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Geschäfte in Westerland : Bäumchen-wechsel-dich in der Innenstadt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Westerländer Zentrum wechseln jährlich rund 15 Läden - manche Geschäftsleute überschätzen den Sylt-Effekt. Leerstände sind trotzdem nicht zu befürchten.

Im Mai lag noch die Frühjahrskollektion im Schaufenster, im Januar hängt dort das Schild „Geschäftsaufgabe“: Während einige Geschäfte in der Westerländer Innenstadt wie Wegst oder H.B. Jensen gefühlt schon immer existierten, findet in anderen Räumen ein reger Wechsel statt: Der Schuhladen Geox in der Strandstraße räumt derzeit sein Lager, ein paar Meter weiter soll demnächst eine Filiale der Kleidermarke Superdry eröffnet werden. In der Friedrichstraße verschwindet das Geschäft Freshwater; die italienische Mode-Marke Dismero kommt neu auf die Insel. „Ich schätze, hier wechseln jährlich mindestens 15 Geschäfte“, sagt Karl Max Hellner, Vorsitzender des Vereins Sylter Unternehmer. Teils geben die Geschäftsleute aus Altersgründen auf. Bei anderen, vermutet Hellner, hat der Sylt-Effekt zugeschlagen: „Manche Ladeninhaber glauben, dass sie sich auf der Insel eine goldene Nase verdienen können, aber überschätzen, was man hier außerhalb der Saison verdienen kann.“

Die Kosten für ein Geschäft auf der Insel sind häufig mit denen einer Stadt vergleichbar – „wir haben bei vielen Geschäftsflächen ein Mietniveau wie in der Großstadt“, schätzt der Geschäftsführer von Hellner Moden. Wer noch einen älteren Mietvertrag besitzt und 40 Euro pro Quadratmeter zahlen muss, könne sich glücklich schätzen – einige Unternehmen würden locker das Dreifache zahlen.

Zu denjenigen, die sich in der Westerländer Innenstadt neu angesiedelt haben, gehört das Ehepaar Maintzer. Im ehemaligen Spielzeuggeschäft Harlekin in der Strandstraße haben sie Anfang Dezember ihr eigenes Spielwaren-Geschäft Lütt und Plietsch eröffnet, in dem sie das Sortiment „auf das Sylter Klientel“ abgestimmt haben, wie Bernd Maintzer sagt. Als neuer Westerländer Geschäftsbetreiber macht er sich keine Sorgen: „Wir haben ja nicht das zehnte Schuhgeschäft eröffnet – Spielwaren gibt es sonst kaum auf der Insel“, betont er. Außerdem: „Die Kaufkraft ist auf Sylt doch hoch.“

„Die Insel steht immer noch hoch im Kurs – fast jede Marke möchte hier vertreten sein“, ist sich Hellner ebenfalls sicher. Das belegen auch Zahlen aus dem Gewerbeamt der Gemeinde Sylt: In der Friedrichstraße ist die Zahl der angemeldeten Betriebe von 134 im Jahr 2011 auf aktuell 159 gestiegen. In der Strandstraße siedelten sich im gleichen Zeitraum 21 zusätzliche Betriebe an, in der Wilhelmstraße kamen sechs hinzu und in der Paulstraße fünf. Da die Zahl der Geschäftsräume nicht in diesem Umfang angestiegen ist, vermutet Axel Schoeß vom Gewerbeamt zwei Gründe für den Geschäftszuwachs: Zum einen sei es öfter der Fall, dass in einer Boutique verschiedene Labels verkauft würden – „in einem Geschäftsraum sind dann mehrere GmbHs gemeldet“. Zum anderen würden die bestehenden Geschäftsflächen weiter aufgeteilt und somit tendenziell eher kleiner – ohnehin eine Besonderheit der Sylter Geschäftswelt: „Viele Geschäfte, die anderswo auf 200 Quadratmetern verkaufen, haben hier vielleicht 50“, erklärt Hellner. Dieser Mangel an großen Verkaufsflächen würde einige Marken davon abhalten, sich auf der Insel anzusiedeln: „Aber wenn die Fläche und der Preis stimmen, wollen alle nach Sylt kommen.“

 

 

 

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erstellt am 03.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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