Syltshuttle : Bangen und Hoffen

Um die Vergabe der Autozugtrassen zwischen Niebüll und Westerland gibt es weiter Streit.
Um die Vergabe der Autozugtrassen zwischen Niebüll und Westerland gibt es weiter Streit.

Vorwürfe, Gerüchte und Ängste: Beim Vergabeverfahren um den Autozug liegen die Nerven langsam blank.

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02. Mai 2015, 05:29 Uhr

Vorwürfe an das Land Schleswig-Holstein, Misstrauen gegenüber dem Eisenbahnunternehmen Railroad Developement Corporation (RDC) und noch lange kein funktionierender Fahrplan in Sicht: Wenn es um das Vergabeverfahren für den Auotzug zwischen Niebüll und Westerland geht, schütteln viele Insulaner nur noch mit dem Kopf.

Zum Hintergrund: Es ist klar, dass RDC ab Dezember elf einzelne Autozugfahrten anbieten darf. Es ist nicht klar, ob das Unternehmen noch weitere Fahrten dazu ersteigern wird und ob auch die DB Fernverkehr wieder zum Zuge kommt. Bis zum Ende des Sommers soll das Verfahren abgeschlossen sein, erst dann gibt es Antworten. Glaubt man Kritikern des amerikanischen Eisenbahnunternehmens, ist allerdings auch nicht sichergestellt, dass RDC überhaupt eine einzige Fahrt über den Damm antreten kann: Das Unternehmen besitzt noch keine Autozüge, nach eigenen Angaben wird das erst zur Saison 2017 der Fall sein. „Es bereitet uns auf der Insel natürlich Sorge, wenn beim Vergabeverfahren Unternehmen dabei sind, die noch nicht in der Lage sind, die nötige Infrastruktur zu gewährleisten“, sagt Bürgervorsteher Peter Schnittgard. Und Bürgermeister Nikolas Häckel ergänzt: „Es gibt viele offene Fragen.“ Unter anderem dazu, wie künftig der Ticketverkauf beim Autozug funktionieren soll oder wie ein möglicher Betrieb mit zwei Anbietern organisiert werden könne. „Ins Vergabeverfahren sind wir nicht eingebunden – und es ist natürlich Angst-schürender, wenn etwas mit einem gemacht wird, als wenn man aktiv an einem Prozess beteiligt ist.“

RDC versucht derweil weiterhin, diese Ängste zu beruhigen: Sein Unternehmen werde ab Mitte Dezember funktionierende Autozüge fahren lassen, beteuert Hans Leister, Leiter von RDC Deutschland zum wiederholten Male. Vorübergehend sollen einstöckige Güterwaggons zum Einsatz kommen – die haben aber bisher keine notwendigen Notbremsen und Kommunikationsanlagen. Diese einzubauen, sei „kein Hexenwerk“, sagt Leister . Die umgebauten Züge müssten dann nur noch abgenommen werden. Also alles doch ganz einfach? Na ja: „Bei der Eisenbahn ist nichts einfach“. Beispielsweise will Leisters Unternehmen am kommenden Dienstag Probefahrten mit ihren Güterwaggons zwischen Westerland und Niebüll durchführen. Ob sie allerdings auch wirklich die Rampen testen können, die ihnen die DB Fernverkehr zumindest beim späteren Betrieb zur Verfügung stellen muss, sei jetzt noch nicht geklärt.

Offen ist auch noch, wer die RDC-Züge künftig fahren soll, das Unternehmen ist auf Suche nach Personal. „Das Problem ist, dass wir jetzt ja noch nicht wissen, wie viele Fahrten wir endgültig kriegen und wie viele Leute wir brauchen“, sagt Leister. Trotzdem werde er in der kommenden Woche Bewerbungsgespräche führen.

Neben den Kämpfen mit der Deutschen Bahn um Probefahrten oder Trassen herrscht auch zwischen RDC und dem Land Schleswig-Holstein nicht beste Stimmung. Leisters Vorwurf: Das Land würde RDC und den Weg zu einem sinnvollen Fahrplan blockieren, indem es bewusst unnötig viele Nahverkehrs-Trassen beantragt habe. Angebote von Koordinierungssgesprächen seien abgelehnt worden. „Hanebüchen“, findet der für den Verkehr zuständige Staatssekretär Frank Nägele diese Vorwürfe. Im Hinblick auf die neue Vergabe des Nahverkehrs habe man notwendigerweise zusätzliche Trassen beantragt, um beispielsweise künftig auch Sprinterzüge zwischen Hamburg und Sylt anbieten zu können. „Unser Job ist es, sich um den Nahverkehr zu kümmern – und das tun wir. RDC inszeniert hier einen Nebenschauplatz.“Gespräche mit allen Beteiligten des Vergabeverfahrens halte er erst wieder für sinnvoll, wenn das Vergabeverfahren abgeschlossen sei.

Zu dem Zeitpunkt wolle das Land auch Gespräche mit den zuständigen Beteiligten führen, ob das jetzige Vergabeverfahren für den Hindenburgdamm wirklich angemessen ist, oder ob dort nicht nachgebessert werden muss. Schließlich sei der Damm Sylts „Nabelschnur“, die Insel von einem funktionierenden Bahnverkehr abhängig. Beim jetzt laufenden Verfahren ist der Zug allerdings abgefahren – „da können wir nur hoffen, dass es für die Insel gut ausgeht“, so Nägele abschließend.

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