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Mit der Adler-Express von Sylt nach Helgoland : Bewegte Fahrt von Insel zu Insel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vier Mal im Jahr bietet die Adler-Reederei eine Sonderfahrt nach Helgoland an. Eine Reportage über einen Tagesausflug auf die Hochseeinsel

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2015 | 05:50 Uhr

„Herzlich Willkommen an Bord der ‚Adler Express‘ auf ihrem Weg nach Helgoland“ knarzt es mit tiefer und freundlicher Stimme aus den Lautsprechern, „bitte achten Sie auf einen sicheren Stand, wenn wir gleich das Wattenmeer verlassen. Dann könnte es möglicherweise etwas Schaukeln.“ Der nordische Akzent von Kapitän Gerrit Vöge schmeichelt sofort ins Ohr, als er die rund 100 Passagiere an Bord der „Adler-Express“ auf der Sonderfahrt von Sylt nach Helgoland begrüßt.

Vielen an Bord sind Geschichten von gemeinen Überfahrten bei starkem Seegang auf „Deutschlands einzige Hochseeinsel“ bekannt. Eine Reise dorthin kann durchaus eine Herausforderung für Kopf und Magen sein. Daher ist die Erleichterung bei einigen Passagieren groß, als es auch hinter der Wattenmeer-Grenze weitestgehend ruhig bleibt.

Die Wetter-Verhältnisse bieten beste Voraussetzungen für die Überfahrt: Das Meer gleicht einem ruhig in der Sonne glitzernden Baggersee und die in der Luft liegende leichte Brise ist noch etliche Windstärken von einem Sturm entfernt. Vor allem die Passagiere, denen starker Seegang schnell mal zu schaffen machen kann, gehen mit den Wetteraussichten im Hinterkopf beruhigt an Bord des weißen Schiffes und so ist jeder Platz auf dem Sonnendeck schnell besetzt. Noch ahnt vielleicht nur die Crew, dass sich die Wetter- und Wellengang-Verhältnisse im Laufe des Tages noch radikal ändern werden.

„Für uns ist die Fahrt nach Helgoland auch immer wieder etwas besonderes“, sagt Kapitän Vöge, der auf seiner Brücke zwischen etlichen Knöpfen, Bildschirmen und Telefonhörern sitzt und ruhig das Schiff vorbei an Sandbänken mit hunderten Seehunden und Kegelrobben steuert. „Es ist eine Abwechslung für die Besatzung und immer wieder eine schöne Tour, vor allem, weil Helgoland wirklich eine besondere Insel ist.“ Mit seinem Steuermann, Jan-Patrick Schröer, bringt Vöge das Schiff normalerweise zwei Mal täglich von Nordstrand über Hooge und Amrum nach Sylt. Vier Mal im Jahr bietet die Reederei auch zur Freude der „Adler-Express“-Besatzung die Sonderfahrt von Hörnum nach Helgoland und zurück an, zwei Mal im Frühling und zwei Mal im Herbst.

Die zweistündige Überfahrt vergeht bei Kaffee, Snacks und Sonnenbaden wie im Flug und irgendwann taucht aus dem Dunst weit am Horizont ein riesiger Felsen im Meer auf. An Bord wird es unruhig und die Passagiere versammeln sich aufgeregt mit Fotoapparaten in der Hand an der Steuerbord-Seite, um die Insel für das Familienalbum festzuhalten.

Im Hafen angekommen gehen die Passagiere mit leicht roten Bäckchen vom Sonnenbaden nach und nach über die Gangway von Bord und verteilen sich über die Insel. Die einen, die Helgoland schon besser kennen, ziehen schnurstracks Richtung Einkaufs-Meile. Die Zoll- und Steuerbefreiung auf dem Eiland lockt seit Jahrzehnten viele Tagesausflügler zum Duty-Free-Shopping an. Vor allem Zigaretten, Alkohol, Parfum und Körperpflegeprodukte werden in fast jedem Geschäft angepriesen. Auch haufenweise Schokolade, nicht die normalen Tafeln, sondern vor allem in XXL-Format, gibt es zu erschwinglichen Preisen und viele Touristen ziehen schwer bepackt mit großen Plastiktüten von einem Shop zum nächsten.

Die Insel bietet seinen Gästen aber auch weitaus mehr als zollfreie Einkaufsmöglichkeiten, nämlich vor allem eine beeindruckende Landschaft, eine artenreiche Tierwelt und eine außergewöhnliche Geschichte. Vom sogenannten Unterland, wo auch der Hafen liegt, geht es einen steilen Weg hinauf aufs Oberland, wo ein Rundweg die Natur offenbart. Direkt an den hohen Klippen entlang ist der Ausblick einzigartig und vor allem Ornithologen kommen auf ihre Kosten: Auf den Felsbändern sitzen dichtgedrängt tausende Basstölpel, Dreizehenmöwen und schwarze Trottellummen. Das Bild der vielen Vögel ist beeindruckend, der Geruch allerdings gewöhungsbedürftig.

Der Rundgang führt die Spaziergänger durch eine Kleingarten-Kolonie direkt in die Wohnsiedlung des Oberlands. Außer ein paar Duty-Free-Shops ist dort allerdings wenig zu entdecken, die Straßen sind überwiegend leer. Während die Tagestouristen die Insel bevölkern, halten sich die Einheimischen anscheinend lieber zuhause auf.

Gegen 15 Uhr kommen die Ausflügler von Sylt schwer bepackt wieder an Bord. Das Wetter ist bereits umgeschlagen. Regen und Wind lassen die Passagiere unter Deck flüchten. Als das Schiff um 15.30 Uhr ablegt und aus dem geschützten Hafen ausläuft, wird langsam allen klar, dass die Rückfahrt nicht so reibungslos verlaufen wird wie die Hinfahrt. Kapitän Vöge bittet erneut alle Passagiere, ein sicheres Plätzchen aufzusuchen und für die Dauer der Rückfahrt lieber nicht aufzustehen. Immer mehr Passagiere sind jetzt blass um die Nase und Crew-Mitglieder bieten freundlich „Spucktüten“ an, die manche gerne annehmen. „Seekranke hat man eigentlich immer“, sagt Kapitän Vöge, „da kann das Wasser auch ganz ruhig sein“. Er selbst habe damit aber noch nie zu kämpfen gehabt - und der 49-Jährige fährt zur See seit dem er 14 Jahre alt ist.

So geht es bei etwa 1,50 Meter hohen Wellen hin und her und von links nach rechts schaukelnd zurück nach Hörnum. Vielen Passagieren macht das nichts aus, einige haben dabei sogar richtig Spaß. Andere liegen aber auch in Decken auf den Sitzbänken oder blicken an der frischen Luft Richtung Horizont. Starker Wellengang sei das laut Vöge aber noch lange nicht. Beim Aussteigen fragen ihn Passagiere, wie hoch die Wellen denn nun waren. „Wellen?“ fragt der seefeste Kapitän verschmitzt, „welche Wellen?“.

Das nächste Mal heißt es am kommenden Sonnabend, 25. April, „Leinen los“. Um 10 Uhr ist Abfahrt, auf Helgoland haben die Passagiere dann zirka 3,5 Stunden Zeit und gegen 17:45 legt das Schiff schließlich wieder im Hörnumer Hafen an. Die Fahrten im Herbst sind am 12. und am 26. September.

 

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