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Syltshuttle : Betreiben künftig zwei Unternehmen den Autozug?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ab Mitte Dezember könnten sowohl RDC als auch die Deutsche Bahn Züge über den Damm rollen lassen.

von
erstellt am 24.Mär.2015 | 05:11 Uhr

Sylt | Werden künftig zwei Unternehmen Autozüge zwischen Niebüll und Westerland fahren lassen? Die Möglichkeit besteht – denn bei der Vergabe der Rahmenverträge durch die DB Netz AG hat Bahnkonkurrent Railroad Developement Corporation (RDC) nur elf Autozug-Fahrten pro Tag für fünf Jahre zugesprochen bekommen. Nun kann sich auch die DB Fernverkehr jedes Jahr für weitere Autozugtrassen bewerben. Wäre sie damit erfolgreich, würden ab Mitte Dezember diesen Jahres zwei verschiedenen Unternehmen Autozüge über den Damm rollen lassen.

Das ist der Stand der Dinge: Diese Woche sollen die Rahmenverträge zwischen der DB Netz AG und den Betreibern der Bahnstrecke Niebüll-Westerland unterschrieben werden, heißt es von RDC. Die Rahmenverträge legen fest, wer wie viele Verbindungen für fünf Jahre zugesagt bekommt. Bei RDC sind es nach Auskunft des Unternehmens insgesamt elf Autozug-Fahrten. Das Land Schleswig-Holstein hat für seinen Nahverkehr 31 Fahrten je Richtung genehmigt bekommen, demnach fahren künftig ungefähr so viele Nord-Ostsee-Bahnen wie bisher auf die Insel. Somit scheint die auf Sylt vorherrschende Sorge, es könnte nicht mehr genügend Pendlerzüge von und nach Westerland fahren, entkräftet.

Auch das bleibt gleich: Die Deutsche Bahn kann wie bisher mit vier Intercityverbindung auf die Insel aufwarten, sagte ein Bahnsprecher gegenüber unserer Zeitung.

Nachdem durch diese Aufteilung ein Teil der Verbindungen vertraglich für mehrere Jahre fest vergeben ist, bleiben rund 28 Hin-und-Rückfahrten übrig, um die sich Interessenten dann jährlich bewerben können. „Wir werden uns dafür bewerben, alle 28 Trassen für unseren Autozugverkehr nutzen zu können“, sagt Carsten Carstensen, Geschäftsführer von RDC Deutschland. Sollte sich auch die DB Fernverkehr um alle oder einige der Trassen bewerben, kommt es im Sommer diesen Jahres zum Höchstbieter-Verfahren – das Unternehmen, das für eine Trasse am meisten zahlt, darf fahren: „Normalerweise kostet die Trassengebühr zwischen Niebüll und Westerland rund 200 Euro – es kann gut sein, dass dann ein Vielfaches pro Trasse gezahlt wird“, so Carstensen.

Es könnte also zu zwei möglichen Szenarien kommen: RDC gewinnt beim Höchstbieter-Verfahren alle 28 Trassen und betreibt den Autozug allein. Oder die DB Fernverkehr erhält einen Teil oder alle 28 Trassen – dann würden künftig sowohl Autozüge der Deutschen Bahn als auch Autozüge von RDC den Hindenburgdamm überqueren. Trotz dieser für sein Unternehmen nicht unbedingt idealen möglichen Variante hält Carstensen an dem Plan fest, ab Mitte Dezember Züge rollen zu lassen – sollte sein Unternehmen nicht mehr als die elf vertraglich zugesicherten Fahrten erhalten, zur Not auch nur mit einem einzelnen Autozug. Da sich das Unternehmen allerdings nicht in der Lage sieht, bis Mitte Dezember die passenden Waggons für den Syltshuttle produzieren zu lassen, werde man sich zunächst einen oder mehrere Züge leihen, so Carstensen weiter. Auch nach dem passenden Personal für ihren Autozug fahndet das Unternehmen bereits: Für die Betriebsaufnahme am 13. Dezember suche man „erfahrene Mitarbeiter (m/w)“: Betriebsplaner, Betriebsleiter, Zugführer, Transportleiter oder einen Verzurrer, heißt es in Stellenanzeigen, die das Unternehmen in Zeitungen und im Internet schaltete. Dabei geht es nur um Zugpersonal – die Terminals und die Bahnhöfe werden weiter mit dem Personal der Deutschen Bahn betrieben.

Sollten wirklich sowohl DB Fernverkehr, als auch RDC den Autozug betreiben, stellen sich für Sylter und Gäste einige Fragen: Zum Beispiel müsste geklärt werden, ob die Verbindungen bei den Unternehmen gleich teuer wären, ob die DB-Tickets auch für RDC-Züge gelten und ob es künftig noch einen ermäßigten Insulanertarif gibt. „Spannende Fragen“, befindet RDC-Geschäftsführer Carstensen, zu denen er momentan noch nicht viel sagen kann. Ob RDC-Tickets von der Deutschen Bahn anerkannt würden, müsste gegebenenfalls das Kartellamt prüfen. In Sachen Insulanertarif hatte das Unternehmen vor einigen Wochen die Rechtmäßigkeit einer solchen Ermäßigung angezweifelt. Jetzt warte man auf das Ergebnis eines Rechtsgutachtens, das Klarheit schaffen soll.

Momentan laufen die Anmeldungen für die jährlich zu vergebenden Trassen, zudem ist auch die Prüfung der Rahmenverträge durch die Bundesnetzagentur noch nicht offiziell abgeschlossen. Im Laufe des Sommers soll dann der komplette Fahrplan nach Sylt stehen.

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