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Interview mit Georg-Friedrich Wolf : Bildhauer zeigt die Macht der Natur

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Georg-Friedrich Wolf plant im Hotel Budersand eine Ausstellung zu seinem Projekt „Strandgut“ . Im Interview verrät er, was seine Kunst ausmacht und welche Verbindung er zur Insel hat.

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erstellt am 28.Apr.2014 | 06:09 Uhr

Stahl-Bildhauer Georg-Friedrich Wolf baute im vergangenen Februar seine Skulptur „Strandgut“ – eine riesige mit Blech beschlagene Holzkugel – am Wenningstedter Strand. Dann übergab er das Kunstwerk der See und ließ es von der Flut holen. Ein Filmteam sowie ein Fotograf begleiteten seine ungewöhnliche Arbeit. Jetzt wird es dazu zum ersten Mal eine Ausstellung auf Sylt geben. Im Interview spricht der Künstler über seine Arbeit und seine Verbindung zur Insel.

 

Herr Wolf, das ist Ihre erste Ausstellung auf der Insel. Was erwartet die Besucher dort?

Die Aktion im Februar unter dem Titel „Strandgut“ hat mir hier sehr viel Spaß gemacht und dabei sind auch tolle Fotos vom Making-of und ein kleiner Film entstanden. Von Seiten der Insel kam dann die Ermutigung, eine Ausstellung aus all dem zu machen. Da hab’ ich dann zugesagt. Am wichtigsten dabei ist mir aber die Aktion, die ich im Rahmen der Ausstellung machen werde. Ich baue eine neue Skulptur – di rekt am Hotel Budersand.

 

Ihre Kunstprojekte sind ja sehr aufwendig. Wie realisieren Sie diese außergewöhnlichen Projekte?

Die Logistik ist dabei wirklich eine große Herausforderung. Nächstes Jahr habe ich zum Beispiel eine Ausstellung in Indien. Da werde ich dann die Objekte vor Ort erstellen. Das war hier auf Sylt ja auch der Fall. Mehrere Transporter mussten das Material auf die Insel bringen.

 

Was war Ihr bisher aufwendigstes Projekt?

Diese Aktion hier auf der Insel gehört auf jeden Fall dazu. Es hat sich über ein Jahr hingezogen. Am Anfang war noch gar nicht klar, welche Dimension das annimmt. Fotografie, Film, Making-of und Skulptur – das alles zusammen ist schon eines meiner größten Projekte.

 

Was für Reaktionen bekommen sie auf der Insel auf Ihre Kunst?

So viel Rückmeldung habe ich bisher noch nicht bekommen. Ich habe das Projekt ja bewusst im Winter gemacht, um in einer möglichst abgeschiedenen Atmosphäre arbeiten zu können. Das war für den Film auch sehr wichtig. Wenn ich aber mit den Menschen über das „Strandgut“ gesprochen habe, merkte ich, dass ich es geschafft habe, ihre Fantasie in Gang zu bringen. Das ist für mich das Wichtigste. Ich möchte keine fertigen Interpretationen vorsetzen. Ich möchte ein Fenster öffnen und die Fantasie anschubsen. Und dann werde ich selber zum Zuhörer.

Was für Interpretationen waren das zum Beispiel beim „Strandgut“?

Flaschenpost war eine Idee. Ein anderer wiederum sah es als eine religiöse Handlung – quasi das „Strandgut“ als Opfergabe ans Meer.

 

Und was ist Ihre Interpretation?

Das „Strandgut“ ist ein Kommunikationsversuch. Es versucht, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen.

Sie kommen ja ursprünglich aus Hessen. Welche Verbindung haben Sie zur Insel?

Ich habe schon seit der Kindheit eine starke Affinität zur Nordsee. Ich war mit meinen Eltern hier früher im Urlaub. Auch auf Norderney waren wir. Ich erinnere mich noch, da war ein Schiffswrack. Ich habe über Jahre erlebt, wie es immer weniger wurde – das hat mich sehr fasziniert. Das spiegelt sich heute bei mir in vielen Arbeiten wider. Ich habe auch schon mehrere Skulpturen gebaut, die mit dem Meer zu tun haben. Und das war jetzt ganz wichtig für mich, meine Kunst ans Meer zu bringen.

 

Wieso überlassen Sie ihre Kunst dem Meer. Welche Idee steckt dahinter?

Ich möchte zeigen, wo die Grenzen der Beherrschbarkeit sind. Und diese Grenzen zeigen sich dort am deutlichsten, wo die Natur zurückschlägt. Und da ist die Nordsee ein imposantes Beispiel. Ich habe das ja selber bei den letzten Stürmen hier gespürt. Die Grenze der Naturbeherrschung ist auf Sylt schnell erreicht.

 

Sehen Sie Sylt als eine sehr kunstaffine Insel?

Auf jeden Fall. Ich habe mich gefragt, welche Insel wohl für meine Arbeit passen würde. Emil Nolde, Stefan Zweig und viele andere Künstler haben eine Verbindung zu Sylt. Auf einer anderen Insel wäre ich auch vielleicht mit meiner Kunst auf Unverständnis gestoßen, doch hier sind die Menschen sehr kunstinteressiert.

 

Wann ist ihre nächste Aktion direkt am Strand geplant?

Das ist ein bisschen weiter weg. Im Frühling werde ich nach Indien reisen. Dort werde ich dann an einem Schiffsfriedhof ein Schiff zerschneiden und daraus eine Skulptur fertigen. Am Ende wird auch diese Skulptur – genauso wie das „Strandgut“ – wieder verschwinden und der Natur überlassen.

 

 

 

 

 

 

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