Besuch aus dem 18. Jahrhundert

Hella Hoffmann zeigte im Heimatmuseum die Kunst des Bändchen-Webens.
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Hella Hoffmann zeigte im Heimatmuseum die Kunst des Bändchen-Webens.

Am Museumstag belebten die Living-History-Darsteller das Altfriesische Haus und im Heimatmuseum gab es altes Handwerk zu bestaunen

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13. Mai 2013, 10:02 Uhr

Keitum | "Wer kommt denn da einfach so ins Wohnzimmer, ohne zu klopfen?", poltert Peter Uwen, als die ersten Besucher das Alfriesische Haus betreten. Nach dem langen Winter will Uwen in seinem alten Haus nach dem Rechten sehen und muss dabei befremdliche Veränderungen feststellen. So einen seltsamen Schalter, um das Licht anzumachen, gab es doch vorher noch nicht? Und wer ist dieser C.P. Hansen, dessen Name überall steht?

Bei den Besuchern kommen die Späße und Geschichten der Living-History-Darsteller anlässlich des 36. Internationalen Museumstages gut an. Am meisten Aufmerksamkeit erregt Gästeführerin Silke v. Bremen, die mit schwarzen Zähnen und falschen Warzen als 91-jährige Kostgängerin Karin Erken kaum wiederzuerkennen ist. So ganz einfach sei es nicht, den ganzen Tag über in der Rolle zu bleiben, erzählt sie, sie habe dann eine andere Art zu reden. Später plaudert v. Bremen über "ihre" Vergangenheit im 18. Jahrhundert, als sie als 22-Jährige darauf hoffte, noch einen Mann abzubekommen. "Aber es sind ja so viele auf hoher See gestorben und dann war ich auch nicht die Hübscheste", sagt Karin Erken alias Silke v. Bremen und ist ganz in ihrem Element.

Gegenüber, im Heimatmuseum, zeigt der Schmied Hans Gerke derweil den beiden Jungen Justus und Levius, wie aus einem dünnen Stück Metall ein kleines Messer entsteht. "Wie heißt wohl diese Zange", fragt Gerke und streckt den etwas schüchtern wirkenden Jungen das große Werkzeug hin. "Es hat etwas mit dem Aussehen zu tun - an welches Tier erinnert euch der Kopf?" Ein Krokodil, tippt der fünfjährige Levius spontan. "Naja, so hieße die Zange, wenn wir in Ägypten wären. Hier heißt sie Wolfsmaulzange", verrät Gerke und zieht ein rot glühendes Stück Metall aus dem Feuer. Nach einiger Arbeit mit Hammer und Zange auf dem Amboss hat das Messer die richtige Form und Levius und Justus können ihrer Mutter Anke Freese stolz das blank polierte Ergebnis mitsamt eingearbeiteter Initialen überreichen. "Das ist ja ein Traum", lacht die junge Frau aus Bad Malente. "Dabei habe ich doch heute schon so viel von euch zum Muttertag bekommen." Zum Museumstag hat die Familie zufällig gefunden und ist jetzt ganz begeistert von den vielen Aktionen. Sie können beobachten, wie Boy Hoffmann Taue herstellt und seine Frau Hella Bändchen webt, während Barbara Djassemi ihr neues Buch über Sylter Kochrezepte in der Küche des Altfriesischen Hauses vorstellt. Bei freiem Eintritt geöffnet hatten übrigens nicht nur die beiden Keitumer Museen, sondern auch der Denghoog und die Vogelkoje.

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