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Verkehrsminister Meyer auf Sylt : Bahn bekommt Chaos in den Griff

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Verkehrsminister informierte sich im Gespräch mit dem Verein Sylter Unternehmer und der Pendlerinitiative über die Bahn-Situation nach dem Fahrplanwechsel.

von
erstellt am 21.Dez.2016 | 05:06 Uhr

Das Drama um die Sylter Bahnanbindung – mit dem Fahrplanwechsel vor zehn Tagen hat ein ruhigeres Kapitel begonnen. Der Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer besuchte gestern zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen die Insel, um mit Betroffenen über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen. Das Fazit: Der Betreiberwechsel von der Nord-Ostsee-Bahn zu DB Regio hat die Situation verbessert.

Am 11. November musste die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) ihre neunzig Personenwagen, die auf der Marschbahn zwischen Hamburg-Altona und Westerland pendeln, wegen Kupplungsschäden aus dem Verkehr ziehen. Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember hätte DB Regio die Wagen übernehmen sollen, doch die Waggons stehen nach wie vor unrepariert auf dem Husumer NOB-Betriebswerk (siehe auch Seite 8). Ein Gutachten des Tüv Süd, das in der zweiten Januar-Hälfte erwartet wird, soll Gewissheit über die Schadensursache bringen – und wie das Problem für den Wagenpark zu lösen ist.

„Man kann sagen, dass der Wechsel gut organisiert worden ist“, zog Reinhard Meyer eine Zwischenbilanz. Großen Dank für den erfolgreichen Übergang richtete der Verkehrsminister an DB Regio, aber auch an die Nord-Ostsee-Bahn. Der DB Regio sei es gelungen, 84 Wagen aus der ganzen Republik für den Einsatz im Netz West zu gewinnen. „Das Ganze ergibt ein buntes Bild von Zügen, die auf dieser Strecke fahren.“ Seit letzter Woche sei eine stabile Situation eingekehrt, die sich langsam beruhigt. Die Pünktlichkeitsquote läge derzeit bei über 90 Prozent. Diese Momentaufnahme müsse für die nächsten Wochen und Monate in ein stetiges Bild verwandelt werden. Allerdings seien Eisenbahntechnik und die Sicherheit auf der Schiene alles andere als trivial. Bevor die neunzig Wagen wieder fahrbereit sind, werde es auf jeden Fall bis zum März dauern, erklärte Minister Meyer.

Mit dem derzeitigen Status sei Sylt gut vorbereitet auf den Ansturm der Gäste zu Weihnachten und Neujahr, konstatierte der Verkehrsminister. Rechtzeitig zu Ostern werde er sich wieder auf den Weg auf die Insel machen, um das Gespräch mit der Pendlerinitiative und den Sylter Unternehmern zu suchen.

Am Podium neben Meyer saßen diesmal nicht Vertreter der NOB, sondern der DB-Regio-Chef Torsten Reh. „Den Wechsel hatten wir uns anders vorgestellt, als wir damals die Ausschreibung gewonnen haben,“ gestand Reh ein. An DB Regio seien beim Start hohe Erwartungen gerichtet worden. DB Regio habe es geschafft, 84 Wagen aus der ganzen Republik zusammenzuziehen – „das war durchaus anspruchsvoll.“ In der ersten Woche seien 93 Prozent der Züge pünktlich gefahren, und Zugausfälle, die vorher planmäßig waren, habe es so gut wie nicht gegeben, erläuterte Torsten Reh. Das sei einem „unglaublichen Engagement der Mitarbeiter zu verdanken, die Tag und Nacht daran gearbeitet haben, die Züge zusammenzubauen und zu disponieren.“ Nun gelte es, die Zeit bis zum Einsatz des ursprünglichen Wagenmaterials auf dem gleichen Qualitätsstandard zu stabilisieren.

Zufrieden zeigte sich auch Achim Bonnichsen, einer der Administratoren der Facebook-Gruppe der Pendler. „Wir bedanken uns dafür, dass man auf uns zugegangen ist, unsere Probleme wahrnimmt und abarbeitet, und Verbesserungsvorschläge annimmt.“ Mit der momentanen Situation könnten die Pendler leben. „Nach oben geht immer, gar keine Frage.“

„Es ist viel geleistet worden in den letzten Tagen und Wochen“, bescheinigte Karl Max Hellner, Vorsitzender des Vereins Sylter Unternehmer. „Wir sind froh, dass wir auf so einem Niveau angekommen sind.“ Er hoffe, dass man bald von einer „hervorragenden Verbindung zwischen Niebüll und Westerland“ sprechen kann, damit sich das lange Warten für jeden Gast und jeden Pendler gelohnt hat. Er freue sich, wenn Meyer zum nächsten Treffen im April mit dem frischreparierten Zug anreisen werde.

„Wir haben heute viel Licht in den Tunnel bekommen“, freute sich der Sylter Bürgervorsteher Peter Schnittgard. Dank verstärkter Transparenz und konstruktiver Zusammenarbeit könnten nun die 30  000 bis 35  000 Gäste zum Jahreswechsel eine „vernünftige Anreisequalität“ erwarten – wenn auch im „nostalgischen Zugmaterial“.

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