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Sylter Mütter : Bezahlbar? Direkter Draht zur Hebamme

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Cornelia Bäcker bietet eine freiwillige Rufbereitschaft an. Für eine fortlaufende 24-stündige Bereitschaft fehlt bislang das Geld.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Die Begriffe Hebamme, Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit gehören auch heute für viele werdende oder junge Mütter untrennbar zusammen – trotz der „Verlagerung des Geburtsgeschehens in Kliniken und die Etablierung einer technisierten Geburtsmedizin“ (www.hebammenverband.de). Für Sylter Mütter ist die Unterstützung und Begleitung der drei Inselhebammen seit Jahresanfang noch wichtiger geworden. Wie berichtet, sind seit einem guten halben Jahr keine Geburten auf Sylt mehr möglich, da die Asklepios Nordseeklinik ihre Beleg-Geburtenstation dicht gemacht hat.

Da nicht alle werdenden Mütter frühzeitig aufs Festland gehen, um dort zu entbinden, kam es bereits mehrfach in den letzten Monaten zu Geburten auf der Insel – und nicht jedes Mal war eine Hebamme dabei (wir berichteten). Mit ein Grund dafür ist die nicht offiziell geregelte Rufbereitschaft der Inselhebammen. „Aus Sicht des Ministeriums ist eine Hebammen-Rufbereitschaft keine zwingende Voraussetzung für die Sicherstellung der Versorgung auf der Insel, kann aber sicherlich eine hilfreiche Ergänzung der Maßnahmen für geburtshilfliche Notfälle sein“, heißt es auf Anfrage aus dem Gesundheitsministerium.

Cornelia Bäcker hat seit Juli ein Handy über das sie im Notfall von der Rettungsleitstelle Harrislee die Information bekommt, dass eine Schwangere Hilfe braucht. Diese Rufbereitschaft bietet die Hebamme an zirka 15 Tagen im Monat an – allerdings auf freiwilliger Basis. „Ich bekomme kein Geld dafür und auch die dafür notwendige Haftpflichtversicherung muss ich selbst zahlen.“ Deshalb sei sie nicht rund um die Uhr erreichbar – würde sich so ein Angebot für die Schwangeren auf der Insel aber wünschen.

Ihre Kollegin Anke Bertram befürwortet ebenfalls eine Rufbereitschaft, ist aber nicht bereit dies unentgeltlich zu machen. „Eine 24-stündige Rufbereitschaft bedeutet, dass ich jederzeit einsatzbereit sein muss und dafür Sorge zu tragen habe, dass mein Handy Empfang hat.“ Völlig frei bewegen auf der Insel könne sie sich ebenfalls nicht, da sie in einer bestimmten Zeit nach der Alarmierung am Einsatzort sein muss. „Für diese Rufbereitschaft muss ich bezahlt werden, da ich in dieser Zeit nicht anderweitig arbeiten kann.“ 150 Euro verlangt sie für einen Dienst. Das sei ein Stundenlohn von sechs Euro rechnet sie vor. Das Angebot von Asklepios Ende 2013, eine Rufbereitschaftspauschale von 50 Euro zu bezahlen sei indiskutabel.

Cornelia Bäcker ist seit Juli fünfmal über das Notfallhandy alarmiert worden. „Die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst und der Leitstelle Harrislee klappte sehr gut.“ Sie wünscht sich, dass sich alle drei Inselhebammen für die Rufbereitschaft zur Verfügung stellen und dass eine finanzielle Regelung gefunden wird, sei es in Form einer Rufdienst-Pauschale oder der Erstattung der Haftpflichtversicherung. Das könne die schwierige Situation für die Inselmütter abmildern. Davon ist Cornelia Bäcker überzeugt. Die Schwangeren könnten länger auf der Insel bleiben und müssten nicht Wochen vor dem errechneten Geburtstermin aufs Festland. Es würde mehr Ruhe in die Familien kommen, hofft Anke Bertram.

Über eine dauerhafte Finanzierung einer Rufbereitschaft der Hebammen für geburtshilfliche Notfälle wird auf der Insel derzeit im Rahmen eines Runden Tisches verhandelt, heißt es dazu aus dem Gesundheitsministerium. Die beiden Inselhebammen wissen lediglich von einem Gesprächstermin im September.

Auf Sylt macht die Annahme die Runde, dass Hebammen im Kreis Ostholstein, nach der Schließung der dortigen Geburtsstation eine Vergütung der Rufbereitschaft vom Ministerium angeboten bekommen haben. Dazu heißt es vom zuständigen Pressesprecher: „ ... die Information ... ist unzutreffend. Richtig ist, dass eine Rufbereitschaft für die Insel Fehmarn erörtert aber nicht weiter verfolgt wurde... Grundsätzlich ist es so, dass die Vergütung der Rufbereitschaft eine freiwillige Leistung der Kassen ist, die zwischen den Beteiligten zu vereinbaren wäre.“

 

 

 

 

 

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