zur Navigation springen

Glasfaserkabel nach Sylt : Bahn bremst schnelles Internet aus

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine dänische Firma möchte ein Glasfaserkabel auf dem Hindenburgdamm verlegen, doch die Bahn AG weigert sich, es zuzulassen. Jetzt hat ihr die Bundesnetzagentur ein Ultimatum gestellt.

von
erstellt am 29.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Wird das schnelle Internet von der Deutschen Bahn (DB) ausgebremst? Das dänische Telekommunikationsunternehmen Global Connect möchte auf dem Hindenburgdamm ein Glasfaserkabel verlegen – die DB Netz AG will das nicht. Schon vor rund einem Jahr hatte Global Connect die Bundesnetzagentur eingeschaltet, die die Deutsche Bahn nun zum zweiten Mal aufgefordert hat, die Verlegung des Glasfaserkabels zu ermöglichen.

Zum Hintergrund: Schnelles Internet, für das Glasfaserkabel unter anderem genutzt werden, wird auf Sylt bisher nur von der Deutschen Telekom angeboten, die ihre Leitungen aber nicht von anderen Telekommunikationsunternehmen nutzen lässt. Das Unternehmen Global Connect, das in Dänemark und Norddeutschland Glasfasernetze betreibt, vermietet diese an Internetanbieter wie beispielsweise O2 oder Eplus. Am Standort Sylt sei man zum einen wegen der Privatkunden interessiert, die so einen anderen Netzanbieter wählen könnten, sagte Geschäftsführer Oliver Beck. Zum anderen enden in Westerland mehrere Übersee-Glasfaserkabel aus den USA. Diese Daten könnten durch das Glasfaserkabel auf dem Hindenburgdamm schneller auf das Festland weitergeleitet werden.

Die Deutsche Bahn Netz AG begründet ihre Weigerung, das Kabel auf dem Hindenburgdamm zu erlauben, damit, dass „Eingriffe in die Substanz des Bauwerks die Stabilität des Dammes insbesondere bei Sturmfluten gefährden“ könnte, so Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis. Eine Argumentation, die Richard Krause vom Breitbandkompetenzzentrum Schleswig-Holstein nicht nachvollziehen kann: „Warum die Bahn wegen des Kabels so einen Aufriss macht, ist mir nicht ganz klar.“ Vielleicht, vermutet er, weil es durch die Bauarbeiten zu Einschränkungen des Zugverkehrs kommen könnte.

Der Grund, der laut Branchenkennern hinter der Weigerung der Bahn stehen könnte, klingt anders: Auch jetzt lässt das Unternehmen Bahntrassen von Telekommunikationsunternehmen nutzen und erhält dafür Entschädigungszahlungen. Nach dem seit 2012 gültigen Telekommunikationsgesetz darf die DB Netz AG allerdings lediglich ein kostendeckendes Entgelt verlangen, sollten Unternehmen die Bahn-Infrastruktur „zum Auf- und Ausbau von Netzen der nächsten Generation“ verwenden. Bisher, heißt es aus der Bundesnetzagentur, sei solch eine Anfrage von einem Telekommunikationsunternehmen noch nicht gestellt worden – das Glasfaserkabel auf dem Hindenburgdamm wäre damit der rechtliche Präzedenzfall, nach dem andere Telekommunikationsunternehmen in ganz Deutschland die Infrastruktur der Bahn deutlich günstiger nutzen könnten.

Die Bundesnetzagentur drohte der DB Netz AG gestern mit einem Zwangsgeld in Höhe von 75 000 Euro, sollte sie Global Connect nicht innerhalb eines Monats ein Angebot unterbreiten. „Ich gehe davon aus, dass die Bahn nun kooperiert und umgehend ein Angebot für die Mitnutzung des Hindenburgdammes vorlegen wird, das unseren Vorgaben entspricht“, erklärte Jochen Homann, Präsident der Behörde. Schon Mitte November vergangenen Jahres hatte die Bundesnetzagentur ein Verfahren gegen die DB Netz AG eingeleitet, weil sie kein Angebot für den Hindenburgdamm abgegeben hatte. Nun werde man ein Angebot unterbreiten, sagte Sprecher Meyer-Lovis gegenüber unserer Zeitung, gleichzeitig aber auch weitere rechtliche Schritte prüfen.

Genau aus diesem Grund glaubt Beck von Global Connect auch nicht, dass es dazu kommen werde, dass sein Unternehmen das Glasfaserkabel über den Hindenburgdamm legen wird: „Wir sind ein kleines privatwirtschaftliches Unternehmen – wir können es uns gar nicht leisten, einen Präzedenzfall vor Gericht durchzuboxen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen