zur Navigation springen
Sylter Rundschau

22. August 2017 | 07:48 Uhr

Ayurveda auf Sylt : Aus dem Bauch heraus

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylter Rundschau Chefredakteur traf auf Sylt Sandra Sharma und lernte ihre ayurvedischen Heiltechniken kennen.

Selten so gelacht. Sandra Sharma scheint vor guter Laune zu strahlen. Alle Vorstellungen, die ich von einer Heilerin hatte, verschwinden augenblicklich angesichts der Frau, die mich im Spa des Severin's Resort begrüßt. Auf eine lässige Weise elegant, außerordentlich gepflegt, konzentriert und humorvoll im Gespräch erlebe ich schnell einen Menschen, von dem ich bisher nur gehört hatte. Erzählungen, die von erstaunlichen Heilungen berichteten, von gekrümmten Fingern, die wieder gerade wurden, fortschreitenden Sehverlusten, die gelindert, massiven Schlafstörungen, die beseitig werden konnten. „Stopp, stopp!“, ruft Sandra Sharma aus und lacht dabei ihr ansteckendes Lachen. „Ich bin keine Heilerin und schon gar nicht bin ich eine Wunderheilerin!“ Trotzdem sind all die Berichte von den Heilungen verbrieft. Und dann kommt ihre Geschichte.

Die beginnt in einem wohlhabenden Elternhaus, mit einer behüteten Kindheit im Allgäu. Es folgen dann aber Jahre mit großen und kleinen Schicksalsschlägen und die Wirrungen einer jungen, begabten Frau, die nach dem Abitur auf der Suche nach ihrem Weg ist. Der führt sie nach Indien, bringt sie in Kontakt mit einer der ältesten Heilkunde der Welt: Ayurveda. Sandra Sharma, katholisch, bayrisch und aus gutem Haus entschließt sich in New Dehli die verdischen Schriften zu studieren, lernt ihren zukünftigen Mann kennen, dessen Vater einer der renommiertesten Ayurveda-Ärzte Indiens ist. Über ein Jahrzehnt erlernt sie in seiner Klinik die ayurvedischen Heiltechniken. Im Zentrum dieser Techniken steht die „klassische indische Bauchdiagnostik“.

Bauchdiagnostik und Massage brauchen von der Therapeutin sehr viel Erfahrung. Sandra Sharma hat sie.  Fotos: MICHAEL TINNEFELD
Bauchdiagnostik und Massage brauchen von der Therapeutin sehr viel Erfahrung. Sandra Sharma hat sie. Foto: MICHAEL TINNEFELD

Sandra Sharma schaut auf meinen Cappuccino und die Selter. Ich auf ihren Espresso und das stille Wasser. Wozu soll man stilles Wasser trinken, denke ich, prickelt ja nicht mal. Sie lacht und bringt in dieses Lachen eine kurze Bemerkung zum Thema Milch und Kohlensäure unter. Na, denke ich, jetzt kommen wir zu den ganzen Theorien über Ernährung, die einem aus allen Medien entgegen springen. Der eine sagt so, der andere so und alle behaupten, der Weisheit letzten Schluss zu kennen...und doch fange ich langsam an, Sandra Sharma genauer zu zu hören. „Es geht nicht darum, sich eine modische Diät zu verpassen, Kalorien zu zählen, um die Strandfigur zu bekommen oder auf wundersame Weise den Stress weg zu zaubern. Ayurveda ist eine sehr komplexe Betrachtung von Körper und Geist, die zu Erkenntnissen, Verhaltensformen und Ernährungen führt, die heilen können. Das hat nix mit Glauben, mit Spiritualität oder der gleichen zu tun. Das sind Wissen und Erfahrungen“. Und doch, denke ich, ist Ayurveda für mich mehr Wellness mit Stirnguss und Massage als Medizin.

„Die westliche Schulmedizin ist in vielerlei Hinsicht für uns ein Segen. Ich arbeite sehr intensiv mit Fachärzten und Apothekern zusammen, tausche mich mit ihnen aus, denn ich bin keine Medizinerin, aber ich kann etwas, was unsere Ärzte in der Regel nicht können“, sagt sie, ohne dass es anmaßend oder überheblich klingt.

Ich lasse mich darauf ein, auch wenn ich mich (außer ein paar zu vielen Kilos) fit und gesund fühle. In den ruhigen, sehr entspannend wirkenden Räumen des Severin’s Spa, das Reich der Spa-Managerin Marlis Minkenberg, die auch unser Gespräch begleitet hat, praktiziert Sandra Sharma außerhalb ihrer Münchener Residenz zu fest gelegten Tagen und Zeiten. Marlis Minkenberg hatte Sandra Sharma in der bayrischen Metropole kennen und schätzen gelernt und schließlich überzeugt, ihre Therapien auch auf Sylt anzubieten.

Nach der Bauchdiagnostik, die wie eine Massage durchgeführt wird, konfrontiert Sandra Sharma den Klienten – in dem Falle mich – zum einen mit erstaunlichen Erkenntnissen über den tatsächlichen Gesundheitszustand und dann doch mit einigen Ernährungsregeln – für die kommenden sechs Wochen.

Alkoholverzicht und keine Kohlenhydrate nach 16 Uhr sind nur zwei von einigen Regeln, die es zu befolgen gilt, wenn in den Organen wieder alles richtig laufen soll. „Das ist keine Diät“, betont Sandra Sharma. Okay, denke ich dann nenne ich es Speiseplanumstellung. In meinem Fall ein ziemlicher Einschnitt – aber kein wirklich schlimmer. Im Gegenteil. Jetzt sind gut fünf Wochen dieser Umstellung rum. Ich habe angefangen, jeden Morgen heißes Wasser zu trinken, Milch oder Kuhmilchprodukte zu meiden – also auch keinen Cappuccino zu trinken, nach 16 Uhr esse ich keine Kohlenhydrate mehr und habe noch so einige andere Dinge vom Speiseplan gestrichen und das ein oder andere neu kennen gelernt. Dinkel zum Beispiel. Überraschend lecker!

„Sie werden sich sehr wohl fühlen, wenn Sie sich darauf einlassen“, hatte mir Sandra Sharma versprochen. Stimmt, auch wenn ich noch nicht meine Idealfigur habe…

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 15.Apr.2017 | 05:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen