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Streit um Syltshuttle : Bewerber RDC: „Böser Streich der Deutschen Bahn“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der DB-Vorstand sieht das Verfahren um den Autozug nach Sylt als „neues Spiel“ mit „neuem Glück“. RDC bezeichnet den DB-Juristen als „Übeltäter“.

Sylt | Der Streit um die Vergabe des Autozugs wird weiter vor Gericht ausgetragen. Hans Leister, Manager des Bewerbers Railroad Development Corporation (RDC) Deutschland, kündigte im Gespräch mit der Sylter Rundschau an, dass sein Unternehmen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Münster gegen die Entscheidung des Verwaltungsgericht Köln einlegen werde, das eine Klage von RDC gegen die Bundesnetzagentur abgelehnt hatte. Die Behörde war bei der Trassenvergabe für die Strecke Niebüll-Westerland durch die DB Netz AG eingeschritten, weil sie die Ansicht vertrat, dass insgesamt zu viele Zugverbindungen auf der Strecke eingeplant wurden.

RDC habe in der ersten Runde klar gewonnen, bestätigte auf einer Pressekonferenz der DB Netz AG am Dienstag auch Dr. Jörg Sandvoß, der Vorstand „Vertrieb und Fahrplan“, und betonte, dass bei bei den Rahmenvertragsverhandlungen alle Bewerber gleich behandelt worden seien. Bis zu Tausende Konflikte wären bei Vergabeverfahren durchaus nicht ungewöhnlich, aber 99 Prozent der Probleme würden üblicherweise gelöst, sagte Sandvoß. Nicht lösbare Konflikte gehen in Entscheidungsverfahren, wie aktuell die Trassenvergaben für die Verbindung zwische der Insel und dem Festland. Dann jedoch sei der Einspruch der Aufsichtsbehörde Bundesnetzagentur gekommen. Was RDC beantragt hätte, sei grundsätzlich fahrbar, betonte das DB-Vorstandsmitglied. Aber andere Anmelder hätten dann gar nicht mehr fahren können, somit sei der Konflikt absehbar gewesen. Wie es wann weitergeht, wollte Sandvoß nicht voraussagen: „Neues Spiel, neues Glück – jetzt ist alles wieder vollkommen offen.“

Ganz so sportlich sieht RDC-Manager die Angelegenheit allerdings nicht. „Das Ganze ist schon ein böser Streich der Deutschen Bahn“, klagt Leister. Erst habe die DB Netz AG die Nutzung von vier Trassen je Stunde zur Genehmigung vorgeschlagen, dann jedoch bei der Anhörung durch das Verwaltungsgericht hätten die DB-Juristen genauso wie die Bundesnetzagentur argumentiert, dass nur zwei Hin-und-Rück-Verbindungen pro Stunde für zehn Jahre fest vergeben werden dürften. Zwei weitere Trassen sollten jährlich neu ausgeschrieben werden. Leister vermutet, hinter dem Rückzieher würden wohl „Gesamtinteressen des Unternehmens Bahn“ stecken, denn die DB Netz AG habe gar keinen eigenen Anwälte. „Die wahren Übeltäter sind die Konzern-Juristen.“

Einzelne Frequenzen könnten wahrscheinlich an RDC vergeben werden, sagte DB-Vorstand auf der Pressekonferenz. Ohne Rahmenvertrag sei sogar eine Vergabe von stündlich vier Trassen möglich. Dann jedoch müsste dies jährlich neu erfolgen: „Bei der teilweisen Eingleisigkeit der Strecker wäre das jedoch sehr außergewöhnlich“, räumte Sandvoß ein.

Während also weiter offen ist, wer künftig den Autozug betreiben darf, war es Jörg Sandvoß vom Vorstand der DB Netz AG ein besonderes Anliegen, ein „klares Signal“ zu senden gegen mögliche Sorgen, dass die Insel Sylt künftig nicht mehr richtig angebunden sei. Die Verbindungen der Nord-Ostsee-Bahn zwischen Hamburg und Westerland wären gesichert, allein schon aufgrund des längeren Laufweges. Der Pendlerverkehr zwischen Niebüll und Sylt wäre ebenfalls nicht bedroht, weil er „zumindest zum größten Teil“ über Rahmenverträge für die nächsten fünf Jahre abgesichert sei. Und der IC-Verkehr belege ohnehin nur wenige Slots auf der Strecke.

Hinsichtlich eines möglichen Zeitplans für die nächsten Entscheidungen äußerten sich der DB Netz-Vorstand und der RDC-Manager sehr unterschiedlich. Während Sandvoß bereits den 11. April als wichtigen Stichtag für Anmeldungen nannte, erklärte Leister, man erhoffe sich bis etwa August Klarheit zu allen offenen Fragen. Ob RDC bei einem Zuschlag dann jedoch ausreichend Zeit bleibt, um sowohl die notwendigen Lokomotiven und Transportwaggons anzuschaffen als auch die gesamte Logistik inklusive der Terminals des Autozugs umzustellen, bleibt abzuwarten.

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erstellt am 11.Mär.2015 | 09:51 Uhr

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