Marschbahn : Bahnstrecke Hamburg-Sylt: Züge fahren nur noch im Stundentakt

Die Marschbahn auf Weg zwischen Hamburg-Altona und Westerland.
Die Marschbahn auf Weg zwischen Hamburg-Altona und Westerland.

Machten bislang vor allem die Loks der Marschbahn Probleme, sind es nun die Gleise. Die Reparatur soll in der Nacht zu Sonntag stattfinden.

shz.de von
26. Mai 2018, 10:50 Uhr

Sylt | Wegen abgesackter Schienen kommt es auf der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt bis in die kommende Woche hinein zu erheblichen Behinderungen. Zwischen Bredstedt und Morsum seien die Züge an mehreren Stellen gezwungen, das Tempo auf maximal 20 Stundenkilometer zu drosseln, sagte ein Bahnsprecher am Freitag. Bei Messungen sei festgestellt worden, dass einige Schienenteile ausgewechselt werden müssten. Etliche Bahnen seien deshalb verspätet oder fielen ganz aus. Zur Ursache der Beschädigungen konnte der Sprecher keine Angaben machen.

Nach Betriebsschluss am Samstag sollten die Schienen abgeschliffen werden. Am Nachmittag behinderte eine Weichenstörung bei Elmshorn nordwestlich von Hamburg die Züge auf der Syltstrecke zusätzlich.

Urlauber, die die Insel verlassen wollten, mussten bis zu vier Stunden in Westerland warten, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Wegen des Ferienendes in Nordrhein-Westfalen sei der Andrang besonders groß gewesen, erklärte eine Sprecherin der privaten Eisenbahngesellschaft RCD, die den Blauen Autozug betreibt. „Das ist verkehrstechnisch ein GAU.“

Laut der Internetseite der Deutschen Bahn sollten am Samstag neun Regionalexpress-Züge ausfallen, am Sonntag 10. Normalerweise verkehren rund 30 Züge pro Tag in jede Richtung. Bei den Autozügen fuhr nur ein Zug pro Stunde und Richtung. Sonst sind es zwei. Die Zugausfälle am Wochenende aufgrund der Streckenstörung Bredstedt - Morsum finden Sie hier.

Auch beim Sylt Shuttle komme es zu längeren Fahrzeiten, geänderten Abfahrtzeiten und damit auch zu Wartezeiten bei der Verladung. Die Bahn arbeite an einem Fahrplan-Ersatzkonzept, räumte gleichzeitig aber ein, dass die Behinderungen „leider über das Wochenende hinaus bestehen“.

Buchholz verärgert

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) reagierte verärgert auf die neuen Probleme bei der Bahn. Sein Sprecher erinnerte daran, dass die Bahn schon seit Monaten nicht die vertraglich festgelegte Leistung liefere. Der Minister erwäge daher, „wenn es sich nicht bessern sollte, gegebenenfalls die Vertragsstrafe, die im Moment 350.000 Euro monatlich beträgt, auch zu erhöhen“.

Die Zugfahrt nach Sylt ist für viele Pendler seit Monaten ein Dauerärgernis. Immer wieder gibt es Verspätungen und auch Zugausfälle. Unter der Unzuverlässigkeit leiden täglich mehrere tausend Pendler und in den Ferienzeiten zusätzlich zahlreiche Nordsee-Urlauber. Nach Angaben von Buchholz haben Pendler bereits 2300 Anträge auf Sonderentschädigung gestellt. Dies entspreche einer Summe von rund 102.000 Euro.

Zuletzt hatte die Bahn angekündigt, die 15 Lokomotiven, die auf der Marschbahn fahren, einer aufwendigen Wartung samt Motorenaustausch durch den Hersteller zu unterziehen. Mit der sogenannten Rollkur der Dieselelektrischen Lokomotiven sollen künftig Ausfälle verhindert werden. Bis Ende 2018 sollen alle Marschbahn-Loks wieder auf der Schiene sein. Die rund 240 Kilometer lange Marschbahn zwischen Hamburg und Westerland verbindet das Festland mit der Insel Sylt. Pendler, die regelmäßig auf der Strecke unterwegs sind, können bis zum 10. Juni einen Antrag auf Entschädigung stellen.

Ein Autozug pro Richtung und Stunde

Wegen der Streckenschäden sei der Fahrplan so ausgedünnt, dass nur ein Autozug pro Stunde und Richtung fahren kann. Meike Quentin, Sprecherin des Autozugs Sylt, rät allen Fahrgästen „viel Geduld und zu Trinken“ mitzunehmen, oder von der Fahrt am Wochenende ganz abzusehen.

Der Sylt Shuttle übernimmt am Wochenende die Transportkapazitäten des blauen Autozugs. Für Fahrgäste des blauen Autozugs, die bereits eine Fahrkarte haben, ändert sich laut Quentin nichts, sie müssen keinen Aufpreis zahlen, der Check-In erfolgt wie gewohnt auf Spur 1 (Westerland/Sylt) sowie den Spuren 9 und 10 (Niebüll).

Bislang sei jede Planung außer Kraft gesetzt. Die Fahrgästen, die noch am Wochenende an- oder abreisen, rät Meike Quentin, sich nicht auf einen bestimmten Zug einzustellen, sondern Zeit und Geduld mitzubringen. Außerdem lohne sich ein Blick auf die Webcams an den Verladestationen in Niebüll und Westerland.

Sylt ist sonst nur per Fähre vom dänischen Rømø aus oder per Flugzeug zu erreichen. Die Syltfähre war am Samstag komplett ausgebucht, wie eine Sprecherin sagte. Angesichts der Lage werde das Schiff am Wochenende ohne Pause zwischen List auf Sylt und Havneby auf Rømø pendeln. „Wir sind vorbereitet und fahren im Zweifel auch bis Mitternacht“, sagte die Sprecherin. Die Fähre kann bis zu 90 Autos mitnehmen, etwa halb so viele wie ein Sylt-Shuttle.

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