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Verkehrsminister auf Sylt : Bernd Buchholz verspricht Verbesserungen bei der Marschbahn

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der neue Verkehrsminister kommt gut an bei seinem ersten Besuch auf der Insel. Er hat einige Lösungsvorschläge im Gepäck.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 18:54 Uhr

Sylt | Mit fünf Minuten Verspätung fuhr am Mittwoch der IC 2314 in den Westerländer Bahnhof ein. Mit an Bord: der neue schleswig-holsteinische Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP). Sein erster Sylt-Besuch nach viereinhalb Wochen im Amt galt dem Verkehrsmittel, mit dem er auch auf die Insel kam: der Bahn. In Gesprächen mit den Sylter Unternehmern, Insel-Politikern und Vertretern der Pendler-Initiative, mit Landrat Dieter Harrsen und Torsten Reh von DB Regio habe er sich ein umfassendes Bild von der vergangenen und gegenwärtigen Situation auf der Marschbahnstrecke gemacht, so Buchholz. Außerdem hat er seine Wünsche und Ziele für die Zukunft bekanntgegeben, die bei allen Beteiligten offenkundig gut ankamen.

Ein funktionierende Bahnverbindung ist für Sylt als Pendler- und Urlauberziel unabdingbar. Doch in der Vergangenheit kam es auf der Strecke immer wieder zu Problemen. Nach Angaben des Ministeriums sind mehr als 25 Prozent der Züge unpünktlich, 4,5 Prozent fallen aus.

„Das Gespräch war geprägt von Interesse und Verständnis – aber von unserer Seite natürlich auch von Forderungen an den neuen Minister“, erklärte Karl Max Hellner, der 1. Vorsitzende des Vereins Sylter Unternehmer nach dem Gespräch. „Wir hoffen jetzt, dass sich dieses leidige Thema, das uns mittlerweile seit 258 Tage betrifft, sukzessive verbessert.“

Bernd Buchholz hatte sich auf den Sylt-Termin intensiv vorbereitet und referierte souverän zum Thema Marschbahn. „Wir waren positiv überrascht, wie gut der Minister über unsere Strecke und über die Problematik hier Bescheid weiß“, lobte Achim Bonnichsen von der Pendler-Initiative den Verkehrsminister. Bonnichsen nimmt gegenwärtig sogar an, dass sich die Situation „erheblich verbessern“ wird.

„Ich wollte unbedingt mit den Beteiligten vor Ort ins Gespräch kommen, denn die Situation ist nicht schön und währt einfach viel zu lange“, sagte der Minister nach den Gesprächen. Er sehe seine Aufgabe nun vor allem darin, die Belastung für die Pendler so weit wie möglich zu reduzieren und wolle „alles dafür zu tun“, dass so viele Waggons wie möglich schnell wieder auf die Stecke kommen. „Dann können wir hoffentlich bald einen geregelten Verkehr mit hoher Qualität und geringen Ausfallzeiten gewährleisten.“

Buchholz ließ auch Kritik an der alten Regierung unter Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) anklingen: „Ich bin nicht für das verantwortlich, was vor meiner Zeit im Amt entschieden wurde und ich möchte jetzt auch nicht klagen. Aber wir müssen mehr tun, als in der Vergangenheit getan wurde, um gerade auf dieser Strecke zu einer Entlastung beizutragen.“

Wie Buchholz die Situation für Bahnreisende verbessern will

  • Die Freigabe des Intercitys ab Westerland um 15.26 Uhr für die Pendler sei ein erster Schritt gewesen, so Buchholz. Allerdings wolle er prüfen, ob es noch weitere ICs gebe, die für Pendler freigegeben werden könnten.
  • Zudem möchte er abklären lassen, ob nicht auch mit dem Sylt Shuttle plus (SSP) Möglichkeiten bestehen, die Situation zu verbessern.
  • Darüberhinaus soll es ab dem 4. September eine weitere Neuerung geben: In der Taktlücke zwischen 14.22 Uhr und 16.22 soll der Zug um 15.52 Uhr ab Westerland nicht nur wie bisher nach Niebüll, sondern bis nach Bredstedt fahren. Das kostet das Land 130.000 Euro.
  • Zusätzlich stellt das Land 100.000 Euro für mehr Service- und Informationspersonal an einigen Bahnsteigen und in den Zügen zur Verfügung. Das Personal solle bereits ab dem Wochenende in Hamburg-Altona auf dem Bahnhof sowie in den Zügen eingesetzt werden.
  • Vom Ministerium heißt es auch, dass für die Stationen in Husum, Niebüll und Klanxbüll in Kürze ebenfalls je zwei zusätzliche Servicekräfte als Reiselenker eingesetzt werden.

Insgesamt sei es, so betonte Buchholz, eine langfristige Herausforderung, die Anbindung der Insel – auch mit Blick nach Berlin – stärker ins Blickfeld zu rücken. „Vor allem das Thema der Zweigleisigkeit muss nach vorne gebracht werden. Das wird zwar nicht in den nächsten Jahren umsetzbar sein, aber es muss auch in der Hauptstadt ankommen, wie wichtig diese Lebensader hier ist.“ Er werde sich mit diesem Thema daher weiterhin stark beschäftigen, versprach er: „Unsere Jamaika-Regierung hat sich vorgenommen, langfristig den Infrastrukturausbau im Land nach vorne zu bringen. Und das betrifft nicht nur die Straßen, sondern auch die Schienen. Insofern haben die Sylter mit mir einen Mitkämpfer an ihrer Seite“.

Torsten Reh, Regionalleiter der Region Nord bei DB Regio bestätigte den positiven Eindruck von dem Gespräch: „Wir werden von Pendlern, Unternehmern und der Politik weiter gefordert, mit unseren Anstrengungen nicht nachzulassen“, sagte er – betonte allerdings, dass der Weg, „auch wenn alle Marschbahnwagen voraussichtlich Ende Oktober wieder verfügbar sind, noch nicht zu Ende ist“. Denn erst in den operativ ruhigeren Zeiten könne genau überprüft werden, was in den nächsten Jahren gemacht werden müsse, um den Verkehr zu verbessern, so Reh. „Wenn sich die dunklen Wolken nach diesem extrem schwierigen Jahr wieder verzogen haben, können wir endlich die weiteren Pläne schmieden.“

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