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Sylter Land in Sylter Hand : Berlin verschenkt seine Dünen

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Bund will sich von 183 Hektar seiner Liegenschaften auf Sylt trennen. Die Flächen sollen als „Nationales Naturerbe“ geschützt werden.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2017 | 05:10 Uhr

Sylt | Sylt hat geerbt – und zwar vom Bund. Im Koalitionsvertrag haben sich die Regierungsparteien erstmals im Jahr 2005 auf ein „Nationales Naturerbe“ verständigt. Grundstücke, die der Bund nicht mehr benötigt, sollen für den Naturschutz bereitgestellt werden. Das gilt für die ehemalige innerdeutsche Grenze, für den DDR-Braunkohletagebau, für frühere Truppenübungsplätze. Aber auch für Bereiche auf Sylt, die der Bund nicht mehr benötigt und nun an den Landschaftszweckverband abgeben will.

Die Sylter Dünen sind ein einzigartiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen - und damit auch eine der touristischen Sehenswürdigkeiten. Wenn sie in öffentlicher Hand bleiben, kann der Naturschutz langfristig sichergestellt werden.

Nach der Wende galt für die Bundesregierung die Prämisse, alle Flächen zu privatisieren, die nicht mehr für Bundesaufgaben benötigt werden. Dagegen protestierten Naturschutzorganisationen und sorgten mit wissenschaftlichen Studien für ein Umdenken. Seit 2005 steht nun die Sicherung von Bundesflächen für den Naturschutz in den Koalitionsverträgen – unter der Überschrift „Nationales Naturerbe“.

Dass Sylt neben vielen DDR-Grundstücken und Bundeswehr-Liegenschaften in das Paket aufgenommen wurde, geht auf eine Initiative des Sylter CDU-Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing zurück: „Ich war damals im Umweltausschuss und hatte bei den Kollegen im Haushaltsausschuss angeregt, auch die Sylter Flächen zu kommunalisieren und an den Landschaftszweckverband abzugeben.“ Mit dem inselweit agierenden Landschaftszweckverband (LZV) verfüge Sylt über ein „Paradebeispiel für eine kommunale Organisation“, lobt Liebing. Statt die Flächen an eine Naturschutzorganisation abzugeben und sie mit der Pflege zu betrauen, kommen die Sylter Bundesflächen nun „echt in Sylter Hand. Es ist eine gute Nachricht, dass die Schenkung noch in dieser Legislaturperiode vorankommt.“

Die schöne Dünenlandschaft soll vor der Privatisierung geschützt und erhalten werden.

Die schöne Dünenlandschaft soll vor der Privatisierung geschützt und erhalten werden.

Foto: Beate Zoellner
 

Eine erste Schenkung des „Nationalen Naturerbes“ erhielt der Landschaftszweckverband bereits im Jahr 2011. Damals wechselten rund 330 Hektar „Rantumer Dünen“ den Eigentümer. Die „Gewährträgerschaft“ übernahm damals das Land Schleswig-Holstein – so hätte Kiel und nicht Berlin haften müssen, falls dort Altlasten oder Kampfmittel gefunden worden wären.

Nun kann sich der LZV auf die „Lister Dünen“ freuen – ein Paket aus 29 Grundstücken mit einer Gesamtgröße von 183,7 Hektar, die tatsächlich aber über die ganze Insel verstreut sind. Die Flächen sind größtenteils Bestandteil des Fauna-Flora-Habitat-Gebietes „Dünen- und Heidelandschaften Nord-Sylt“, des Vogelschutzgebietes „Ramsar-Gebiet Wattenmeer“ und des Naturschutzgebietes Nord-Sylt. Auf der Liste sind auch einige Nutzungen vermerkt – ein paar Garagen, Durchfahrten und eine Segelschule. Daran soll sich aber nichts ändern, erläuterte der LZV-Vorsitzende Manfred Uekermann. Grundsätzlich gehe es wie bei den 330 Hektar aus der ersten Schenkung um den Erhalt der Naturschutzflächen für kommende Generationen. Lediglich ein alter Schießstand der Marine kurz vor List solle zurückgebaut werden.

Weil diesmal die fünf Sylter Gemeinden die Gewährträgerhaftung übernehmen, müssen alle Dorfparlamente der Vereinbarung zustimmen. Einhellige Zustimmung kam bereits aus dem Westerländer Rathaus. Bürgervorsteher Peter Schnittgard nannte das Präsent aus Berlin „ein Geschenk an die Insel, das wenig kostet und viel Mühe, aber auch viel Freude bereiten wird.

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