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Kampf um den Hindenburgdamm : Autozug: RDC erhebt Vorwürfe gegen das Land

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach dem Brandbrief des Verkehrsministeriums wirft das Eisenbahnunternehmen RDC dem Land vor, sich zu spät zu äußern.

Nach dem Brandbrief des Verkehrsministeriums vom vergangenen Freitag nimmt der Autozug-Anbieter RDC nun in einer Pressemitteilung Stellung. Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele hatte in seinem Schreiben vor „unhaltbaren Verkehrsverhältnissen“ in den Bahnhöfen Westerland und Niebüll gewarnt. Der ab diesem Sonntag geltende Fahrplan für die Strecke Niebüll – Westerland sei „nicht fahrbar“ (wir berichteten).

In der Pressemitteilung sichert RDC nun zu, weiterhin zu Gesprächen mit allen Beteiligten bereit zu sein. Gleichzeitig aber wirft das Unternehmen dem Land Schleswig-Holstein vor, zu spät auf die drohende Situation auf dem Hindenburgdamm reagiert zu haben und gleichzeitig einer der Verursacher des drohenden Chaos zu sein. „Brandbrief – diese Bezeichnung trägt das öffentlich gemachte Schreiben von Dr. Nägele zu Recht. Denn dieses kommt jetzt, wenige Tage vor dem Start des neuen Fahrplans bedauerlicherweise so spät, dass es mehr zur Verunsicherung von Insulanern, Pendlern und Syltgästen als zur Lösung der Situation beitragen dürfte“, sagt Hans Leister, Europachef RDC.

Außerdem – so ein impliziter Vorwurf von RDC – habe das Land das Entstehen eines sinnvollen Fahrplans aktiv torpediert. Dieser Vorwurf wird durch ein internes Schreiben des Unternehmens deutlich, das unserer Zeitung vorliegt. Darin wirft RDC Kiel vor, dass das landeseigene Unternehmen Nah.sh für den Nahverkehr viel mehr Fahrten angemeldet habe, als letztendlich genutzt würden. Aus Sicht von RDC ein bewusster Schritt: „Wir haben eindeutige Anhaltspunkte, die dafür sprechen, dass die Behinderung des gesetzlich gebotenen Wettbewerbs im Autozugverkehr damit auch bezweckt war.“ Was genau diese Anhaltspunkte sind, darauf will RDC derzeit nicht weiter eingehen.

Harald Haase, der Sprecher des Verkehrsministeriums, weist diesen Vorwurf in Teilen zurück: Zwar habe das Land „etwas mehr“ Fahrten beantragt, als jetzt tatsächlich genutzt werden. Diese „gebunkerten“ zwei Trassen pro Stunde seien aber „für die Sicherung des Nahverkehrs nötig“ gewesen. Ansonsten, so Haase weiter, hätten theoretisch Trassen für drei Autozüge pro Stunde genehmigt werden können. Aus seiner Sicht hätte das Chaos dann noch größer werden können: „Auf jeden Fall hat das Handeln des Landes das Problem nicht, wie von RDC behauptet, verschärft.“ Der Nahverkehr auf dieser Strecke wird derzeit von der Nord-Ostsee-Bahn angeboten, für den Zeitraum ab 2017 hat das Land allerdings der Bewerbung von DB Regio den Vorrang gegeben.

Ein weiterer Vorwurf von RDC: Bereits im März dieses Jahres habe es einen funktionierenden, mit dem Land abgestimmten Fahrplan gegeben, dem die Landesregierung dann aber auf einmal nicht mehr zustimmen wollte.

Allen Beteiligten sei zudem schon lange bekannt gewesen, dass der DB Sylt Shuttle die Zahl seiner Fahrten massiv erhöhen will. Das aufwändige An- und Auseinanderkuppeln der neuen Personen-Autozüge der Deutschen Bahn sieht RDC als Hauptursache für das drohende Chaos. „Diese Neuerungen sind nicht etwa von erhöhter Nachfrage der Fahrgäste beziehungsweise lange gestellten Forderungen aus der Region ausgelöst. Sondern dienen ausschließlich dem Zweck, einen anderen Anbieter von den Gleisen fernzuhalten“, kritisiert RDC-Geschäftsführer Carsten Carstensen. „Erst nach dem vollständigen Unterliegen bei der Rahmenvertragsvergabe hat die DB Fernverkehr ihr neues Konzept aus dem Hut gezaubert.“

Ergebnis dieser Kreativität sei, dass die Fahrbarkeit im Sinne eines stabilen Fahrplans alle beteiligten Eisenbahn- und Infrastruktur¬unternehmen vor enorme Herausforderungen stelle, heißt es von RDC weiter.

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erstellt am 08.Dez.2015 | 17:14 Uhr

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