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Wählergemeinschaft : Aufstand in der Inselliste Zukunft Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mitglieder der Wählergemeinschaft schicken einen Brief an alle Sylter Gemeindevertreter. Darin finden sie sehr deutliche Worte gegen Mitglied Katinka Gosselaar.

von
erstellt am 22.Mai.2014 | 05:11 Uhr

Die Wählergemeinschaft Inselliste Zukunft Sylt demontiert ihre beiden Leitfiguren Katinka Gosselaar und Lars Schmidt. In einem Brief an die Sylter Gemeindevertreter und die Verwaltung  zählen acht unterzeichnende Mitglieder der Wählergemeinschaft detailliert vermeintliche Verfehlungen der Gemeindevertreterin Gosselaar auf und kündigen an, die Zusammenarbeit mit ihr beenden zu wollen. Zudem soll in einer Mitgliederversammlung darüber abgestimmt werden, ob Lars Schmidt Parteivorsitzender von Zukunft Sylt bleiben soll. Schmidt hatte angekündigt, für die Wählergemeinschaft als Bürgermeister zu kandidieren.

Die Inselliste hatte sich vor der Kommunalwahl im vergangenen Jahr als Wählergemeinschaft gebildet. Zuvor waren vor allem Schmidt und Gosselaar  als Spitze der Protestbewegung Initiative Zukunft Sylt auf der Insel und in den Medien durch Protestaktionen gegen die  schlechte Wohnbedingungen für Insulaner in Erscheinung getreten. Bei der Kommunalwahl gewann die Inselliste 5,1 Prozent der Stimmen in der Gemeinde Sylt und hat damit zwei Sitze in der Sylter Gemeindevertretung inne, die momentan mit Gosselaar und Hicham Lemssiah besetzt werden. Während die Wählergemeinschaft in sozialen Netzwerken sehr aktiv war, brachte sich Gosselaar auf politischen Sitzungen kaum ein – sie war häufig auch nicht anwesend.

Warum die Inselliste Gosselaar und Schmidt für nicht mehr tragbar halten, machen sie in ihrem Brief in ungewöhnlich deutlicher Form klar: Sie verweisen auf zwei Fälle, in denen die 36-Jährige unter Alkoholeinfluss mit Polizeibeamten aneinander geriet, diese beleidigt und in einem Fall gebissen haben soll. „Wir sind in der Politik, damit öffentliche Personen“, heißt es in dem Schreiben. Auch wenn niemand unfehlbar sei, sollte eine öffentliche Person „so viel Anstand, Ehre und Integrität besitzen“, ihre persönlichen Konsequenzen zu ziehen und ihr Fehlverhalten nicht im Nachhinein „kleinreden“. Die Inselliste habe Gosselaar mehrfach aufgefordert, ihr Verhalten zu erklären – dies sei nur mit erheblicher Verzögerung und dann in empörender Form geschehen. Die Verzögerungen seien auch dem „Taktieren und Protegieren von Frau Gosselaar durch den Parteivorsitzenden Lars Schmidt“ geschuldet.

In den anderen Fraktionen der Gemeindevertretung stößt die detaillierte Aufzählung von Gosselaars vermeintlichen Verfehlungen – bis hin zur Promillezahl – teilweise auf Unverständnis: „Dieser Brief ist unmöglich“, findet beispielsweise Gerd Nielsen (SPD). Auch wenn klar sei, dass Katinka Gosselaar für die Gemeindevertretung nicht mehr tragbar sei, „hätte ein Fünfzeiler der Wählergemeinschaft gereicht, dass man sie aufgefordert habe, ihr Mandat nieder zu legen.“ „Interne Fälle sollten auch intern geklärt werden“, findet auch Wolfgang Jensen (CDU). Beide Gemeindevertreter sehen für die Inselliste politisch kaum noch eine Zukunft auf der Insel. „Die Wählergemeinschaft bräuchte jemanden, der dort die Sache in die Hand nimmt und auch einige politische Korrekturen vornimmt. Vieles war doch zu populistisch“, meint Nielsen. Von Seiten der Unterzeichner betont man, dass die Vorwürfe, die im Brief genannt werden, ohnehin schon inselweit bekannt seien. Zudem habe man die Betroffenen vor Veröffentlichung mehrfach gebeten, selbst Konsequenzen zu ziehen. „Wir starten hier keinen Lynchmob“, so der zweite Vorsitzende Lemssiah, „aber wir müssen uns klar positionieren - aus Rücksicht auf unsere Wähler und auf unsere politischen Kollegen.“  In den kommenden Tagen soll nun eine Mitgliederversammlung stattfinden, auf der  über die Zukunft der Wählergemeinschaft entschieden wird. Sollte Gosselaar ausgeschlossen werden, kann sie allerdings trotzdem  ihr (personengebundenes) Mandat in der Gemeindevertretung behalten. Die Inselliste würde mit nur noch einem eigenen Gemeindevertreter ihren Fraktionsstatus  verlieren – hier allerdings bieten die Piraten eine Lösung an. Christian Thiessen, der für die Partei in der Gemeindevertretung sitzt, könnte sich vorstellen, mit der Inselliste eine Fraktion zu bilden. Aber nur ohne  Schmidt und  Gosselaar.

 

 

 

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