Pfingstwochenende auf Sylt : Begeisterndes Jazzkonzert im Kontorhaus

Voller Emotion und Leidenschaft – der kubanische Jazz-Pianist Ramón Valle
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Voller Emotion und Leidenschaft – der kubanische Jazz-Pianist Ramón Valle

Das Ramón Valle-Trio zog das Publikum in den Bann melodischer Klänge und funkiger Rhythmen.

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26. Mai 2015, 05:25 Uhr

Eines der Highlights des musikalischen Pfingstprogramms auf Sylt war das Gastspiel des Ramón Valle-Trios im Kontorhaus in den Keitumer Wiesen. Die beiden Inhaber und begeisterten Jazzfans Franziska und Wolfgang Zaeske hatten mit dem Pianisten Valle sowie seinen Kollegen Omar Rodriguez Calvo (Bass) und Liber Torriente (Schlagzeug) drei Jazzmusiker auf die Insel eingeladen, die das Publikum am späten Sonntag-Nachmittag während des gut zweistündigen Konzert zu wahren Begeisterungsstürmen hinrissen. Die unbändige Spielfreude der aus Kuba stammenden, aber seit langem in den Niederlanden beziehungsweise in Deutschland lebenden Künstler übertrug sich von Beginn an auf die Besucher und steigerte sich von Titel zu Titel.

Mal mit treibenden Beats wie in der Eigenkomposition „Trance Dance in Blue“, bei der sich Valles Pianospiel nahezu perkussiv in die Rhythmen von Bass und Schlagzeug einfügte, dann wieder zurückgenommener mit melodisch-lyrischen Klängen in „What are you doing the rest of your life“ von Michel Legrand durchwanderte das Trio sämtliche Bereiche des Modern Jazz – und durchbrach mitunter sogar die ohnehin fließenden Grenzen zu Blues und Funk. Seine kubanischen Wurzeln hätten ihn zwar geprägt, auch musikalisch natürlich, sagte Ramón Valle, aber richtig heimatverbunde Klänge ertönten in Ansätzen nur bei der Komposition „Cinco Hermanas“, die von seinen fünf Schwestern inspiriert worden sei.

Geradezu berührend war Valles Interpretation des Leonard Cohen-Klassikers „Hallelujah“. Der Pianist widmete den Titel seinem verstorbenen Musikerkollegen Santiago Feliu, der ihn stets unterstützt und vorangetrieben hat: „Durchbreche die Regeln, spiele das Unerwartete, sagte er.“ Doch „Hallelujah“ habe so emotionale starke Texte, erläuterte Ramón Valle dem Publikum. „Ich aber spiele nur Klavier, ich kann gar nicht singen, oder nur sehr schlecht“, sagte er schmunzelnd. „Wie soll ich die Kraft des Liedes ohne Worte wiedergeben. Das ist eine Herausforderung, aber ich liebe Herausforderungen.“ Und nach einen kurzem Moment ergriffenen Schweigens, bewies der Applaus des Publikums, dass Ramón Valle auch diese Herausforderung mit Bravour gemeistert hat.

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