„Bleibt bitte einfach zu Hause“

Sonne tanken in der Selbstisolation: Terje Christophersen (r.) und seit Vater Yens Heising am Sonntag auf ihrer Tinnumer Terrasse.
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Sonne tanken in der Selbstisolation: Terje Christophersen (r.) und seit Vater Yens Heising am Sonntag auf ihrer Tinnumer Terrasse.

In unserer Serie „Sylter sind solidarisch“ erzählt Sylter Terje Christophersen, von seinem Leben in der Selbstisolation

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22. März 2020, 19:25 Uhr

Tinnum | In den vergangenen Wochen bekam der Begriff Solidarität mehr Gewicht denn je: Mit der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland, steigt auch die Anzahl der Menschen, die sich an der Social-Media-Kampagne #staythefuckhome (aus dem englischen übersetzt: „Bleibt verdammt noch mal zu Hause.“) beteiligen.

Einer von ihnen ist Terje Christophersen (20). Seit der Sylter vor einer Woche Dänemark verlassen hat, wo er normalerweise studiert, verlässt er das Haus seiner Eltern in Tinnum kaum mehr – und wenn, dann nur, um das Nötigste zu tun. „Wir bleiben zu Hause, um andere zu schützen“, erzählt er.

Mit „wir“ meint er sich, seinen Vater, dessen Lebensgefährtin und ihre beiden Kinder. Auch die Großmutter lebt mit der Familie zusammen, vermeidet den Kontakt zu den anderen Hausbewohnern jedoch so gut es eben geht. „Einmal die Woche geht einer von uns einkaufen, aber alleine“, erklärt er weiter. Dabei bringt die Familie auch Einkäufe für Bekannte aus ihrem Umfeld mit, die der Risikogruppe angehören. Die Lebensmittel werden einen Tag lang draußen im Wintergarten gelagert, um die Ansteckung durch eventuelle Rückstände des Virus Sars-CoV-2 auf Lebensmitteln zu verhindern.

„Davon, dass wir zu Hause bleiben, profitieren auch andere “, betont der Student. In Dänemark habe er ebenfalls miterleben können, wie die Straßen leerer wurden, die Politik reagierte und junge wie alte Menschen die Häuser nicht mehr verließen. „Es ist verantwortungs- und rücksichtslos in dieser Zeit nach draußen zu gehen und sich in Gruppen zu treffen“, findet er.

Für „Corona-Partys“ habe er kein Verständnis. „Vielleicht ist eine Ausgangssperre wirklich das einzige was hilft“, überlegt Terje Christophersen. „Es ist offensichtlich, dass ein Großteil der Bevölkerung sich weiter in größeren Gruppen trifft, ohne sich einzuschränken.“ Er und die Familie verlassen das Haus nur, um den Hund auszuführen oder Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Es gehe hauptsächlich darum soziale Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, sagt er. „Dafür suchen wir uns meistens abgelegene Ecken, wo wir kaum Menschen begegnen.“ Bisher funktioniert es gut. Langweilig wird es nicht. „Wir können uns ja alle gut selbst beschäftigen, bisher ist noch keinem die Decke auf den Kopf gefallen.“ Das sonnige Wetter der vergangenen Tage hilfe da ebenfalls. Er lacht kurz, die Situation wirkt surreal. Über einen Bekannten in Italien erhält die Familie ständig neue Informationen. „Erst vor einigen Tagen haben wir erfahren, dass ein Bekannter aus Italien infiziert ist. Wir machen uns Sorgen. Die Sache ist wirklich ernst!“ Sein Appell: „Bleibt bitte einfach zu Hause.“

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