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Verspätungen zwischen Husum und Westerland : Bahn-Chaos: Sylts Pendlern geht die Geduld aus

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Rund 4000 Menschen pendeln täglich nach Sylt. Sie wollen sich nun gegen Verspätungen wehren.

 

Martina M. mag den Begriff „Pendler“ nicht: „Wir sind Menschen“, sagt die Lehrerin am Schulzentrum Sylt, die täglich von Niebüll aus auf die Insel kommt. „Menschen, die hier die Gärten schön halten, die Häuser reparieren oder wie ich die Kinder unterrichten.“ Menschen, ohne die, das weiß die Religionslehrerin, das wissen auch die Insulaner, Sylt nicht mehr funktionieren würde. Martina M. wünscht sich dringend, dass diese Menschen besser behandelt werden.

Ungefähr 4000 Festländer pendeln täglich nach Sylt, um auf der Nordseeinsel zu arbeiten. Und nicht ganz wenigen von ihnen platzt angesichts bestehender Verspätungen und des drohenden Bahnchaos mittlerweile die Hutschnur. In der Facebookgruppe „NOB Pendler Husum-Westerland“ formiert sich seit einigen Tagen der Widerstand. Der Hauptkritikpunkt: Seit Mitte Dezember, seitdem die Deutsche Bahn an ihre Autozüge Personenwaggons kuppelt, nehmen nach ihrer Wahrnehmung die Verspätungen auf der Strecke deutlich zu. Die große Befürchtung: Sollte Bahnkonkurrent RDC den Betrieb seiner Autozüge wirklich aufnehmen, wird’s noch schlimmer. Und: Die Pendler fühlen sich mit dieser Problematik alleine gelassen.

Wie der Protest aussehen könnte

Die langjährigen Pendler Achim Bonnichsen und Oke August wollen das „Bahn-Chaos“ nicht tatenlos abwarten.
Die langjährigen Pendler Achim Bonnichsen und Oke August wollen das „Bahn-Chaos“ nicht tatenlos abwarten. Foto: Reußner
 

Das soll sich nun ändern. Achim Bonnichsen und Oke August gehören zu den Administratoren der schon über 1500 Mann starken Pendler-Gruppe im Netz. Die beiden fahren seit Jahren von Klixbüll beziehungsweise Langenhorn aus mit der Bahn nach Sylt – und treffen sich nun mit Gleichgesinnten, um Wege zu finden, wie sich die Sylt-Pendler wehren können. „Erst einmal wollen wir Werbung für die Gruppe machen, damit wir mehr werden und endlich ernst genommen werden“, erklärt Bonnichsen. Die 18 Mitarbeiter seines Betriebs leben alle auf dem Festland. „Wenn jeder morgens wegen des Zugs eine halbe Stunde zu spät kommt, summiert sich das auf insgesamt neun Stunden“, rechnet der Fliesenleger-Meister vor. „Meinen Leuten fehlt dann eine halbe Stunde auf dem Stundenzettel. Sie sind also länger unterwegs, haben weniger Freizeit und kriegen auch noch weniger Geld.“

Welche Form genau der Pendler-Protest annehmen soll, da sind sich Bonnichsen und August noch nicht sicher. Angedacht sei unter anderem, eine Art Protestsymbol zu schaffen, ähnlich wie die rote Schranke, mit der in Nordfriesland derzeit gegen die Schließung des Niebüller Klinikums protestiert wird. Aber auch andere Wege seien angedacht. Ob die kürzlich von Bürgermeister Nikolas Häckel ins Spiel gebrachten Demos oder Menschenketten dabei sind, wollen die beiden noch nicht verraten. Auf jeden Fall sollen jetzt schnell Flugblätter gedruckt werden, damit noch mehr Pendler von den Aktivitäten der Gruppe erfahren.

Sylter Unternehmer fordern Verspätungsübersicht

Auch Ron Glauth, Geschäftsführer des Vereins Sylter Unternehmer, sieht die Sorgen der Pendler. Die Sylter Unternehmer seien derzeit auf der Suche nach einem Weg, wie die Verspätungen und Zugausfälle gesammelt werden können. „Damit wir in den Gesprächen mit Kiel auch etwas in der Hand haben“, sagt Glauth. Bisher würden die Sylter Unternehmer von nah.sh die Verspätungsübersicht anfordern – „und für Dezember sah das in Ordnung aus“. Dennoch habe auch er große Sorge, wie es auf den Gleisen weiter geht: „Die Pendler sind ganz wichtige Arbeitskräfte, für die wir uns natürlich einsetzen.“

Solidaritätbekundungen erhalten diese Arbeitskräfte auch von Peter Schnittgard: „Ich leide mit ihnen“, betont der Bürgervorsteher. Es sei bedauernswert, dass der Kampf um den Hindenburgdamm auf ihrem Rücken ausgetragen wird. Auch die Nord-Ostsee-Bahn zeigt Verständnis für den „Unmut“ – die zukünftige Anbindung der Insel beschäftige die Menschen zurecht, heißt es von NOB-Sprecher Kay Goetze. Er macht noch einmal deutlich, dass das Unternehmen an den bestehenden Verhältnissen nichts ändern kann: „Die DB Netz AG trägt die Verantwortung dafür, dass die von DB Fernverkehr, RDC und NOB beantragten und von DB Netz vergebenen Trassen letztlich auch fahrbar sind“, so Goetze. Die NOB selbst sei bei der Auseinandersetzung „leider das letzte Glied in der Kette und kann nur gebetsmühlenartig auf die Befürchtungen hinweisen.“

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erstellt am 06.Feb.2016 | 17:55 Uhr

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