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Stefan Gwildis auf Sylt : „Ausgefeiltester Krams“ über den Deichgrafen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stefan Gwildis liest am Ostermontag im Kursaal ³ Storms bekannteste Novelle „Der Schimmelreiter“.

Sie ist wohl die bekannteste Novelle des norddeutschen Schriftstellers Theodor Storm: „Der Schimmelreiter“. Und Stefan Gwildis vereint sie in seinem neuen Hörbuch mit literarischen Tiefgang und norddeutschem Humor. Die Erzählung vom Deichgrafen Hauke Haien gehört zum festen Repertoire der Mythen und Sagen des Nordens.

In diesem Jahr wäre der gebürtige Husumer 200 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat der Hamburger Musiker und Soul-Sänger das Hörbuch „Stefan Gwildis liest Storm. Der Schimmelreiter“ eingesprochen. Untermalt wird die Geschichte mit den eigens komponierten Stücken „Haukes Walzer“ und Variationen davon.

 

Herr Gwildis, was fasziniert Sie am „Schimmelreiter“?

Als Musiker liegt es nahe, sich auch mit Literatur zu beschäftigen. Storm ist jemand, der gerade hier im Norden etwas gilt. Als Norddeutscher und Nordsee-Fan lag die Verbindung zu Storms „Schimmelreiter“ nahe und daher war dieses Projekt eine Herzensangelegenheit. Schon als Schüler fand ich den Zossen zwar anstrengend, aber auf der anderen Seite hat mich die Figur des Hauke Haien auch interessiert. Ich habe die Novelle zum ersten Mal in einer Zeit gelesen, als es mit 17 Jahren um die eigene Positionierung im Leben ging. Da spielte Hauke Haien eine ganz wichtige Rolle für mich, weil er so ein Querdenker und seiner Zeit weit voraus ist. Einer der nicht mit dem Strom schwimmt, sondern sein eigenes Universum hat. Das fand ich cool an dem Burschen. Insofern hat mich die Geschichte bis heute nicht losgelassen.

 

Storms karge, kantige Worte sind nicht Jedermanns Sache. Haben Sie die Sprache adaptiert, so wie Sie es ja oft auch mit englischsprachiger Soulmusik tun?

Wir sind da beinhart beim Original geblieben. Die Dramaturgin Dr. Sonja Valentin hat den Text nur eingedampft und neu gefasst, sonst wäre ein dreieinhalb Stunden Ungetüm auf fünf CDs entstanden. Wir haben den Kern der Geschichte herausgearbeitet, sodass nur das übrig geblieben ist, was für uns wichtig war: nämlich die Geschichte von Hauke Haien. Die ganze schachtelartige Einführung, in der mehrere Erzähler zu Wort kommen, haben wir gestrichen. Das Interessante daran finde ich, ist, dass es reicht, die spannenden Grundzüge dieser Sage zu erzählen, um die Leute bei der Stange zu halten, vor allem junge Leute.

Was kann der Text uns heute denn noch sagen?

Das wäre eine gute Abiturfrage (lacht): Was wäre Hauke Haien heute für ein Mann? Ich glaube, er wäre ein Visionär, der sich uneigennützig für die Gesellschaft aufreibt. So wie er damals Land für die Gemeinschaft gewonnen hat. Mit seinen Visionen durch das Studium des Euklids hatte er ein ganz eigenes Ding am Laufen. Das wäre auch mein Rat an die heutige Jugend: Haltet den Ball mal flach, lasst das Handy und den Fernseher aus, legt euch einfach mal auf die Wiese und kratzt euch am Arsch. Dann guckt, was ihr für Ideen habt – das ist interessant.

 

Umrahmt wird das Programm durch Intermezzi von Tobias Neumann am Klavier und dem Cellisten Hagen Kuhr. Dafür haben Sie eigens „Haukes Walzer“ komponiert...

Ich fand die Frage entscheidend, welche Musik den Text unterstützen kann. Es musste etwas sein, das immer wiederkehrt, wie Ebbe und Flut und die Jahreszeiten. Der Rhythmus der Natur, ein ewiger Rundtanz. Daher musste es ein Walzerthema sein, das diese bildhafte Sprache filmisch untermalt – mal dramatisch, mal romantisch, je nach Stimmung. Hagen Kuhr und Tobias Neumann haben das super für Cello und Klavier arrangiert; dadurch hat das Ganze einen sehr konzertanten Charakter bekommen.

 

Keiner Ihrer Bühnen-Abende vergeht ohne Humor. Sind Sie auch bei Storms epochalem Werk fündig geworden?

Das Humorvolle sind die Dialoge. Da kann ich mit meinem norddeutschen Zungenschlag kleine Kabinettstückchen abliefern und den Nordmenschen raushängen lassen. Das bringt die Zuhörer hoffentlich zum Schmunzeln. Dadurch wird es lustig und lebendig. Wenn man die Stormsche Sprache verändert hätte, kommt man in Teufels Küche. Das ist ausgefeiltester Krams, den Theodor Storm da anbietet. Allein in den Bildern, die er zeichnet, steckt so viel drin, dass man ihm nur gerecht wird, wenn man ihn in seiner Form zitiert. Daher sind die Lesungen am Anfang vielleicht etwas sperrig, aber dann ist man mittendrin im Geschehen an der Nordseeküste, wo nur der Deich die Menschen vor der grausamen Gewalt des Wassers schützt.

 

Wie wird sich die Studioproduktion von der Live-Aufführung unterscheiden?

Die Lesungen werden einen sehr nautischen Rahmen haben mit vielen Improvisationen. Mit Licht, Geräuschen und wenigen Utensilien schaffen wir die passende Atmosphäre. Am Anfang hängt ein großes Segel von der Decke, das sich im Wind bauscht. Und dahinter leuchtet er - mal verlockend, mal dämonisch: der Kopf des Schimmels, den der Teufel schuf.  

Termine:17.April, 20.15 Uhr: kursaal³, Wenningstedt/Sylt
1. September, 19.30 Uhr: Elbphilharmonie Hamburg, Kleiner Saal

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erstellt am 12.Apr.2017 | 17:40 Uhr

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