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Strecke Westerland-Niebüll : Autozug: Probleme beim Lkw-Verkehr

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Unternehmen, die auf einen regelmäßigen Transport ihrer Güter nach Sylt angewiesen sind, befürchten gravierende Nachteile durch das Bahn-Chaos.

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erstellt am 09.Feb.2016 | 05:57 Uhr

Sylt | Bei Unternehmen und Speditionen, die zum Beispiel Lebensmittel, Baumaterialien oder Paketsendungen per Autozug auf die Insel transportieren, herrscht große Verunsicherung: Wie sollen sie angesichts des drohenden Bahn-Chaos ihre Zeitpläne einhalten und ihre Lkw rechzeitig zu ihren Kunden auf die Insel bringen können?

Der Kampf um den Hindenburgdamm der beiden Bahnunternehmen Railroad Development Corporation (RDC) und DB Syltshuttle zieht sich seit Langem hin. Weil viel mehr Züge als bisher auf der teils eingleisigen Strecke fahren sollen, werden sie sich in den Bahnhöfen Westerland und Niebüll gegenseitig blockieren, so die Befürchtung.

Die NVAG Logistik lässt im Schnitt täglich sieben Lkw mit dem Autozug nach Sylt fahren, die unter anderem die Edeka-Märkte oder Discounter wie Aldi mit Waren versorgen. „Wir bemerken jetzt schon massive Verspätungen“, sagt NVAG-Betriebsleiter Ingo Dohrn, „das mit dem Rangieren des Sylt Shuttle plus haut ja doch nicht so hin.“

Seine Sorge: Wenn Konkurrent RDC wirklich irgendwann den Betrieb aufnimmt, mehren sich die Verspätungen: „Gerade während der Saison ist die Insel hoch frequentiert. Wenn unsere Lkw dann zu spät auf der Insel ankommen, ärgern sich die Kunden.“ Der Zeitplan sei schlicht nicht mehr einzuholen. Er habe seine Bedenken mehrfach geäußert, „aber irgendwie will das offenbar keiner hören“. Für die Transportunternehmen, glaubt Dohrn, werde sich die Situation aber irgendwie einspielen: „Einige werden vielleicht die Fähre nehmen.“ Für die Insel und ihre Gäste aber sieht er den größeren Ärger voraus: „Es ist ja einfach nichts geregelt.“

Auch der Tinnumer Getränkehandel Ipsen ist auf den Autozug als Transportmittel angewiesen: „Im Schnitt fahren für uns zwei Lkw pro Tag, sechs Tage die Woche – in der Hochsaison sogar deutlich mehr“, berichtet Geschäftsführer Dirk Bernhard Ipsen. „Dabei sind wir dem Sylt Shuttle auf Gedeih und Verderb ausgeliefert: Monitär und Fahrzeiten-technisch.“ Die Hin- und Rückfahrt eines Lkw in der höchsten Kategorie koste immerhin 570 Euro – da könne man leicht ausrechnen, welche immensen Summen nur für die Nutzung des Autozugs zusammen kämen, so Ipsen, „und diese Kosten geben die Spediteure natürlich Eins zu Eins an uns weiter.“

Mit eigenen Fahrzeugen zwischen Insel und Festland zu pendeln, würde sich für Getränke-Ipsen, wie für die meisten anderen Sylter Unternehmen, allerdings auch nicht rechnen. Denn im gewerblichen Bereich bietet die Deutsche Bahn für Lkw über 3,5 Tonnen keinen günstigeren Insulanertarif an. „Um zu sparen, verwenden manche Unternehmen deshalb Fahrzeuge, die unter der Grenze von 15,01 Meter Länge bleiben“, verrät der Tinnumer Geschäftsmann. „Damit spart man hin und zurück je Fahrt immerhin 142 Euro.“ Vor dem Beginn der Saison mit ihren vielen Events und Dorffesten graut es Dirk B. Ipsen regelrecht: „Auch ohne RDC haben wir durch die höhere Taktung jetzt schon mehr Nachteile als Vorteile. Wie soll das erst im Sommer werden, wenn wir für wichtige Veranstaltungen auf Lieferungen ‚just in time‘ angewiesen sind ...“

Unternehmen, die wie Getränke-Ipsen darauf spekuliert hatten, ihre Ware mit dem DB-Konkurrenzunternehmen RDC künftig zu günstigeren Konditionen auf die Insel zu bringen, müssen eine Enttäuschung hinnehmen: Denn RDC wird auf ihren Waggons zumindest zunächst gar keine Lkw transportieren können. Das bestätigte RDC-Sprecherin Meike Quentin gegenüber unserer Zeitung: Busse und Lkw, die breiter als 2,20 Meter seien, darf das Unternehmen nicht transportieren.

Grund dafür sei eine Sicherheitsverordnung, die einen 41 Zentimeter breiten Rettungsweg neben dem Wagen vorsieht. Das böten zwar auch die Flachwagen der DB nicht, so Quentin, aber da dort eine ältere Genehmigung vorliege, dürfte die DB weiterhin Lkw transportieren.

RDC dagegen kann die größeren Gefährte erst transportieren, wenn die vom Unternehmen bestellten Neuwaggons eintreffen. Dies sei allerdings erst 2017 oder 2018 der Fall. Bis dahin, betont Quentin, könnten aber alle Handwerker-Sprinter bis 3,5 Tonnen mitgenommen werden. Transportunternehmer Dohrn dagegen hat nicht überlegt, vom Sylt Shuttle der DB zum RDC-Autozug zu wechseln: „Wir brauchen einen verlässlichen Anbieter.“ Ohnehin sei angesichts der „zurecht gebauten“ Waggons von RDC von Anfang an klar gewesen, dass darauf keine Lkw transportiert werden könnten.

Auch die Syltfähre beobachtet die Entwicklungen auf der Schiene ganz genau: „Wenn es zu Problemen kommen sollte, werden wir unseren Fahrplan gerne erweitern“, sagt Birte Dettmers, die Geschäftsführerin des Betreibers FRS Helgoline GmbH & Co. KG. Bisher nutzen geschätzt zehn Prozent der Urlauber beziehungsweise Transportunternehmen die Fähre, um auf die Insel zu kommen. Tendenz steigend: In den vergangenen drei Jahren habe die Zahl der Fähr-Nutzer kontinuierlich zugenommen, so Dettmers. Bisherige Auswirkungen aus den aktuellen Zug-Unsicherheiten spüre man allerdings noch nicht, obwohl „eine gewisse Unsicherheit auf dem Frachtmarkt“ auch Dettmers bekannt ist.

 

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