Große Population : Ausgebuddelt und abgefressen: Sylt ärgert sich über Kaninchen

Guckt niedlich, ist auf Sylt aber unbeliebt: Bauern, Jäger und Fußballspieler ärgern sich über Kaninchen.
Guckt niedlich, ist auf Sylt aber unbeliebt: Bauern, Jäger und Fußballspieler ärgern sich über Kaninchen.

Sie halbieren die Grünkohlernte und buddeln auf dem Fußballplatz: Auf Sylt ist die Kaninchenpopulation, anders als auf dem Festland, hoch.

Julia Lund von
21. März 2018, 05:39 Uhr

Sylt | Wildkaninchen prägen im Frühjahr das Bild der Insel – ob auf Spielplätzen, in Kleingärten, auf Friedhöfen, Golf- oder Sportplätzen. Und überall, wo sie auftauchen, hinterlassen sie ihre Spuren, fressen Bäume an, buddeln tiefe Löcher und bedienen sich am Salat- und Blumenbeet.

Die Jäger auf der Insel beklagen schon seit Jahren die enorme Zunahme der Population, deren Bestand auch durch die Kaninchenpest (Myxomatose) oder die Chinaseuche nicht verringert wird. Ein Teil der Population würde durch die Seuchen zwar eingedämmt, allerdings „längst nicht so viele Tiere wie früher, so dass die Überpopulation bestehen bleibt“, wie Wiebke Bleicken vom Hegering Sylt erklärt.

Jäger wollen längere Jagdsaison

Begünstigt werde ihre Ausbreitung auch dadurch, dass die Jagdsaison auf der Insel vor vier Jahren von einer ganzjährigen Erlaubnis auf drei Monate verkürzt wurde – die Tiere dürfen seitdem nur noch vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember gejagt werden.

Ekkehard Volquardsen aus Wenningstedt-Braderup ist Biobauer. Sein Betrieb ist von dem Schaden, den die Kaninchen anrichten können, seit Jahren betroffen. Zudem ist er Jagdpächter in der Gemeinde. Er weiß: „Die Natur hilft sich immer selbst und gerade im vergangenen Herbst hatten wir auf der Insel sehr viele Karnickel, die an der Chinaseuche verendet sind.“

Warum Kaninchen Sylt lieben

Dennoch gäbe es immer genug Tiere, die so eine Seuche überleben und sich im Frühjahr rasant vermehren – auch deshalb, weil auf Sylt optimale Bedingungen für die Tiere herrschen: „Die sandigen Bodenverhältnisse auf der Insel sind hervorragend geeignet, um Löcher zu buddeln“, sagt er und erklärt, dass die Kaninchen diese Löcher bräuchten, um ihre Jungen abzulegen und dort in den ersten Monaten großzuziehen.

Doch nicht nur die Bodenverhältnisse, auch das milde Klima auf der Insel – mit Ausnahme von härteren Wintern – sei ideal für die Wildkaninchen, sagt Volquardsen. Und aufgrund dieser optimalen Voraussetzungen unterscheide sich die Population auf der Insel auch von der vom nahen Festland, wo es weitaus weniger Kaninchen gebe.

50 Prozent des Grünkohls weggefressen

Auf seinem Biohof, dem „Erdbeerparadies“ in Braderup, hatte Ekkehard Volquardsen im vergangenen Jahr große Probleme. „Die Kaninchen haben mir 50 Prozent des Grünkohls weggefressen. Der dadurch entstandene Schaden beläuft sich auf zwei- bis dreitausend Euro“, sagt er. Um die erheblichen Verluste zu minimieren, hätten verstärkte Aufwendungen betrieben werden müssen, wie der Schutz der Pflanzen durch Abdeckungen mit Vlies.

Nicht nur in Gärten und auf Feldern, auch auf Sportplätzen richten die Karnickel großen Schaden an. Um wieder Herr der Lage über den Fußballplatz zu werden hat der Sportclub Norddörfer zu einem teuren Mittel gegriffen: „Wir haben in Eigenleistung einen Zaun rund um den Sportplatz errichtet – mit einem Kostenvolumen von 23.000 Euro“, sagt Sam Beese, Jugendtrainer beim SC Norddörfer. „Dafür haben wir jeden Cent gespart, den wir sparen konnten.“

Platzverbot für Kaninchen

Bevor der Zaun da war, wären pro Nacht 70 bis 90 Kaninchen auf dem Sportplatz gewesen und hätten dort ihre Löcher gebuddelt. „Vor den Spielen und Trainingseinheiten mussten wir etwa zwei Stunden über den Platz laufen, um die Löcher zu stopfen.“ Denn gerade für Sportler können die Löcher gefährlich werden: „Auf so einem Platz, der übersät ist mit 15 bis 20 Zentimeter tiefen Löchern, kann man keinen Fußball spielen. Die Gesundheit der Spieler ist zu sehr gefährdet“, so Beese. Doch auch der Zaun würde nicht alle Tiere abhalten. „Irgendwie und irgendwo schaffen es einige Tiere immer noch, auf den Platz zu kommen“, sagt er. „Die Spielfläche ist jetzt aber nicht mehr von Kaninchenlöchern übersät und es ist eine wesentliche Besserung eingetreten.“

Weitestgehend hingenommen würden die Tiere auf dem Westerländer Friedhof. „Wir haben vor allem Fraßschäden an Staudenpflanzen, Hornveilchen und Stiefmütterchen“, sagt Johannes Sprenger, Friedhofsverwalter der evangelischen Kirchengemeinde. Die Beschwerden würden sich allerdings in Grenzen halten „und wir können nichts dagegen tun und müssen den Schaden akzeptieren“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen