Sylt im Gegenlicht : Bilder von stummen Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg zeigt Tom Tautz in dieser Woche

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Versteckt in den Dünen, verborgen unter Sand: Die Foto-Reportage von Tom Tautz zeigt in dieser Folge stumme Relikte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs im Lister Bunker.

Julia Lund von
27. Juni 2015, 05:15 Uhr

Das Ziel war hoch gesteckt: Eine Fotoreportage über Sylt wollte Tom Tautz machen. Aber eine, bei der alle für die Insel typischen Motive ausgeblendet werden. Typische Motive? „Na, gemeint wären da zum Beispiel spektakulär leuchtende Sonnenuntergänge, romantisch anmutende Dünenlandschaften, perfekt inszenierte Wahrzeichen oder prominente Personen im Blitzlicht“, erklärt er und nahm sich stattdessen die verborgenen Ecken der Insel vor. Ein Projekt, das unsere Zeitung unterstützt und begleitet. Bis Mitte August präsentiert die Sylter Rundschau exklusiv die Fotografien dieser Aktion mit kurzen Texten von Tom Tautz zu dem jeweiligen Ort.

Versteckt in den Dünen, verborgen unter Sand und Gras – aus Beton und Stahl, stumme Relikte des Zweiten Weltkrieges. Sie berichten aus einer Zeit, in der es auf der Insel mehr Soldaten gab als Badegäste. Einer Zeit, in der man eine Invasion fürchtete und aufgrund dessen Sylt zu einer Festung ausbaute. Artilleriestände, Befehlzentralen, Ausschauposten, Lager, Lazarette. Die Rede ist von den Sylter Bunkern.

Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurde die Insel mehrfach von englischen Flugzeugen bombardiert.

Vor allem Hörnum und Rantum waren das Ziel der Angriffe. Ein Großteil der Bomben fiel allerdings ins Meer oder in die Dünen, sodass 1945 noch mehr als 50 Bunker an der Westküste und im Hinterland übrig blieben. Viele von ihnen wurden im Anschluss von den Britischen Besatzern zerstört – einige von den Syltern „verschüttet“ – so heißt es zumindest.

Bis auf ein paar wenigen Ausnahmen fristen Zeitzeugen dieser Art heute ein Dasein im Schatten der sonst so schillernden Insel. Ab und an sieht man ein paar Mauerwerke durch das Dünengras schimmern, hier und da läuft man an ihnen vorbei. Verwittert, veraltet, verostet. Geheimnisvoll und irgendwie unheimlich.

Mitten in den Dünen des Jenslongtals, in der Nähe des Lister Ortseingangs, und der Öffentlichkeit unzugänglich, befindet sich ein ganz bemerkenswertes Exemplar, das in den 1930er Jahren zum Zwecke der Energieversorgung militärischer Anlagen errichtet wurde. Bemerkenswert deshalb, da die Struktur der Flachdachkonstruktion vergleichsweise gut erhalten ist und ein wesentlicher Teil des unterkellerten Stahlbetongebäudes über der Erde freiliegt. Der perfekte Ort für eine Serie mit Fotos für „Sylt im Gegenlicht“.

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