zur Navigation springen

Sylt im Fernsehen : Bekannte Klischees, unentschiedenes Urteil

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der ARD-Reise-Check: Sylt oder Rügen? – Anmerkungen zur gestrigen TV-Sendung im Ersten

Sylt geht immer. Denn Sylt ist eine starke Marke. Ein guter, weil Quote-versprechender Grund für die ARD, mal einen Reise-Check zu bester Sendezeit ins Programm zu nehmen. Wer schneidet besser ab: Sylt oder Rügen? So die Fragestellung. Also durfte man einen scheinbar objektiven Test von zwei deutschen „Tourismus-Produkten“ erwarten. Die Zuschauer mögen solche „Tests“, weil sie Gewinner und Verlierer versprechen.

Mit Sylt kontra Rügen wollte die ARD zwei Destinationen gegeneinander in Stellung bringen, die scheinbar in Konkurrenz zueinander liegen. Klasse Idee könnte man denken, wenn nicht vorab schon klar wäre, dass Sylt-Urlauber der Insel nur untreu werden, um nach Mallorca oder (früher) mal nach Ibiza zu fliegen. Wer Sylt will, möchte sich eben nicht auf Rügen langweilen. Doch die ARD-Programm-Macher schauen auf die Quote und den Proporz, also auf die „gerechte“ Verteilung der Programmplätze der Länderanstalten im ARD-Programm. So erklärt sich dann wohl der Vergleich von Sylt (West) mit Rügen (Ost). Ansonsten wirkt er nur bemüht, unentschieden und leider wenig informativ. Okay, Sylt hat mehr Promis und weiß auch, damit umzugehen, stellt die Reporterin fest. Rügen hätte gern mehr, schont die schon Vorhandenen aber mit Stillschweigen. Die ARD findet das sympathisch. Auch klar!

So ein Inselcheck der Öffentlich-Rechtlichen will möglichst objektiv sein, weil man sich das als Gebührensender mit Zwangsbeglückungsabgabe schuldig ist. Das führt dann dazu, dass man mal die Rettungsschwimmer der beiden Inseln vergleicht und sich fragt, wer rettet wie schnell und effiktiv an welche Orten? Heraus kommt: Sylt hat ein dichteres Netz und mehr von solchen Einsatzkräften als Rügen. Aber auch die machen ihre Sache ganz gut. Ist aber auch egal, wer auf Rügen Urlaub macht, glaubt an niedrigere Preise und weniger Schickimicki. Täuschung inbegriffen ...

Die ARD-Reporter arbeiten nach dem Prinzip, jedes Klischee über Sylt sollte zumindest ein Thema, wenn nicht sogar ein bestätigtes Vorurteil werden. Also holen sie sich für ihre Recherche selbsternannte Experten vor die Kamera, um sich die „Promi-Insel“ erklären zu lassen. Wunderbar! Denn endlich erfahren wir so, dass hier Pullover gern als Schals über farbigen Hemden getragen werden und die Insel die Promis braucht, um Gäste zu ziehen. Man kann nur staunen ...

Macht nix, denn die mutige Reporterin wagt nicht nur den Sprung ins Meer, um sich retten zu lassen, damit der Zuschauer mal sieht, wie solch eine Aktion läuft und wie lange sie je nach Insel dauert – Sylt und Rügen schneiden gleichermaßen gut ab.

Sie lässt auch eine Szene zu, die mehr sagt, als jedes ausgeklügelte Ranking: den Restaurant-Test. Und der zeigt, dass die Urlauber auf Rügen sehr gern in ein Speisehaus gehen, das „Gosch auf Sylt“ heißt. Mehr kann man als Destination nicht erreichen, heißt die Botschaft doch, wenn ich etwas im Urlaub wünsche, dann das Sylter Lebensgefühl. Auch wenn eine zentrale Negativbotschaft heißt, Sylt hat mehr Promis als Rügen und mehr Top-Hotels und Luxus-Immobilien. Rügen möge sich vor dieser Entwicklung bewahren, so eine weitere Feststellung des ARD-Reise-Checks, der voller Klischees und wenig Erkenntnis ist.

Aber welcher Sylt-Urlauber will eigentlich nach Rügen – oder umgekehrt? Manchem genügt eben schon der Scampi-Teller von Gosch, um ein bisschen Sylt-Feeling zu genießen. Vielen Dank, liebe ARD, für diese Erkenntnis!

zur Startseite

von
erstellt am 21.Apr.2015 | 05:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen