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Lebenshilfe Sylt : Bewohner der Sylter Lebenshilfe stellen Linoldrucke in der „Alten Post“ aus

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine künstlerisch aktive Schar von Bewohnern der Sylter Lebenshilfe trifft sich unter dem Begriff „Lebenskünstler“ zweimal monatlich. Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellen sie jetzt aus.

Diese Ausstellung ist außergewöhnlich. Nicht wegen der beeindruckenden Anzahl von etwa 100 Kunstwerken, die seit dem vergangenen Freitag in der Westerländer Stadtgalerie „Alte Post“ gezeigt werden. Auch nicht wegen der ausgefallenen Art der Präsentation: mit Klammern an Wäscheleinen befestigt, wippen und schaukeln sie den Besuchern bei leichtem Wind entgegen. Und schon gar nicht wegen ihres Preises. Sie kosten nämlich allesamt einheitlich 100 Euro das Stück – und nun warten diese Werke auf ihre Käufer.

Eine künstlerisch aktive Schar von Bewohnern der Sylter Lebenshilfe ist es, die sich unter dem Begriff „Lebenskünstler“ zweimal monatlich zu jeweils vier Stunden zusammen findet. Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellen sie jetzt aus. Und was sich da unter der thematischen und herstellungstechnischen Vorgabe – Linoldrucke zeigen Hände und Füße – dem Besucher präsentiert, das kann sich sehen lassen.

Künstlerisches und kunsthandwerkliches Arbeiten hat in der Sylter Lebenshilfe bereits Tradition. Ernst Wilhelm Stojan rief unter seiner Verantwortung einst unter anderem die Malschule, gar eine Werkstatt ins Leben. Künstler wie Günther Winkler oder Karl-Peter Pfnür engagierten sich seitens der Sylter Kunstfreunde über viele Jahre auf diesem Gebiet für die Lebenshilfe. Seit 2013 schließlich setzt der Kampener Thomas Landt die Tradition fort. Ihn freute besonders, dass Ellen Schröder, Gattin des verstorbenen Künstlers Horst Schröder, der Lebenshilfe die Druckerpresse ihres Mannes zum Geschenk machte. Sie fristete bislang auf ihrem häuslichen Dachboden einen Dornröschenschlaf, bis sie unter Thomas Landt und seinen Schützlingen zu neuen Aktivitäten erwachte. „Es ist schön, dass sie wieder zum Einsatz kommt,“ so Ellen Schröder mit Blick auf die reaktivierte Presse, die in der Ausstellung nicht zu übersehen ist.

 


Die Bilder können sich sehen lassen


 

Ideenreich waren auch die Sylter Kunstfreunde, als es galt, der Lebenshilfe anlässlich ihres diesjährigen Geburtstages ein passendes Geschenk zu machen. „Wir schenken ihnen eine Ausstellung,“ so Petra Nies, Vorsitzende der Kunstfreunde. Beim Ausstellungsrundgang zeigte sich Nies immer wieder angetan von der teilweise aparten Farbgebung und dem technischen Können bei einzelnen Werken. „Linoldrucke,“ so Nies, erfordern verschiedene Fertigungsschritte innerhalb eines gar nicht so einfachen Prozesscharakters. Das spiegelverkehrte Arbeiten bedeutet darüber hinaus eine relativ schwierige Anforderung.“

Oliver Pohl, Geschäftsführer der Lebenshilfe, zeigte sich erfreut über die zahlreichen Besucher bei der Ausstellungseröffnung. Und erklärte: „Die Hälfte des Verkaufserlöses dient der Deckung der Kosten für Farben und das recht teure Büttenpapier. Die andere Hälfte aber fließt dem jeweiligen Künstler zu.“

Eine pädagogisch äußerst kluge Praxis, deren Bedeutung für alle Beteiligten kaum zu ermessen ist. Neben der monetären Honorierung tritt nämlich eine noch viel bedeutsamere Art der Honorierung hinzu: die Anteilnahme am Ausstellungsgeschehen und die Beachtung des Erarbeiteten durch die Besucher; sodann die Anerkennung durch Fragen, Kommentare, gar lobende Worte bis hin zum Erwerb eines Kunstwerkes. All das mag bei den „Lebenskünstlern“ ungemein bestärkend wirken und in hohem Maße bei ihnen das Bewußtsein vermitteln, etwas geleistet zu haben und etwas zu können. Letztlich: akzeptiert und integriert zu sein. Welch ein schönes Projekt ist darum hier in diesen Tagen gestartet worden!

Die Ausstellung ist täglich ab 14 Uhr in der „Alten Post“, Westerland, Stephanstraße, bis zum 28. November geöffnet. Auch ein Mitglied der „Lebenskünstler“ wird dann jeweils anwesend sein.

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