SH-Planungsfehler : Autozug nach Sylt: Freie Bahn für US-Firma

5094177

Das Land macht einen krassen Planungsfehler und ist im Kampf um die Übernahme des Sylt Shuttles aus dem Rennen. Eine US-Firma ist sich sicher, den Zuschlag zu erhalten.

23-62765520_23-66131881_1417185228.JPG von
03. Dezember 2014, 19:16 Uhr

Sylt | Beim Kampf um die Übernahme des rentablen Syltshuttles zeichnet sich eine Entscheidung ab. Das US-Bahnunternehmen Railroad Development Corporation (RDC) wird nach Informationen der Sylter Rundschau den Zuschlag für den Betrieb des Autozugs zwischen Niebüll und der Insel Sylt ab Ende 2015 für zehn Jahre erhalten. Sowohl das Land Schleswig-Holstein als auch der derzeitige Betreiber, der DB Fernverkehr, sind damit aus dem Rennen.

Henry Posner III, Gründer und Chef der Investmentfirma RDC, sieht die Chancen für eine Einigung als „extrem wahrscheinlich“ an. „Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten sind wir die Nummer Eins“, sagt RDC-Deutschland-Generaldirektor Hans Leister. In der vergangenen Woche endete das Koordinierungsverfahren, die erste Phase nach Einreichung der Trassenanmeldungen für die Strecke Niebüll-Westerland.

Bei den Verhandlungen mit der DB Netz AG hat Schleswig-Holstein zwar neben RDC und dem DB Fernverkehr am Verhandlungstisch gesessen, aber nach Informationen der Sylter Rundschau kein Mitspracherecht mehr gehabt. Der Vorschlag des Landes, die Autozugstrecke von Niebüll bis ins etwa fünf Kilometer entfernte Lindholm zu verlängern, um somit höhere Trassenentgelte – das wichtigste Vergabekriterium – zu erreichen, ist fehlgeschlagen. Die Idee hat nicht funktioniert, da es an den Gleisen in Lindholm gar keine Verladeanlagen gibt. Die aber sind zwingende Voraussetzung für einen Zuschlag.

Entscheidend für eine endgültige Einigung werden die Erlöse sein, die der neue Betreiber an DB Netz überweist. RDC plant, pro Kilometer einen deutlich höheren Tarif zu zahlen als die Deutsche Bahn. Insgesamt will sich das Unternehmen die Strecke etwa 5,5 Millionen Euro pro Jahr kosten lassen. „Das ist deutlich mehr, als die Bahn zahlen kann oder will“, sagte Leister. Zudem will das Unternehmen, das in Deutschland den Hamburg-Köln-Express betreibt, den Autozug in der Zeit von 5 bis 22 Uhr durchgehend halbstündlich fahren lassen. Das brächte jährlich 21.000 Abfahrten – 50 Prozent mehr als die Bahn derzeit anbietet.

Das aber führt zu einem weiteren Konfliktpunkt: Durch eine erhöhte Zahl an Autozug-Verbindungen könnte es schwierig werden, die IC-Verbindungen, die unter anderem von Köln oder Stuttgart direkt nach Sylt fahren, in den Fahrplan einzufügen. Zudem ist fraglich, ob die Bahn bei Verlust des Syltshuttles überhaupt noch ein Interesse hat, Intercityverbindungen auf die Insel anzubieten. Ein Ende der Intercityverbindungen hätte nicht nur Auswirkungen für Sylt, sondern auch für den Tourismus auf den Nachbarinseln Föhr und Amrum: Etliche Intercitys aus dem Süden werden in Niebüll geteilt, einige Wagen fahren weiter nach Dagebüll.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen