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Hunde auf Sylt : Bester Freund oder großer Störenfried?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Meinungen über Hunde sind auf der Insel gespalten: Während die einen sie lieben, beschweren sich andere über ihren Gestank.

Sie riechen schlecht, sie stören im Restaurant und noch dazu liegt ihr Kot überall in der Sylter Natur – sagen die einen. Für die anderen sind Hunde der „beste Freund“, der ihnen immer treu zur Seite steht und ohne den sie sich ihr Leben nicht vorstellen können. Sylt gilt grundsätzlich als sehr hundefreundlich: Besonders in der Nebensaison herrscht an allen Stränden Hundezeit. Das zeigt auch eine Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, nach der immer mehr Hundehalter auch im Urlaub nicht auf ihre Tiere verzichten wollen. Doch nicht jedem Insulaner oder Gast gefällt dieser Trend.

„Als wir anfingen zu essen, setzte sich ein Paar mit einem mittelgroßen langhaarigen nassen Hund an den Nebentisch, den sie an langer Leine hielten“, schrieb Renate David in einem Leserbrief an die Sylter Rundschau. Von ihrem Erlebnis in einem Sylter Restaurant war die Westerländerin alles andere als begeistert. Das Tier sei nicht sitzen geblieben, sondern lief demnach hinter dem Tisch hin und her und verbreitete den „typischen Nasser-Hund-Geruch“. Sie fordert, dass besonders nasse Hunde in Restaurants keinen Zutritt haben dürfen.

Doch was den einen stört, ist für den anderen ein Geschäft: Zahlreiche Hotels und Pensionen auf der Insel haben sich auf den Trend eingestellt und bieten Spezialangebote für Reisende mit Hund. Zweimal jährlich locken außerdem die Wenningstedter „Hundstage“ mit Hundesport, -ausflügen und tiermedizinischen Seminaren Hundegäste auf die Insel. Auch die Erziehung des Tieres ist hier Thema, denn es ist der Mensch, der für seinen Hund verantwortlich ist. Der Deutsche Hundesportverband (dhv) schreibt auf seiner Homepage. „Richtiges Verhalten ist nicht angeboren, sondern muss erst erlernt werden.“ Egal ob Dackel oder Dogge, Hunde müssten vom Besitzer lernen sich in ihrer Umwelt richtig zu verhalten.

Ihre beiden West Highland Terrier würde eine 45-jährige Tinnumerin niemals mit in ein Lokal nehmen.„Es ist eine Unsitte, Hunde mit ins Restaurant zu nehmen – die haben da nichts zu suchen“, sagt die Insulanerin empört. Das Tier müsse ja nicht überall hin mitgenommen werden – auf Sylt gäbe es viele große Auslaufmöglichkeiten für die Vierbeiner.


Sylt hat tolle Orte für Hunde – man muss nur wissen wo


Das bestätigt auch Wenningstedts Tourismusdirektor Henning Sieverts, der selbst Hundehalter ist: „Ich finde, hier auf der Insel kann man es sehr gut mit einem Hund aushalten“, sagt er, „selbst wenn viele Hunde auf der Insel sind“. Man müsse nur genau wissen, wo man mit ihnen spazieren geht, dann „stört man auch niemanden“. Im Hochsommer würde er mit seinem Boxer Tyson zum Beispiel niemals den Tag am vollen Strand verbringen, betont Sieverts.

Vor allem in den Wintermonaten laufen viele Hunde an den Sylter Stränden, denn dann werden Hundestrandgebote und die Leinenpflicht gelockert. Zwischen dem 1. November und dem 14. März dürfen die Vierbeiner an allen Stränden ohne Leine laufen, sagt Finn Schulz vom Sylter Ordnungsamt. Mit Rücksicht auf die Badegäste gilt während der Saison zwischen dem 15. März und dem 31. Oktober Leinenpflicht für die Vierbeiner – in einigen Inselorten wird sie gezielt kontrolliert. Wandern mit Hunden wird in der Saison außerhalb von Hundestränden allein im Flutsaum toleriert. Unter anderem in Kampen und Wenningstedt-Braderup laufen während der Saison Ranger am Strand Patrouille und achten auf den Naturschutz und ein verträgliches Miteinander der Gäste. Zum freien Toben stehen eingezäunte Hundewiesen bereit, etwa am Flughafen.

