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Neujahrsempfang der Gemeinde Sylt : Babys, Bordell und belegte Brote

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Beim Jahresempfang der Gemeinde Sylt kamen die wichtigsten Themen aus 2013 zur Sprache. Rund 500 Besucher sorgten für ein proppevolles Rathaus.

Ein proppevolles Rathaus, ein wenig Polit-Klatsch (siehe Seite 2), eine historisch hohe Anzahl an Schnittchen und eine Bürgermeisterin, die ihre Bürger indirekt aufforderte, protestierend auf die Straße zu gehen: Der Neujahrsempfang der Gemeinde Sylt bot am Donnerstagabend sämtliche Voraussetzungen, um zu einem wirklich gelungenen Abend zu werden.

Geschätzt 500 Menschen drängten sich ab 19 Uhr zum Empfang ins Rathaus , für das die Gemeinde Sylt einen Haushaltsposten von 7500 Euro angelegt hat. Damit lag die Zahl der Besucher deutlich höher als im vergangenen Jahr. Bürgervorsteher Peter Schnittgard begrüßte die Anwesenden und zählte in seiner Rede die für ihn wichtigsten Themen des vergangenen Jahres auf: Die Orkane, die Schließung der Geburtenstation, die Flugplatzdebatte... Als Ziele für 2014 nannte er unter anderem mehr Effizienz in Politik und Verwaltung sowie den Erhalt aller Schulstandorte: „Hier scheinen schmerzliche Einschnitte auf uns zu zu kommen“, sagte der Bürgervorsteher, um dann hinzuzufügen: „Wir wollen alle Schulen erhalten – auch in Morsum!“

Nach dem Bürgervorsteher ergriff Bürgermeisterin Petra Reiber das Wort und hielt eine zweigeteilte Rede. Anekdoten aus dem Leben einer Insel-Bürgermeisterin bestimmten die erste Hälfte – vor allem zitierte die Bürgermeisterin hier aus Zuschriften verärgerter Sylt-Gäste, die sich über Parktickets beschwerten: „Eine brisante Info, die ich Ihnen nicht länger vorenthalten möchte ist, dass auch Angela Merkel auf Sylt ein Knöllchen erhalten hat.“ Der Fahrer der Bundeskanzlerin sei darauf hin promt ins Rathaus gekommen, um sich darüber zu beschweren – die Bußgeldstelle befindet sich allerdings bekanntlich im Bahnweg. Als der Merkel’sche Fahrer unverrichteter Dinge aus dem Rathaus abzog, fand er an der Limousine der Kanzlerin einen zweiten Strafzettel vor - für seinen Beschwerde-Besuch im Rathaus hatte er ohne Parkschein im Hebbelweg geparkt: „Ich glaube, Frau Merkel hat einen falschen Eindruck von uns bekommen.“

Bei den Besuchern des Empfangs sorgten diese und ähnliche Anekdoten für Belustigung, während Reiber im zweiten Abschnitt ihrer Rede zustimmendes Gemurmel erntete: Hier ging sie auf die Schließung der Geburtenstation ein: Sollte es nicht gelingen, doch noch eine Lösung für die Geburtshilfe auf Sylt zu finden, sehe sie schwarz: „Dann wird der demographische Wandel auf Sylt zum demographischen Untergang.“ Geradezu ironisch erscheine es ihr, dass sie neben der Geburtenstation das geplante Edel-Bordell in der Strandstraße in den vergangenen Monaten in Atem gehalten habe: „Was ist das für eine Welt? Hier können keine Kinder mehr geboren werden, aber dafür hätten wir hier Bordelle im Übermaß.“ Ob Reiber ernsthafte Hoffnungen hegt, den genehmigten Bau noch zu verhindern, blieb offen – sie betonte jedenfalls, dass ihr wohl bewusst sei, dass ihre Sylter Bürger in der Lage seien, ihrem Protest tatkräftig auf der Straße Luft zu machen.

Das kam bei den Bürgern an: Während sie sich mit Schnittchen stärkten, wurde die Rede der Bürgermeisterin gelobt: „Gegen das Bordell würde ich glatt demonstrieren gehen“, pflichtete Thorsten Schmitz ihr bei, „so etwas brauchen wir in Westerland nicht.“

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erstellt am 11.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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