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Serie Zurückgeblättert : Austern, Umzüge und Brandschutz

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der aktuellen Folge der Serie „Zurückgeblättert“ geht es heute um den Oktober 1974.

Wie Sylt wurde, was es ist: In unserer Serie Zurückgeblättert lässt Autor Frank Deppe anhand von gesichteten Zeitungsbänden des Sylter Archivs die jüngere Vergangenheit der Insel wieder lebendig werden.

Sylt im Oktober 1974. Bei der Polizei und bei der Post können ganz langsam die Umzugskartons gepackt werden: Beide Institutionen planen, in Westerland neue Gebäude zu beziehen. Die Polizei das ehemalige Amtsgericht am Kirchenweg zum Jahreswechsel – die bisherige Polizeistation in der Bomhoffstraße wird in der Folge dann vom Landesbauamt genutzt.

Bei der Post dauerte es hingegen noch etwa länger: Während das Fernmeldeamt und der Fernsehturm bis zum Jahreswechsel fertig gestellt sein sollen, wird sich der Wechsel von der Alten Post in die Neue Post an der Kjeirstraße
noch bis zur Saison 1975 hinziehen. Und auch andernorts wurde emsig gebaut. Zum Beispiel ein Appartementhaushinter der Sparkasse oder aber im Geschwister-Scholl-Weg das Jugendzentrum.

Schreck für alle Kulturliebhaber: Aufgrund eines Feuerschutz-Gutachtens musste der Theater- und Konzertsaal im Westerländer geschlossen werden. „Es hagelte aus der Öffentlichkeit bereits Proteste“, vermerkte die Zeitung. Die Stadt Westerland beschloss daraufhin kurzfristig, 10 000 Mark in die notwendigsten Sanierungsmaßnahmen zu investieren. Mit 1,8 Millionen Mark wurde der notwendige grundlegende Umbau beziffert. In Kampen will man den Urlaubern mehr als Meer bieten: Der Verkehrsverein hofft auf den Bau eines Tennisplatzes und eines Minigolfplatzes – der Besitzer des Restaurants Kupferkanne würde dafür eine Areal auf dem weitflächigen Gelände zur Verfügung stellen. Außerdem will der Verkehrsverein den Trimm-Dich-Pfad durch das Wäldchen sowie den Zeltplatz qualitativ verbessern.

Auch der Verein der Sylter Unternehmer möchte den Gästen Gutes tun: Über die Herbst- und Wintermonate erhalten diese einen „Sylt-Pass“, der 22 Gutscheine beinhaltet. So können Urlauber beispielsweise das Westerländer Wellenbad zum halben Preis nutzen oder aber erhalten bei Besuchen in Restaurants zum Essen einen Teepunsch, einen Schnaps oder einen Calvados gratis. Zudem können die Gäste an einer Verlosung teilnehmen, bei der es mehrere Freiaufenthalte auf Sylt zu gewinnen gibt.

Während die „Sylt-Pässe“ sehr gefragt sind, lässt die Resonanz auf den Wettbewerb „Saubere Landschaft Sylt“ zu wünschen übrig: Nur wenige Arbeiten wurden bislang eingereicht. Dabei hat die Bürgerinitiative 500 Mark ausgelobt
und auch die Sylter Wirtschaft stellt einige Preise zur Verfügung. Bereits mehr als 30 000 Besucher wurden 1974 bis dato in der Kampener Vogelkoje registriert.

Nun installiert der Deutsche Bund für Vogelschutz in dem Gelände mehrere Ruhebänke und Infotafeln. Aber auch fluglahme Patienten werden in der Vogelkoje behandelt – derzeit sind es ein Kormoran und drei Basstölpel, die in einem Gehege aufgepäppelt werden. „Sie sind so zutraulich, dass sie ihren Pflegern wie ein treuer Hund nachlaufen“, berichtet die Zeitung.

Seit 1986 betreibt das Unternehmen Dittmeyer’s Austern-Compagnie im Lister Wattenmeer Deutschlands einzige Austernzucht – doch bereits zwölf Jahre früher wurden die delikaten Schalentiere in der Neuzeit vor Sylt kultiviert: Der Fischer Fritz Rönnebeck kann 1974 erstmals im Munkmarscher Watt aufgezogene Austern verkaufen. 40 000
Exemplare waren dort in Plastikkästen heran gereift und werden nun zu Stückpreisen zwischen 1,40 und 1,90 Mark verkauft.„Der einzige Austernbauer der Bundesrepublik hatte die Setzlinge aus Schottland vor drei Jahren ausgesetzt“, berichtete die Sylter Rundschau. Auch portugiesische, holländische und französische Brut war erprobt worden, „die sich dem Sylter Wattenmeer jedoch nicht anpasste“. Nun aber kann Rönnebeck endlich die erste Ernte halten, um die 80 bis 110 Gramm schweren Austern an Restaurants und Privatleute zu verkaufen.

 

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erstellt am 17.Okt.2014 | 05:00 Uhr

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