häuser gewähren Einblicke in die Unterkünfte für schwangere Sylterinnen.

Das Flensburger Gästehaus Pniel lädt ein

28 Sylter Babys haben in diesem Jahr in Flensburg das Licht der Welt erblickt. 20 schwangere Frauen von Sylt sind, zum Teil mit ihren Familien, im Gästehaus Pniel untergekommen. „Das Gästehaus steht übrigens allgemein Gästen der Diako und Angehörigen von Patienten zur Verfügung. Der Kreißsaal befindet sich ganz in der Nähe“, erläutert Ole Michel, Pressesprecher der Klinik.

Im Schnitt kommen die Sylter Schwangeren sieben Tage vor dem errechneten Entbindungstermin nach Flensburg. Eine Anmeldung für die Unterbringung im Gästehaus sollte etwa ab dem siebten Schwangerschaftsmontat erfolgen, rät Schwester Hannelore Balg, als Oberin der Diako für die Betreuung der Sylter Frauen zuständig. „Sie sind herzlich eingeladen, sich ein Bild vor Ort zu machen. Sowohl die Unterkunft als auch die Geburtsstation können nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Auch ein Termin in der Hebammensprechstunde könnte viele Fragen klären, so die Oberin. Belegungsprobleme habe es bislang keine gegeben. „Wir mussten noch nie jemanden ausquartieren“.

Wenn die werdende Mutter dann in Flensburg ist, könne sie jederzeit eine der Hebammen oder der Ärzte konsultieren, sollte es notwendig sein. Die Oberin könne von ausschließlich positiven Rückmeldungen berichten.

„Viele Mütter und Familien kommen mit den Neugeborenen noch im Büro der Oberin vorbei, um sich zu bedanken und stolz ihre Kinder zu zeigen“, weiß Ole Michel. „Die Familien werden hier nicht allein gelassen, das reicht bis zur Kinderbetreuung in der Diako-Kita Kapernaum in der Nachbarschaft zum Haus Pniel, in der demnächst sogar eine Nachtbetreuung für Kinder möglich ist.“ Die jungen Mütter verlassen die Klinik meist nach der durchgeführten U2 bei ihrem Neugeborenen, die in der Regel am zweiten oder dritten Lebenstag erfolgt.

 

Zwei Appartements exklusiv für Sylter

Niebüll  21 Sylterinnen haben in diesem Jahr im Klinikum Nordfriesland, Standort Niebüll entbunden. Neun davon haben das Boardingangebot genutzt.  Laut Michael Mittendorf, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Klinikum Nordfriesland gGmbH gibt es keine pauschale Empfehlung, wann die Schwangeren nach Niebüll kommen sollen. Das sei abhängig vom Verlauf der Schwangerschaft. Die Entscheidung treffe in der Regel die betreuende Hebamme mit der werdenden Mutter gemeinsam. Anmelden sollte sich die Schwangere, wenn der Termin feststeht, an dem sie aufs Festland kommen möchte.  „Wir halten exklusiv zwei Appartements für die Sylter werdenden Mütter vor.“ Die Appartements befinden sich im nahe gelegenen Personalwohnheim, zirka 100 bis 120 Meter Fußweg zum Krankenhaus. Sie verfügen über einen soliden, guten Standard. Doppel- beziehungsweise Einzelbetten, Fernseher, Duschbad, Kochgelegenheit, so  Michael Mittendorf weiter. Einmal habe es eine Doppelbelegung mit einer Anfrage einer dritten Schwangeren gegeben. Wie so ein Fall gelöst werde, hänge von der individuellen Situation ab, so der Presseverantwortliche. „Wenn wir im Personalwohnheim in dem Augenblick eine Option hätten, würden wir diese der Schwangeren anbieten. Notfalls müsste dann eine Unterbringung in einem Hotel oder Ferienappartement erfolgen. Das Problem würden wir dann gemeisam mit der Betroffenen lösen.“

Die Praxis des Belegarztes,  Assem Hossein, und die  Klinik-Beleghebammen sichern auf jeden Fall die medizinische Versorgung der Schwangeren vor Ort.   Die jungen Mütter bleiben im Schnitt nach einem Kaiserschnitt sechs bis sieben Tage in der Klinik, nach einer natürlichen Geburt vier bis fünf Tage.  „Dies liegt leicht über unserem normalen Durchschnitt“, so Michael Mittendorf.

Interessierte Schwangere können sich nach vorheriger Terminabsprache selbst ein Bild vor Ort machen: „von den Räumlichkeiten in der Klinik selbst aber auch von der Unterbringungs-Option in unserem Hause.“ Ein Termin dafür kann unter Tel. 04661 15-2265 vereinbart werden.

 

Standpunkt: Kinder sind die Zukunft

Kinder sind die Zukunft – diesen Satz hat mir ein Freund mal aus List gesagt. Recht hat er. Und weil sie die Zukunft sind, sollte die Insel alles dafür tun, dass sich ganz viele Sylter Paare für Kinder entscheiden. Jeder Einzelne kann seinen Beitrag dafür leisten. Beipielsweise, indem er oder sie das Gespräch mit jungen Familien sucht und fragt, wo sie Unterstützung brauchen. Gestern kamen die Mütter und Schwangeren bei uns zu Wort, die beispielsweise vorschlugen, dass Sylter Familien nach der Entbindung Vorfahrt bei Autozug und Fähre haben. Dass die Frauen, die gerade Mama geworden sind oder die Männer, die zum ersten Mal ihr Baby auf dem Arm halten, es nicht schaffen, sich um so eine (sehr sinnvolle) Sonderregelung stark zu machen, ist einleuchtend. Da ist die Sylter Gesellschaft gefragt. Nicht mit dem Finger auf die vermeintlichen Entscheider zeigen, selbst mal zum Hörer greifen und nachfragen. Andere mobilisieren. Aktiv werden für die Familien. Denn, machen wir uns nichts vor, es wird auch in Zukunft keine Geburten mehr auf Sylt geben. Deshalb sollten wir alle daran arbeiten, das Beste aus der Situation zu machen und dort verbessernd eingreifen, wo es nötig ist. 

 








 

 

 

 

 


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