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Technik-Probleme bei NOB : Bahnstrecke Hamburg-Sylt: NOB-Lokomotiven laufen heiß

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Überhitzung der Lokomotiven der Firma Bombardier sorgt für erhebliche Einschränkungen im Bahnverkehr von Sylt aufs Festland.

Am vergangenen Wochenende ging es chaotisch zu am Westerländer Bahnhof: Zahlreiche abreisende Urlauber standen neben ihren Koffern unsicher auf dem Bahngelände, Schulklassen kauerten in Gruppen auf den Plattformen, umringt von genervten Pendlern, die einfach nur so schnell wie möglich den Weg aufs Festland antreten wollten – aber kein Zug war in Sicht. Ursache für das Chaos und die gestrandeten Fahrgäste: Der Ausfall mehrerer Züge der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) aufgrund technischer Probleme bei den Lokomotiven der Firma Bombardier. Wie die NOB bereits am Freitag mitteilte, sind im Bahnverkehr zwischen Westerland und Hamburg-Altona derzeit „erhebliche Einschränkungen“ zu erwarten – in Form von deutlichen Verspätungen und Zugausfällen. Auslöser sei ein Bauteil des Loktyps, das aufgrund einer zu geringen Kühlleistung zu überhitzen droht, erklärt Kay Goetze, Sprecher der NOB. Die Bilanz für das vergangene Wochenende: Am Freitag gab es sechs temperaturbedingte Störungen, am Sonnabend waren es fünf und am Sonntag kam es zu drei Störungen. In der Summe waren fünf Loks von Überhitzungen und somit zusätzlichen Standzeiten von bis zu 45 Minuten betroffen. Denn tritt die Überhitzung während der Fahrt auf, müsse diese unterbrochen und die Lok der Werkstatt zugeführt werden. Ein Sicherheitsrisiko für die Fahrgäste bestehe nach Angaben der NOB nicht.

Der genaue Grund für die Überhitzung, wie viele Ausfälle es in den kommenden Tagen noch geben wird und wie lange dieser Zustand anhalten soll, all das ist ungewiss. „Unser Ziel ist natürlich, so schnell wie möglich wieder ohne Einschränkungen fahren zu können“, sagt Goetze, „aktuell haben wir aber keine Ahnung, wie lange es noch dauert.“

Bisher seien ein Drittel der 15 Lokomotiven, die erst im Dezember von dem weltweiten Marktführer in der Schienenverkehrstechnologie geliefert wurden, betroffen. „Wir können aber nicht ausschließen, dass der Fehler künftig auch bei den anderen zehn Lokomotiven von Bombardier auftritt.“

Andreas Dienemann, dem Sprecher bei Bombardier, ist das Problem bekannt. Bei dem Unternehmen, das neben der Technik für den Schienenverkehr auch Flugzeug-Hersteller ist, würde man derzeit „mit Hochdruck daran arbeiten, eine Lösung zu finden“, erklärt er. „Aber eine Lokomotive ist ein wahnsinnig komplexes System und wir befinden uns derzeit in der Problem-Analyse und müssen testen, was die Ursache für die Überhitzung ist“.

Bei der NOB sei man über die aktuellen Ausfälle und Verspätungen verärgert. Denn das Unternehmen habe die neuen Lokomotiven nicht selber angeschafft, wie Kay Goetze betont. Für die Fahrzeuge, die die NOB einsetzt, hatte das Land eine gesonderte Ausschreibung gestartet, die das Hamburger Unternehmen Paribus-DIF im Januar 2014 gewonnen hatte – um die Lokomotiven an einen Betreiber zu verleasen. Paribus hatte im Dezember vergangenen Jahres die 15 neuen Dieselloks bei der Firma Bombardier beschafft, die das Unternehmen der NOB zur Verfügung stellt. Das auf dem Listenpreis basierende Auftragsvolumen belief sich auf 60 Millionen Euro.

Unterstützung erhielt die NOB am vergangenen Wochenende vom neuen Autozug-Betreiber Railroad Development Corporation (RDC), der ihr zwei seiner Loks zur Verfügung stellte. „Wir sind RDC sehr dankbar, dass wir diese Loks nutzen durften. Da das Unternehmen aber gestern schon wieder den Probebetrieb aufgenommen hat, gucken wir derzeit in allen Richtungen nach weiteren Lösungen.“ Für den Betrieb in den kommenden Tagen ist es der NOB nach eigenen Angaben gelungen, sechs zusätzliche Lokomotiven anzumieten. Für heute werden davon bereits drei zwischen Hamburg-Altona und Westerland (Sylt) eingesetzt. Um das Problem in den Griff zu bekommen, hat Goetze klare Anforderungen und betont: „Bombardier muss jetzt schnell den konkreten Fehler finden und daran arbeiten“, sagt er, „denn die Situation wie sie jetzt ist, ist nicht befriedigend, das wissen wir selbst.“

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erstellt am 07.Jun.2016 | 05:15 Uhr

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