Aber nicht alle Hundebesitzer sind zufrieden mit der Situation: „Es gibt zu viele freilaufende Hunde, vor allem die Touristen lassen sie laufen und gehen selbst in großer Entfernung weiter“, sagt ein Hundebesitzer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dann wisse man oft nicht, wie man mit den fremden Tieren umgehen soll, wenn sie sich dem eigenen Hunde nähern. „Außerdem werden es immer mehr Hunde auf Sylt, das war früher anders“, beklagt er. Ob die Zahl der auf Sylt gemeldeten Hunde tatsächlich zugenommen hat, konnte das Sylter Finanzamt kurzfristig nicht ermitteln.


Freilaufende Hunde scheuchen Fasane und Hasen auf


Streit gab es auf der Insel in der Vergangenheit aber schon mehrfach: Waldis Geschäft sorgt immer wieder für Ärger, denn die Hundebesitzer werfen gefüllte Hundekotbeutel in die Sylter Natur (wir berichteten). Umweltschützer regt das auf: Die meisten Hundebesitzer sammeln oft die Hinterlassenschaften ihres Lieblings auf – nur im Mülleimer landet die Tüte dann nicht immer. Die mit Hundekot gefüllten Tütchen liegen stattdessen in Rosenbüschen, der Heidelandschaft oder den Dünen und vermüllen die Insel auf viele Jahre hin – der Zersetzungsprozess von einer Plastiktüte kann bis zu 400 Jahren dauern. „Die Hundebesitzer müssen sich einfach an Regeln halten, wenn sie mit ihrem Tier Spazierengehen“, sagt Margit Ludwig von der Naturschutzgemeinschaft Sylt in Wenningstedt-Braderup. Vielen sei der Weg zum nächsten Mülleimer zu weit.

„Ich finde es unsinnig, dass die Leute die Kacke einsammeln und dann ein paar Meter weiter in die Natur schmeißen“, sagt Anne-Kathrin Bubbe, Inhaberin des Gasthofs Weisses Kliff in Braderup. Da sei es sinnvoller, den Hundekot liegenzulassen – Hasen und Pferde würden ihre Exkremete ja auch in der Heide hinterlassen. Einzige Lösung für das Problem bislang: Freiwillige Helfer, die die Tüten wegräumen. „Die Beschwerden über Tretminen, die überall herumliegen, häufen sich“, empört sich Jörg Elias vom Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS).

Biobauer Jens Volquardsen beunruhigt noch etwas anderes: „Wenn die Hunde über die Wiesen rennen, stören sie – besonders im Frühjahr – die Hasen mit ihren Gelegen“, sagt er. Auch Fasane und Singvögel, die in Bodennähe brüten, würden dann aufgescheucht.

Jutta Vielberg von der Sylt Marketing GmbH (SMG), zeigt sich entspannt: „Wir sind eine echte Hundeinsel“, sagt sie. Aber auch wenn Gäste mit Hund inzwischen zu einer eigenen Zielgruppe geworden sind, würden viele auch weiterhin ohne Tier anreisen, sagt sie.

Viele Vermieter erlauben Hunde auf Anfrage, oder machen ihre Erlaubnis daran fest, wie groß das Tier ist. Eine genaue Zahl, in wie vielen der angebotenen Unterkünfte Haustiere gestattet sind, gäbe es demnach nicht. Zum Glück ist der 40 Kilometer lange Strand auf der Insel weit genug, sodass sowohl Hundefreunde als auch Hundemeider meist ihr eigenes ruhiges Plätzchen finden.




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erstellt am 27.Feb.2016 | 05:12 Uhr

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