zur Navigation springen

Kommentar zum Sylt-Shuttle : Bahnverkehr nach Sylt: Zieht die Notbremse!

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Verkehrsministerium warnt vor Chaos im Bahnverkehr nach Sylt. Es hat von Beginn an an Abstimmung gefehlt. Ein Kommentar von Friederike Reußner.

Sylt | Sollten die Sylter ihr eigenes Unwort des Jahres 2015 küren, wäre es ganz schlicht „Autozug“. In den vergangenen Monaten haben die Insulaner mit wachsender Verstörung den Kampf um den Hindenburgdamm der beiden Bahnunternehmen Railroad Development Corporation (RDC) und DB Sylt-Shuttle verfolgt. Nun gilt ab kommenden Sonntag der neue Fahrplan. Auf der Insel befürchtet man ab diesem Zeitpunkt schon lange das reine Chaos. Nun, kurz vor knapp, hat sich auch das Verkehrsministerium in Kiel in einem Brandbrief zu Wort gemeldet. Der zuständige Staatssekretär macht darin deutlich: Der Fahrplan wird so nicht funktionieren. Weil viel mehr Züge als bisher auf der teils eingleisigen Strecke fahren sollen, werden sie sich in den Bahnhöfen Westerland und Niebüll gegenseitig blockieren.

Nun fragt sich der Laie: Wie kann es zu so einem Chaos überhaupt kommen? Ein Knackpunkt ist wohl, dass die Kapazitäten der Bahnstrecke nicht mit der Kapazität der Bahnhöfe abgestimmt wird. Heißt: Wenn es nur darum ginge, wie viele Züge auf den Schienen zwischen Westerland und Niebüll fahren, mag der Fahrplan noch funktionieren. Die Bahnhöfe Niebüll und Westerland jedoch sind nicht für so viel Verkehr ausgerichtet. Weshalb die Kapazitäten der Strecke und der Bahnhöfe bei der Vergabe auf der sensiblen Hindenburgdamm-Verbindung nicht sinnvoll miteinander abgestimmt worden sind – das ist einer von vielen Punkten, die den gesunden Menschenverstand bei diesem Verfahren vor Rätsel stellen.

Wettbewerb auf der Schiene ist ja theoretisch schön und gut – doch wenn es damit endet, dass eine ganze Inselbevölkerung von zwei Eisenbahnunternehmen in Geiselhaft genommen werden kann, läuft etwas ganz gewaltig schief. Nicht nur bei den beiden Eisenbahnunternehmen, sondern auch bei der zuständigen Vergabebehörde, der DB Netz AG. Das Deutsche Bahn-Unternehmen wäre gut beraten gewesen, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen. Oder zumindest deutlich zu kommunizieren, dass diese Vergabe in die Hose gehen wird.

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen