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Sylter Rundschau

16. Dezember 2017 | 01:18 Uhr

Biblische Botschafter im Miniatur-Format

vom

Die Kirchen-Krippen erinnern an die Weihnachtsgeschichte und bringen Menschen zusammen

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2012 | 11:17 Uhr

Sylt | Kurz vor Weihnachten ziehen in viele Wohnzimmer der Insel neue Bewohner ein. Es handelt sich meist um eine kleine Familie mit Kind, um eine Gruppe alter Männer mit ihren Schafen und drei elegant gekleidete Herren aus dem Morgenland. Diese Gäste sind aus Holz, Gips, Stoff oder Ton gemacht und erinnern ihre Besitzer an die Geschichte, die hinter Tannenbäumen, Glühweinständen und Bescherung steht - an die Geburt von Jesus Christus.
Auch in den Sylter Kirchen werden in diesen Tagen wieder die Krippenfiguren aufgebaut. Die meisten stehen während der Gottesdienstzeiten bis zum 6. Januar auf den Altären. Einige haben schon eine lange Geschichte auf dem Buckel, andere sind erst einige Jahre alt. Auf jeden Fall sind die Krippen ein gutes Beispiel für weihnachtliche Großzügigkeit. Denn fast in jeder Sylter Kirche finden sich Figuren oder Ställe, die von Gemeindemitgliedern und Gästen gespendet wurden.

In die Kindheit zurückversetzt

Die Figuren in Morsum etwa sind schon über hundert Jahre alt und wurden um 1900 in Thüringen aus Gips hergestellt. Lange waren sie im Besitz der Familie des Westerländer Pastors Gerd Dannenberg. Bevor der aber in den Ruhestand ging, schenkte er die Figuren 1997 der Morsumer Kirchengemeinde. "Erst standen die Figuren alleine auf einer Platte auf dem Taufbecken", erzählt der Morsumer Pastor Ekkehard Schulz. Aber dann berichtete ihm das Ehepaar Gimmler, das immer um die Weihnachtszeit zu Gast in Morsum ist, von jemandem aus ihrer Heimat, der Holzkrippen bauen kann.
Gesagt, getan - in wochenlanger Handarbeit schnitzte Günter Haladuda das Stallgebäude für die St. Martin-Kirche, komplett mit Schuppen, Leiter und Lichtanlage. Mit der Mischung aus alten Figuren und neuem Stall will die Morsumer Gemeinde ihre ganz eigene Krippentradition begründen. "Jede Familie hat ihre eigene Krippentradition und so machen wir das jetzt auch", so Schulz. Für ihn hat die Krippe auch heute noch eine wichtige Bedeutung im Weihnachtsbrauchtum. "Eine Krippe ist etwas hoch emotionales. Es verbinden sich die Erinnerungen an die Kindheit mit dem Wunsch, wieder an diese schöne Zeit anknüpfen zu können".

Ein Ruhepol in stressigen Zeiten

Die Kirchenkrippe sei bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen beliebt, "nur, dass die Erwachsenen die Kinder oft als Vorwand nehmen, um sich die Krippe näher anzusehen". Gerade die klassische Gestaltung vieler Sylter Krippen hat für Pastor Schulz eine große Bedeutung. "Hier auf Sylt gibt es so viele Fluktuationen unter Gästen und Inselbewohnern, da tut es gut, mit einer traditionellen Krippe einen Gegenpol zu setzen. Hier ist Beständigkeit etwas ganz Wichtiges für die Menschen."
Ebenfalls wichtig ist die religiöse Bedeutung der Krippen. "Sie erinnern uns daran, dass Christus das Geschenk ist, das Gott uns gemacht hat", erklärt der Tinnumer Pastor Jörg Reimann. Sein Kollege, Pastor Jon Hansen von der dänischen Gemeinde, glaubt, dass niemand das so gut erkannt hat, wie ein kleines Kind aus seiner Gemeinde. Als Hansen vor einigen Jahren wie immer in der Vorweihnachtszeit mit den bunten Ostheimer Holzfiguren in den Kindergarten kam, durfte jedes Kind sie einmal anfassen.

Eine weite Reise nach Sylt

Zurück in der Stallkirche bemerkte Hansen den Verlust des Jesuskindes. "Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn ein Kind im Kindergarten hat den Kern des Christentums wirklich erkannt: Das Wichtigste ist das Jesuskind und das will nicht alleine sein, sondern mitten unter den Menschen. Das Kind hatte offenbar das Gefühl, dass Jesus in der Krippe alleine war und hat ihn deshalb mitgenommen.
"Die Krippenfiguren der Tinnumer Kirchengemeinde haben sicherlich den weitesten Weg hinter sich. Die Olivenholz-Figuren stammen aus Palästina. Als Pfarrer Jörg Reimann 1994 kurz nach dem ersten Bürgerkrieg dorthin reiste, war die Reise ein "Abenteuer". Die Figuren haben keine Gesichter, "denn die Maserung des Holzes lässt der Phantasie Spielraum. So kann jeder das Gesicht in den Figuren erkennen, das er darin erwartet."

Krippen-Geschichte

Bereits im 4. Jahrhundert gab es in den römischen Katakomben bildliche Darstellungen der Geburt Christi. Den genauen Entstehungszeitpunkt der Krippen kann man aber nicht genau bestimmen. Oft wird der heilige Franziskus von Assisi als Vater der Krippe bezeichnet, denn im Jahr 1223 soll er im Wald um die Weihnachtszeit die erste Krippe in der uns bekannten Form gebaut haben. An einer Futterkrippe standen ein lebendiger Esel und ein Ochse. Nur die heilige Familie fehlte noch.
Dann hielt Franziskus vor einer großen Menschenmenge seine bekannte Weihnachtspredigt und machte auch denjenigen, die nicht lesen konnten, die Weihnachtsgeschichte verständlich. Eine der ältesten Weihnachtskrippen steht in der Kirche von Santa Maria Maggiore in Rom. Sie wurde 1289 aus Alabaster gefertigt und zeigt die Anbetung der Könige. Von Krippen im heutigen Sinne, also Kleindarstellungen, die nicht dauerhaft, sondern zeitlich begrenzt aufgestellt werden und deren Figuren bewegt werden können, kann man ab dem 16. Jahrhundert sprechen.

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