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Kolumne Strandgut : Biikerede aus dem Jahr 2050

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

von
erstellt am 20.Feb.2016 | 05:27 Uhr

Liebe Bürger der Großgemeinde Hörnum, wir freuen uns sehr, auch im Jahr 2050 den schönen alten Brauch des Sylter Biikebrennens fortsetzen zu können. Lassen Sie mich deshalb zu Beginn meiner Rede herzlich der Firma Island Lighting danken, die erneut dafür sorgt, dass unsere Hologramm-Biike so wunderbar über das Wattenmeer bis hin zum Festland flackert. Wir sind stolz darauf, mit diesem technologischen Meisterwerk das Biikebrennen in eine neue Dimension geführt zu haben.

Umso mehr blicken wir mit Erstaunen hinüber in den kleinen Ortsteil Westerland: Dort entfacht eine Gruppe vermeintlicher Traditionalisten mit Nikolas Häckel, dem 75-jährigen ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Sylt, an der Spitze noch immer mit einer Fackel das doch sehr bescheidene Biikefeuer. Seit Abschaffung der Weihnachtsbäume und der Vernichtung des letzten Buschwerks auf der Insel besteht es ja nur noch aus wenigen Buhnenresten vom Sylter Strand.

Halt ein, lieber Nikolas. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit! Das muss Dir doch die traurige Geschichte Deiner einst so stolzen Gemeinde Sylt gezeigt haben: Nichts ist von Dauer, außer der Biike natürlich. Du warst doch einst auch Visionär, hast 2015 endlich das digitale Zeitalter auf die Insel gebracht, in den verstaubten Büros der Verwaltung ordentlich aufgeräumt und trotz ständig meckernder Politiker epochale Entscheidungen getroffen, die Sylt regelrecht auf den Kopf gestellt haben.

34 Jahre ist es nun her, dass auch dank Dir bei uns im Süden mehr als 5  000 Flüchtlinge untergebracht wurden. Sie haben dafür gesorgt, dass Hörnum sich dem demographischen Wandel widersetzen und als einziger Inselort einen deutlichen Zuwachs der Bevölkerung verzeichnen konnte. Da war es nur zwangsläufig, dass schon zehn Jahre später alle anderen Sylter Gemeinden – außer dem 99-Einwohner-Dorf Kampen – mit uns zur neuen Großgemeinde Hörnum fusionierten. Unser schöner Ort wurde endlich zur modernen pulsierenden Hauptstadt der Insel. Das ließ uns auch die Abtrennung der Südspitze verkraften. Auf der neu entstandenen autofreien Insel im Wattenmeer lebt ohnehin nur noch eine kleine Gruppe ewig Gestriger, die einmal in der Woche mit ihren Fahrrädern über den Rolf-Speth-Gedächtnisdamm zum Einkaufen nach Hörnum hinüber kommt.

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