Erfolgreiche Jungfernfahrt : Bahn lässt XXL-Güterzüge rollen

Hier wurde der  XXL-Güterzug zusammengekoppelt: Von Maschen gings über Hamburg durch Schleswig-Holstein nach Dänemark.  Foto: dapd
Hier wurde der XXL-Güterzug zusammengekoppelt: Von Maschen gings über Hamburg durch Schleswig-Holstein nach Dänemark. Foto: dapd

Die Logistikbranche jubelt - Autofahrer an geschlossenen Bahnschranken werden weniger begeistert sein: Seit Dienstag rollen extra lange Güterzüge durch Norddeutschland. Eine "neue Ära für den grenzüberschreitenden Güterverkehr".

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29. November 2012, 12:29 Uhr

Hamburg/Pattburg | Am Dienstagmittag startete am Rangierbahnhof Maschen südlich von Hamburg ein erster 835 Meter langer Zug in Richtung Dänemark. Die XXL-Version überbietet die bisher in Deutschland zugelassene maximale Länge um 95 Meter; auf den 210 Kilometern zwischen Maschen und Padborg waren bislang sogar nur 670 Meter erlaubt. Künftig können Loks dort bis zu 60 Waggons ankoppeln.
Über Hamburg, Elmshorn, Neumünster, Rendsburg, Schleswig und Flensburg durchquerte der Premierenzug Schleswig-Holstein komplett von Süd nach Nord, um schließlich sein Ziel in Pattburg zu erreichen. Hansjörg Hess, Netz-Vorstand der Deutschen Bahn (DB) sieht eine "neue Ära für den grenzüberschreitenden Güterverkehr". Längere Züge erhöhten die Transportkapazität, was vor allem mit Blick auf die Frachtzuwächse im Hamburger Hafen wichtig sei. Die Hansestadt stellt sich auf eine Verdreifachung des Containerumschlags bis 2025 ein. Hess: "Gerade in Richtung Skandinavien besteht bei den Transporteuren eine große Nachfrage nach längeren Güterzügen, um Ressourcen effizienter zu nutzen."

"In Kanada fahren schließlich Züge mit 4,5 Kilometern Länge"

Auch deshalb denken die Logistik-Profis der DB-Tochter Schenker Rail schon weiter: Bei 835 Metern soll noch lange nicht Schluss sein. "Langfristig verfolgen wir den Anspruch, auf bestimmten Korridoren mit bis zu 1500 Meter langen Zügen zu starten", sagte DB Schenker-Rail-Vorstand Mirko Pahl. Ein erstes Forschungsprojekt für derartige Giga-Züge solle im nächsten Jahr starten.
Technisch seien Waggon kolonnen von weit mehr als einem Kilometer kein Problem, unterstreicht Bahn-Sprecher Bernd Weiler. "In Kanada fahren schließlich Züge mit 4,5 Kilometern Länge." Allerdings müsse sichergestellt sein, dass diese Stretch-Versionen nicht an nationalen Grenzen wieder auseinandergekoppelt werden müssen, wenn die Nachbarländer auf solche Längen nicht vorbereitet seien. Wo die ersten 1,5-Kilometer-Ungetüme verkehren werden, sei offen. Norddeutschland sei aber ein Kandidat. Weiler: "Solche Zuglängen lohnen sich dort am ehesten, wo viel Fracht zu transportieren ist." Dafür böten der größte Rangierbahnhof Europas in Maschen und die Warendrehscheibe Hamburg beste Voraussetzungen.

Bahn kalkuliert mit ein bis zwei Fahrten pro Woche

Auch Dänemark ist offen für weitere Superlative. Die 835-Meter-Züge sind im Königreich schon seit geraumer Zeit unterwegs. Das Netz in Norddeutschland musste dafür erst aufwändig hergerichtet werden. Die DB Netz investierte rund zehn Millionen Euro in die Infrastruktur, einen Großteil in Schleswig-Holstein. Vor allem brauchen die rollenden XXL-Frachter deutlich längere Überholstrecken, damit schnellere Personenzüge passieren können. Anpassungen gab es zudem bei Kreuzungen in den Bahnhöfen Flensburg-Weiche, Neumünster, Elmshorn, sowie Hamburg-Eidelstedt und Hamburg-Barmbek. Auch wurden 29 Bahnübergänge sowie Signalanlagen ausgebaut.
Nach der erfolgreichen Jungfernfahrt werden die Züge mit Überlänge ab Fahrplanwechsel am 9. Dezember regelmäßig durch Schleswig-Holstein rauschen. Wie oft genau, hängt von der Kundennachfrage ab. Die Bahn kalkuliert mit ein bis zwei Fahrten pro Woche.

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