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Zirrenkrake aus der Nordsee : Ausbrecherkönig Dobby: Asyl auf Sylt für den „Knubbel mit acht Armen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seit drei Wochen lebt Krake Dobby in der Arche Wattenmeer. Noch bis Anfang November können Besucher den ungewöhnlichen Gast sehen.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 18:31 Uhr

Hörnum | Das Aquarium der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum hat einen neuen und außergewöhnlichen Bewohner: Im größten Aquarium der Ausstellung lebt seit etwa drei Wochen ein 30 Zentimeter großer Krake, der von den Mitarbeitern der Schutzstation liebevoll Dobby getauft wurde.

Das Tier wurde Ende September auf Hooge von einem Hallig-Bewohner an einer Steinkante entdeckt und bei der Schutzstation auf der Marschinsel abgegeben. Da es sich bei Kraken aber nach Auskunft des Biologen Rainer Borcherding um „Ausbrecherkönige“ handelt, durfte Dobby nicht auf Hooge bleiben. „Das sind unternehmungslustige Knubbel mit acht Armen, die man nur in Aquarien halten kann, die verschließbar sind“, sagt er. In der einen Nacht, die Dobby auf der Hallig verbrachte, wurde sein Aquarium – auch zu seiner eigenen Sicherheit – mit Bettlaken und Planken abgedeckt, damit er nicht rauskommt.

Krake Dobby wurde Ende September auf Hooge von einem Hallig-Bewohner an einer Steinkante entdeckt und bei der Schutzstation auf der Marschinsel abgegeben.
Krake Dobby wurde Ende September auf Hooge von einem Hallig-Bewohner an einer Steinkante entdeckt und bei der Schutzstation auf der Marschinsel abgegeben. Foto: Schutzstation Wattenmeer

Dobby ist ein Weibchen und gehört zur Gattung der Zirrenkraken, die an den britischen und skandinavischen Felsküsten der Nordsee häufig zu finden ist. Für die Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer ist der Krake eine kleine Sensation: „Im Wattenmeer ist bislang noch nie ein lebendes Exemplar bekannt geworden“, berichtet Rainer Borcherding. Auch wenn der Zirrnkrake grundsätzlich im Norden Europas verbreitet sei, wäre er im Wattenmeer nicht heimisch. „Allerdings hatten wir in den vergangenen Jahren einige Totfunde“, sagt Borcherding. Das bedeute, dass die Art „offenbar dabei ist, sich im Wattenmeer anzusiedeln – oder zumindest regelmäßig zu Besuch zu kommen“. Das könne eine Folge der Meereserwärmung sein, erklärt der Biologe. „Die Jahre, in denen wir die toten Tiere gefunden haben, stimmen genau mit ein paar Funden wärmeliebender Krebsarten überein.“

Kraken seien zwar nicht direkt wärmeliebend, sie seien aber frostempfindlich. „In kalten Wintern wird die Art aus dem Wattenmeer zurückgedrängt. Wenn die Winter eher warm sind, kann sie sich aber wieder ansiedeln.“ Das ist offensichtlich bei Dobby der Fall – zum einen, weil es mehrere Jahre keinen richtig kalten Winter mehr gab, zum anderen , weil die Nordsee insgesamt wärmer geworden ist.

Das Krakenweibchen lebt im größten Aquarium der Arche Wattenmeer und kann dort vom Publikum auch besucht werden.
Das Krakenweibchen lebt im größten Aquarium der Arche Wattenmeer und kann dort vom Publikum auch besucht werden.

Für den Leiter der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt ist der achtarmige Kopffüßer ein ungewöhnlicher Gast in der Arche Wattenmeer: „Er ist für uns etwas ganz besonderes. So ein Tier sieht man nicht alle Tage“, so Dennis Schaper. „Zudem sind Kraken sehr selten und man weiß über sie bisher nur wenig“. Das Alter von Dobby ist unbekannt. „Wir wissen lediglich, dass er kein Jungtier mehr ist“, sagt Schaper und ergänzt, dass die Lebenserwartung eines Kraken bei etwa zwei Jahren liege.

Der Krake zog nach Sylt in ein verschließbares Aquarium - die Tiere sind Ausbruchsexperten.
Der Krake zog nach Sylt in ein verschließbares Aquarium - die Tiere sind Ausbruchsexperten. Foto: Rainer Borcherding, Schutzstation Wattenmeer
 

Dass Dobby stark ausbruchsgefährdet ist, weiß auch der Leiter der Schutzstation Sylt: „Kraken sind wirklich sehr pfiffige Tiere. Deshalb mussten wir das Becken gut sichern und sogar die Aquarienabdeckung beschweren, damit er nicht ausbricht. Denn wenn er nur eine kleine Ritze entdecken würde, wäre er weg“. Dem Tier sei regelrecht anzusehen, dass es aufgeweckt ist. „Man sieht, dass in einem Kraken mehr passiert als zum Beispiel in einem Fisch. Er macht die Augen auf und zu und zieht sich zurück, wenn er schläft.“ Der Krake wisse auch ganz genau, wie groß sein Becken ist und was alles darin ist. „Er hat sogar seinen kleinen Versteckplatz, wo er sich am liebsten beim Schlafen aufhält“. Ansonsten würde er nach potenziellem Fressgetier Ausschau halten, das von den Mitarbeitern im Aquarium deponiert wurde. „Dafür holen wir lebendige Einsiedlerkrebse und Strandkrabben aus dem Wattenmeer und setzten sie mit ins Becken, sodass er sie erlegen muss“, erklärt Schaper.

Lange soll Dobby allerdings nicht mehr in Hörnum bleiben. „Wir wollen ihr Anfang November wieder die Freiheit schenken“, sagt Dennis Schaper. Biologe Rainer Borcherding empfiehlt dafür die Steinbefestigungen nördlich vom Hörnumer Hafen: „Dort kann sie sich verstecken, die Steine fallen bei Ebbe nicht trocken und in dem Umfeld gibt es im Unterwasserbereich Muschelbänke oder Steine. Wenn Dobby sich mit dem Elbstrom rausziehen lässt, ist sie auch fix wieder draußen. Meiner Einschätzung nach ist das ein guter Ort, um sie freizulassen.“

Dobby kann in der Ausstellung der Arche Wattenmeer in der Rantumer Straße 33 in Hörnum Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr besucht werden.

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