Sylter Kultur : Beglückendes Rendezvous mit Inselkunst

Bis 2015 lebte der Glas-Künstler Hans-Jürgen Westphal auf Sylt. Sein Werk „Wellhornschnecke“ ist eine der letzten insularen Arbeiten und zeigt seine Beziehung zum Meer.
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Bis 2015 lebte der Glas-Künstler Hans-Jürgen Westphal auf Sylt. Sein Werk „Wellhornschnecke“ ist eine der letzten insularen Arbeiten und zeigt seine Beziehung zum Meer.

Das Sylt Museum zeigt in seiner aktuellen Sonderausstellung Werke mit ausschließlichem Sylt-Bezug / Großes touristisches Potenzial sollte genutzt werden

shz.de von
29. Januar 2018, 04:53 Uhr

Wenn Alexander Römer zum Rendezvous einlädt, dürfen sich Besucher des Keitumer Museums auf einen hochkarätigen Kunstgenuss freuen. Der agile Museumsleiter stellte aus Magazin-Werken der Sölring Foriining, geschickten Ankäufen und Leihgaben jetzt eine Sonderausstellung zusammen, die den Betrachter mitnimmt auf eine sehenswerte Zeitreise bis hin zur zeitgenössischen Kunst durch das künstlerische Schaffen, zu dem die Insel eine Vielzahl von Künstlern animierte und bis heute animiert.

Zahlreiche Gäste und Sylter erlebten schon am Sonntag bei der Eröffnung, wie vielschichtig verschiedenste Lebenssituationen auf Sylt durch die Jahrhunderte hinweg Künstler inspirierten. Diese Werkschau hat das Potenzial, einen berechtigten Stolz auf Sylt als Künstlerinsel zu entwickeln, denn klangvolle Namen wie Horst Janssen, Wenzel Hablik, Siegward Sprotte oder Dieter Röttger stehen unter den Bildern in der dynamisch gehängten Ausstellung.

Wie sehr die Insel Sylt mit Kunst und Kultur stets verbunden war und ist, unterstrich Museumsleiter Alexander Römer auch in seiner klugen Begrüßungsrede. Immer wieder stellt er vom Begriff „Rendezvous“ aus – der aus dem Französischen mit Verabredung übersetzt werden kann – die Beweggründe der Künstler für ihre Verabredung mit der Insel Sylt dar. Der böhmische Künstler Wenzel Hablik kam sowohl als Gast als auch als Kriegsmaler nach Sylt, um Alltagssituationen der Soldaten festzuhalten.

Für Horst Janssen war Sylt mit persönlichen Beziehungen verbunden. „ Für Maike“ steht auf seinem für ihn untypisch naiv gezeichneten Werk, das eine Fischerin zeigt. Dass zu einem Rendezvous auch Liebesgeschichten gehören, zeigen die Arbeiten zur Sylter Sage der „Treuen Ose“ bis hin zur Skulptur „Margot“ des Sylters Boy Lornsen: Während seine Frau Margot ihm lesend gegenüber saß, formte er sie aus einem Metalldraht nach.


Noch ungenutztes touristisches Potenzial

Auch Maren Jessen, Vorstandsmitglied der Sölring Foriining, hob die Bedeutung der Sylter Kunst in ihrer Begrüßungsrede hervor. Schon vor vier Jahren habe der Heimatverein seine Satzung um den Vereinszweck „Schutz und Förderung der Kunst und Kultur auf Sylt“ erweitert. Dass hierfür die begrenzten Räumlichkeiten der jetzigen Ausstellungsflächen mit niedrigen Decken und vielen Fensterfronten andere architektonische Voraussetzungen benötigten und letztlich das Ziel eines „Sylt Museum“ verwirklicht werden sollte, flankiert die professionelle Arbeit von Museumsleiter Alexander Römer.

Der Sölring Foriining kann es durch diese Sonderausstellung und vor dem Hintergrund der zukünftigen Präsentation des „Morsumer Silberschatzes“ gelingen, Sylt auch touristisch im Bereich Kunst und Kultur herausragend zu positionieren und sich weitere Gästegruppen zu erschließen. Bei dem „Morsumer Silberschatz“ handelt es sich um eine auf der Nösse gefundene Ringfibel, die in wissenschaftlichen Kreisen als einer der bedeutendsten archäologischen Funde eingeordnet wird.

Vorstand und Museumsleitung arbeiten für die Profilierung ihrer Museen Hand in Hand und laden mit der aktuellen Sonderausstellung zu einem beglückenden Rendezvous in ihr Museum nach Keitum. „Es soll ja noch Sylter geben, die noch keine Verabredung mit unserem Museum hatten“, schloss Alexander Römer seine Rede und löste damit bei den begeisterten Besuchern nur Kopfschütteln aus.

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