Seniorenheim auf Sylt : Azubi-WG liegt auf Eis

In die leerstehenden Altenwohnungen des Seniorenzentrums Steinmannstraße werden erstmal keine Auszubildenden einziehen.
In die leerstehenden Altenwohnungen des Seniorenzentrums Steinmannstraße werden erstmal keine Auszubildenden einziehen.

Künftige Nutzung der leerstehenden Altenwohnungen in der Steinmannstraße wird erst nach der Kommunalwahl wieder zum Thema

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18. April 2018, 05:18 Uhr

Kein Bürgermeister, kein KLM-Chef, kein Johanniter – beim Sozialausschuss am Montagabend glänzten die Verantwortlichen mit Abwesenheit. Der Tagesordnungspunkt „Azubi-WG im Altenzentrum“ barg Sprengstoff, doch die Politiker mussten den Konflikt unter sich austragen. Nun wird sich die nächste Gemeindevertretung mit dem heißen Eisen befassen müssen – nach der Kommunalwahl.

Die Gemeinde und die Johanniter als Betreiber hatten ihr Angebot an Altenwohnungen überarbeitet und in der Steinmannstraße Platz geschaffen für zwei ambulant betreute Senioren-Wohngemeinschaften. Jeder Bewohner verfügt über ein Zimmer mitsamt Badezimmer, der große Gemeinschaftsraum und die Küche stehen allen offen. Doch das Interesse an der modernen Wohnform war gering, vielleicht auch wegen der Kosten: Laut Johanniter-Rechnung käme auf die Bewohner nach Abzug der Pflegeversicherung ein Eigenanteil von maximal 1600 Euro zu. Jedenfalls ist bis heute kein einziges der 22 Zimmer vergeben. Ende Februar wurde im Wohnungsbauausschuss erstmals die Idee laut, die elf Zimmer für drei Jahre an junge Auszubildende zu vergeben – für 350 Euro Warmmiete. KLM-Chef Marcus Kopplin preschte vor und fragte schon mal beim Kreisbauamt nach, ob der Bebauungsplan vorübergehend geändert werden könnte.

Der Sozialausschuss war bei seiner Sitzung am Montagabend ganz anderer Meinung: „Diese Einrichtung ist vor 40 Jahren – damals noch als Pflegeheim – für unsere älteren Mitbürger erstellt worden – und so soll es auch bleiben“, bekundete Ausschussvorsitzender Eberhard Eberle (SPD).

Die „Berichtsvorlage“, in der sich der Bürgermeister von dem Vorstoß distanziert, trug die Seniorenbeauftragte Tina Haltermann vor. Darin heißt es, der Wohnungsbauausschuss habe die Zwischennutzung lediglich befürwortet und das Projekt zur weiteren Beratung an den Sozialausschuss und den Bauausschuss verwiesen. „Auf Grund nicht erfolgter verwaltungsinterner Abstimmung im Vorfelde der überraschenden Beschlussfassung“ habe der Bedarf von Senioren noch nicht geklärt werden können. Bevor ihnen Räumlichkeiten entzogen würden, sollte ein „bedarfsgerechtes und finanzierbares Angebot“ entwickelt werden.

„Das alles wäre gar nicht passiert, wenn die Verwaltung vorher vernünftig miteinander gesprochen hätte“, kommentierte Gerd Nielsen (SPD). Das Seniorenzentrum müsse den Senioren vorbehalten bleiben – „und für die Lehrlinge müssen wir eine bessere Lösung finden.“

Hicham Lemssiah (Insulaner) nannte es „respektlos“, dass weder die Johanniter noch das KLM der Einladung in den Ausschuss gefolgt waren. „Diese Angelegenheit – eine Halbierung des Angebotes für Senioren – wäre klammheimlich beschlossen worden, wenn wir nicht in die Öffentlichkeit gegangen wären.“

„Vielleicht ist einfach der Weg falsch gewesen“, suchte Katrin Krahmer (Grüne) versöhnliche Worte. Sie bedauerte, dass es „sehr viel böses Blut“ gegeben habe, als Kopplin der Kumpanei mit den Johannitern bezichtigt worden war.

„Jetzt ruht das Thema erstmal“, setzte Eberhard Eberle dem Schlagabtausch ein Ende. „Zum 1. August 2018 wird der Vorschlag nicht umgesetzt.“

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