Recycling auf Sylt : Betriebsleiter Volker Tybussek gewährt Einblick in den Alltag bei Remondis

Avatar_shz von 01. Dezember 2020, 18:28 Uhr

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Volker Tybussek ist Betriebsleiter von Remondis auf Sylt.

Volker Tybussek ist Betriebsleiter von Remondis auf Sylt.

Rund 25.000 Tonnen Abfall kommen jährlich auf Sylt zusammen. Dieser landet schließlich bei Remondis in Westerland.

Westerland | Die Folgen der Zivilisation und des Wohlstands, auf halbem Wege zwischen Westerland und Rantum sind sie besonders augenscheinlich. Hier türmen sich Pappe und Papier, Flaschen und Folien, Konservendosen und Essensreste, Sofas und Fahrräder zu zerklüfteten Hügeln auf, über denen krächzende Möwen kreisen – in der Müllentsorgungsanlage ist für sie immer was zu holen. Weiterlesen: Innovativer Reinigungsservice : Auf Sylt duften die Mülltonnen bald nach Zitrone Jährlicher Abfall im Gewicht von 830 Jumbo-Jets Weiterlesen: Woche der Abfallvermeidung: Sylter kämpfen für weniger Plastik Sylt von seiner anrüchigen Seite: In der sechs Hektar großen Niederlassung der Firma „Remondis“, einem der weltweit größten Recycling-Dienstleister, fallen jährlich rund 25.000 Tonnen Abfall an, was dem stolzen Gewicht von 830 „Boeing 737“-Maschinen entspricht. Ein knappes Drittel des Sylter Müllbergs häuft sich aus Restabfällen an, auch Bauschutt und Gartenabfälle rangieren vorn. Eine regionale Besonderheit sind indes die 400 Tonnen altes Reet, die pro Jahr anfallen. Rund 1800 Mülltransporte zum Festland kommen übers Jahr so insgesamt zusammen, fast jeden Morgen rollen um 6 Uhr die ersten Containerfahrzeuge vom Westerländer Entsorgungszentrum zum Autozug: Die Fahrten führen landesweit zu verschiedenen großen Entsorgungsanlagen. Um die Mülltrennung ist es auf der Insel indes nicht sonderlich gut bestellt, weiß Betriebsleiter Volker Tybussek. In den grauen und gelben Tonnen finden sich jeweils etwa 40  Prozent falsch eingeworfener Müll, rund 20 Prozent sind es bei den Biotonnen, lediglich die grünen Tonnen bilden die löbliche Ausnahme. Unkenntnis führt oft zu falscher Mülltrennung „Die falsche Mülltrennung resultiert häufig aus Unkenntnis“, sagt Tybussek und nennt die häufigsten Fehler: „In die gelbe Tonne gehören quasi nur die Verpackungen von Lebensmitteln – nicht aber zum Beispiel Kleiderbügel oder leere Eimer, auch wenn diese aus Plastik sind. In den grauen Tonnen wiederum findet sich viel zu viel Verpackungsmüll, der eigentlich in die gelben Tonnen gehört. Apropos Tonnen: Hier hat die Sylter Remondis-Niederlassung zwei neue Service-Leistungen eingeführt, die sich schnell bewährt haben. Zum einen der „Vollservice“, der neben der üblichen Tonnenleerung auch das Herausholen und Zurückstellen der Tonnen umfasst. „Wir verzeichnen eine starke Nachfrage, insbesondere von älteren Bürgern und Zweithausbesitzern“, berichtet Tybussek. Auch das neue Angebot der Tonnenreinigung wird erfreulich gut angenommen. Dafür ist ein Spezialfahrzeug unterwegs, dass die Tonnen während des Kippvorgangs mit Hochdruck, 45 Grad heißem Wasser und Zitronenduft von Anhaftungen und Ungeziefer reinigt. Das Brauchwasser fließt danach in einen separaten Tank des Fahrzeugs. Bei der Mülltonnen-Reinigung ist die Sylter Niederlassung Vorreiter im gesamten Konzern. Das bereits an die 500 Kunden von dieser Frischekur gegen Gerüche Gebrauch machen, hat Volker Tybussek in dieser Idee mehr als bestätigt. Flaschen machen großen Teil des Abfalls aus Doch es ist nicht nur das Entleeren der Tonnen, das die Mitarbeiter auf Trab hält. Immer mal wieder treten auch saisonale Besonderheiten auf. So türmten sich die Flaschenberge in diesem Sommer besonders hoch – nämlich um ein stolzes Drittel mehr. Ein Zeichen, dass die Lebensfreude der Urlauber übersprudelte – womöglich als Genuss einer Auszeit aus dem (Corona-)Alltag. Neben großem Durst schien in der vergangenen Saison auch ein großer Run der Vierbeiner auf Sylt eingesetzt zu haben. Angesichts von rund 1,5 Millionen in diesem Jahr verbrauchten Hundekotbeuteln verbucht man in der Müllentsorgungsanlage einen „signifikanten Anstieg“. Ebenfalls tierisch, aber weitaus unschöner ist hingegen der Inhalt der Säcke, die in diesen Tagen zu Dutzenden von den Strandreinigungskräften der Kurverwaltungen gebündelt gebracht werden und ein trauriges Zeugnis der grassierenden Geflügelpest abgeben: „Binnen zwei Wochen wurden bei uns 800 verendete Vögel abgeliefert, die wir zur Tierkörperverwertung aufs Festland transportiert haben“, berichtet Volker Tybussek....

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