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Sylter Rundschau

16. Dezember 2017 | 10:51 Uhr

Handwerk auf Sylt : Begehrtes Strandgut

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Tischler Holger Schmiedel fertigt originelle Wohn-Accessoires aus Treibholz. Mittlerweile ist die gesamte Familie des Tinnumers von der Sammelleidenschaft infiziert

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2017 | 05:46 Uhr

Holger Schmiedel ist Tischler. Das sieht man seinem gemütlichen und sehr individuell eingerichteten Zuhause in Tinnum auch an. Besondere Hingucker sind die Wohn-Accessoires, die er aus Treibholz gefertigt hat und deren Auftritt seine Frau Bettina als gelernte Floristin perfektioniert.

Familie Schmiedel liebt Spaziergänge am Strand. Mittlerweile ist sie allerdings mit wachem Späherblicken unterwegs, um zu entdecken, was die Nordseewellen an Treibgut an die Sylter Strände getragen haben. Das sind neben manch skurrilen Dingen vor allem Hölzer, die von Schiffen oder Bohlen stammen, und denen man ihre Zeit im Wasser ansieht.

Diese Hölzer, die durchaus auch einmal bis zu drei Metern lang und damit ziemlich schwer sein können, nehmen sie mit nach Hause. Ein halbes Jahr lang muss das Holz trockenen, um dann von den kundigen Händen weiter verarbeitet werden zu können. Das ist nicht immer mit gängigem Werkzeug möglich. Holger Schmiedel hat sich für besonders dicke Funde einen Spezialbohrer mit 1,5 Metern Länge anfertigen lassen, mit dem er die Hölzer vertikal bearbeiten kann. „Ich schaue mir die Fundstücke ganz genau an, und dann kommt mir die Idee in den Kopf, was ich aus ihnen machen werde. Besonders schön finde ich es, wenn an den Hölzern Seepoggen oder alte Taue zu finden sind, die sich im Laufe der Zeit untrennbar mit dem Holz verbunden haben. Die verarbeite ich dann mit“, beschreibt er den kreativen Prozess.

So entstehen Lampenfüße, mannshohe Lampenobjekte, verschiedene Wohnaccessoires und Bilderrahmen. Diese sind mittlerweile perfekt auf das Motiv abgestimmt und können von hinten beleuchtet werden. Besonders stolz ist Holger Schmiedel auf die fast mannshohe Lampe, die nicht aus Treibholz, sondern einem alten Eiche-Balken entstanden ist. Dieses Holz stammt aus einen Abrissgebäude in Westerland und niemand wollte es haben. „In den jahrhunderte Jahre alten Eichenbalken sind noch verschiedene Einkerbungen zu sehen, die stammen vielleicht von den Tischlermeistern, die damals die Balken eingesetzt haben“, erzählt er und die Wertschätzung, mit der er dem Material begegnet, ist deutlich zu spüren.

Der massive Balken wurde von ihm zu einem ganz eigene Lichtobjekt gemacht: Im oberen Drittel sitzt ein gläsernes Glasquadrat mit Glühbirne, das von dem Balkenende wie eine Art Mütze bedeckt wird. Ein echtes Sylter Unikat. Das ist auf jeden Fall auch die Säule des Waschbeckens im Gäste-WC. Auch die hat Holger Schmiedel selbst aus Strandgut gebaut. Ein echter Hingucker, der sofort Inselgefühl vermittelt. Und so zieht sich das Sylt-Gefühl durch das ganze Haus: Lampenfüße in unterschiedlicher Größe oder Aufbewahrungsbretter für Schmuck und Uhren – die Idee kommt Holger Schmiedel in den Kopf, wenn er das Holzstück in der Hand hält.

Ebenso fasziniert wie der Vater von dem Bauen mit Treibgut sind auch die beiden Schmiedel-Söhne. Holger Schmiedel lacht: „Häufig sind sie es, die sagen ‚Komm’ Papa, lass’ uns los gehen‘.“ Dann macht sich die Familie auf. Noch weiß sie nicht, was sie am Strand finden wird. Sicher ist aber, dass Holger Schmiedel es nach einem halben Jahr Trocknungszeit wieder zu einem ganz besonderen Sylter Wohn-Accessoire verarbeiten wird.








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