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Deutsche Bahn und RDC : Autozug nach Westerland: Der Sylter Bahnsinn geht weiter

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Verspätungen und unklare Auskünfte bei der Deutschen Bahn verärgern Autozug-Reisende.

von
erstellt am 22.Jan.2016 | 05:53 Uhr

Westerland | Sinnlose Leerfahrten, nervige Verspätungen und viele offene Fragen: Nach dem Fahrplanwechsel beim Autozug zwischen Niebüll und Westerland vor gut einem Monat sind Insulaner und Gäste nicht viel schlauer, wie es künftig auf dem Hindenburgdamm weiter gehen soll.

Der Kampf um den Hindenburgdamm der beiden Bahnunternehmen Railroad Development Corporation (RDC) und DB Syltshuttle zieht sich seit Langem hin. Weil viel mehr Züge als bisher auf der teils eingleisigen Strecke fahren sollen, werden sie sich in den Bahnhöfen Westerland und Niebüll gegenseitig blockieren, so die Befürchtung.

Anfang Dezember hatte das Verkehrsministerium des Landes in einem Brandbrief davor gewarnt, dass der neue Fahrplan nicht fahrbar sei, und die beteiligten Unternehmen nachdrücklich dazu aufgefordert, sich im Kampf um den Hindenburgdamm zu einigen. Doch eine Lösung, wie drohenden, beziehungsweise schon bestehenden Probleme auf der Strecke entschärft werden können, kann gut eineinhalb Monate später immer noch niemand präsentieren.

Während man beim DB-Konkurrenten RDC immer noch nicht genau angeben kann, wann die ersten RDC-Autozüge über den Damm rollen, hat die Deutsche Bahn am Donnerstag erst einmal die Anzahl der Autozüge, an die Personenwaggons angehängt werden, erhöht. Bis zu 26 Mal am Tag fahren nun die sogenannten Syltshuttle Plus (SSP) auf der Strecke.

Genutzt wird dieses Angebot, bei dem die Fahrgäste langsamer und teurer als mit der Nord-Ostsee-Bahn aufs Festland reisen können, allerdings so gut wie nicht. Auf der Insel bleibt die starke Vermutung bestehen, dass die aufwendigen Kuppeleien dieser Spezialzüge einer der maßgeblichen Gründe ist, warum die Autozüge derzeit regelmäßig verspätet fahren.

Am Donnerstag schrieb zudem ein sh:z-Leser, dass der 17.05-Uhr-Autozug das Verladeterminal leer verlassen habe, die wartenden Autos seien nicht mitgenommen worden. Dass die Abfahrtsangaben auf den Hinweistafeln an den Terminals nicht der Realität entsprechen, ist kein Einzelfall.

Auf Nachfrage der Sylter Rundschau bleibt DB-Presseprecher Egbert Meyer-Lovis vage: Die derzeitigen Verspätungen hätten „viele Gründe“, auf externe Ereignisse wie „Notarzteinsätze“ habe die DB keinen Einfluss. Bei anderen Ursachen, auf die Meyer-Lovis nicht näher eingeht, „laufen derzeit Instandhaltungsmaßnahmen“. Auch diese „Maßnahmen“ erläutert der Sprecher nicht weiter.

Die Frage des sh:z, wie viele Fahrgäste im vergangenen Monat den SSP genutzt haben, bleibt von Seiten der Deutschen Bahn unbeantwortet.

Auch auf die Nachfrage, ob in den zumeist leeren SSP-Waggons überhaupt Fahrscheine kontrolliert werden, beantwortet der DB-Sprecher lediglich damit, dass dort ein „Prüfdienst“ im Einsatz sei. Ob dies regelmäßig der Fall ist, oder man in den Zügen meist umsonst aufs Festland fahren kann, bleibt offen.

Sollte faktisch weiterhin ein Gratis-Angebot bestehen, können dies allerdings nur besonders gut informierte Reisende nutzen: In der Fahrplansuche auf der Homepage der Deutschen Bahn sind die Fahrten des SSP weiterhin nicht zu finden. Dies begründet Meyer-Lovis mit „Softwareproblemen“ – ab Freitag seien die Verbindungen dort auffindbar.

Neben den Unklarheiten in Sachen Deutsche Bahn ist beim Eisenbahnunternehmen RDC (Railroad Development Corporation) auch noch vieles offen. Allem voran die Frage, wann RDC den Autozug-Betrieb wirklich aufnehmen wird.

Nachdem eigentlich Mitte Februar als Starttermin im Raum stand, möchte sich Unternehmenssprecherin Maike Quentin nun nicht mehr festlegen. Sie schätzt, dass es auch Ende Februar oder März werden könnte. Begründung: Zum einen sind die RDC-Tarife noch nicht genehmigt, zum anderen sind auch die Wagen noch nicht für den Verkehr auf dem Hindenburgdamm zugelassen.

Wenn RDC den Betrieb aufnimmt, sollen an der Verladestation in Niebüll künftig zwei Spuren für RDC-Nutzer frei gehalten werden – jeweils 90 Minuten, bevor ein RDC-Autozug abfährt. Dass die dafür nötigen Umbaumaßnahmen noch nicht gestartet sind, bereitet Quentin keine Sorge. Die nötigen Bauarbeiten seien kurzfristig umsetzbar. Darum würde sich allerdings der Inhaber der Terminals, die Deutsche Bahn, kümmern. Ticketautomaten für RDC-Reisende soll es an den Terminals zunächst nicht geben: „Der Verkauf wird über Personal geregelt.“

Bis zum Ende dieses Monats wird RDC Testfahrten mit ihren Loks auf dem Hindenburgdamm fahren. Für die Probefahrten der vergangenen Wochen zieht Quentin ein gemischtes Fazit: Einerseits sei die Zusammenarbeit mit den DB-Mitarbeitern bisher sehr positiv verlaufen.

Andererseits habe sich schon jetzt gezeigt, dass die Terminals zu Zeitpunkten, an denen eigentlich RDC fahren sollte, häufig von DB-Autozügen belegt gewesen seien. Würde RDC derzeit schon Autozüge fahren lassen, schlussfolgert sie, wären die vom Verkehrsministerium befürchteten betrieblichen Störungen also schon eingetreten.

Die ganze Geschichte über den irren Kampf um den Hindenburgdamm lesen Sie hier.

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