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Mensch des Jahres : Björn Nielsen: Gesucht und Gefunden

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Björn Nielsen ist einer der vier Kandidaten zur Wahl des Sylter Menschen des Jahres. Der 44-Jährige Morsumer fördert Engagement im Netz

von
erstellt am 10.Nov.2014 | 09:53 Uhr

Eigentlich habe das ja alles mit dem Hund angefangen, sagt Björn Nielsen. Der Hund hieß Joy, lebte im Tierheim in Tinnum und brauchte dringend eine Operation. Björn Nielsen (44), Vater zweier Kinder und Verkäufer, betreute die Facebookseite Gesucht-Gefunden-Sylt, die er 2011 gegründet hatte und über die Insulaner Dinge tauschen. Doch Joy war der Auslöser dafür, dass durch die Seite auf Sylt noch viel mehr in Bewegung geriet: Einem der Nutzer war der Hund offenbar ans Herz gewachsen, er schrieb die Geschichte des kranken Tieres auf die Facebookseite. Und er betonte, dass Geld fehle, um dem kranken Hund die lebensrettende Operation zu bezahlen – damit war der erste Gesucht-Gefunden-Spendenaufruf gestartet. „Damals kamen 1700 Euro für die Operation zusammen, außerdem bekam Joy ein neues Zuhause bei einem Gruppenmitglied“, erinnert sich Nielsen.

In den kommenden Jahren organisierten sich über die Gruppe zahlreiche weitere hilfreiche Aktionen – diverse Spendenbowlings unter anderem für die Sylt-Klinik, ein Blaulicht-Treffen für die Sylter Jugendfeuerwehren und die DRK-Jugend oder ein Grillfest für die Lebenshilfe. Mehrere tausend Euro kamen durch das Engagement der Sylter so zusammen. Björn Nielsen selbst sieht solche Ergebnisse nicht vorrangig als seinen Verdienst, sondern den derjenigen, die gebowlt, gespendet, gegrillt haben. Und seine drei Mit-Administratoren bei Gesucht–Gefunden-Sylt, die gemeinsam mit ihm dafür sorgen, dass es innerhalb der Gruppe (meist) friedlich bleibt, sollen seiner Meinung nach auch gewürdigt werden.

Trotzdem: Für viele Insulaner steht Björn Nielsen für Gesucht-Gefunden-Sylt und ist für viele jemand, der die gute alte Nachbarschaftshilfe auf der Insel wieder populärer gemacht hat. Einer, der in Zeiten, in denen die dörflichen Strukturen auf Sylt tendenziell eher verloren gehen, ein gemeinsames Wir-Gefühl unter den Insulanern fördert. Und dieses Wir-Gefühl auf ganz modernem Weg, über ein soziales Netzwerk, am Leben erhält.

Menschen, die dankbar sind über das, wie ihnen durch die Gruppe Gesucht-Gefunden-Sylt geholfen wurde, gibt es viele. Zum Beispiel die Westerländer Familie Caliskan: Ihr kleiner Sohn Berat erkrankte an Leukämie und brauchte dringend einen Stammzellenspender. Vor allem über Gesucht-Gefunden wurde eine große Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarksspenderdatei (DKMS) organisiert, um Geld für die Aktion in die Kasse zu bekommen, versteigerten die Insulaner auf der Seite so ungefährt alles, was nicht niet- und nagelfest ist.

Außerdem fand sich dort ein Orga-Team zusammen, dass für ein leckeres Buffet zugunsten der DKMS sorgte. Und nicht zuletzt sorgte die rege Anteilnahme auf der Facebookseite auch dafür, dass sich über 1600 Insulaner und Gäste in die Datei der DKMS aufnehmen ließen.

„Die Sylter sind so“, sagte Björn Nielsen damals schlicht, als er auf das Engagement „seiner“ Gruppe angesprochen wurde. Ohnehin ist Björn Nielsen nicht der Typ, der jetzt riesiges Gewese um etwas machen würde. Aber das Engagement für Berat, das sagt er auch heute noch, das sei schon „eine ganz große Geschichte“ gewesen.

Björn Nielsen selbst sieht sich als „stetige Persönlichkeit“, einer, der seit 27 Jahren im selben Beruf als Verkäufer arbeitet, der auf der Insel geblieben und dessen Familie hier eng verwurzelt ist. Über positive Rückmeldung zu Gesucht-Gefunden-Sylt freut er sich natürlich auch: „Letztens hat mich einer angeschrieben, der über die Gruppe Arbeit und eine Wohnung auf Sylt gefunden hat. Das ist natürlich super.“

Auch sein eigenes Leben hat sich durch Gesucht-Gefunden geändert. „Mein Bekanntenkreis hat sich über die Gruppe unglaublich erweitert“, sagt Nielsen. Übrigens: Dass sein Engagement nun in der digitalen Welt stattfindet, ist für ihn nicht ausschlaggebend. Im analogen Leben, genauer gesagt im Ortsbeirat Morsum, setzt er sich auch für ein gutes gemeinsames Leben auf Sylt ein.

 

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