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Serie Sylter Köpfe : „Aufs Wasser gucken ist für mich wie Urlaub“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Serie Sylter Köpfe geht es heute um Mario Witt, der Hungrige auf Sylt mit Crêpes und frische gebrühtem Kaffee versorgt und zwischendurch die perfekte Welle jagt.

Surfbretter, Beachcruiser und Skateboards lehnen an der Wand von der Crêperie. In der Ecke tropft noch die Nordsee aus einem Neoprenanzug. Das ist die Welt von Mario Witt (43), so authentisch liebt der leidenschaftliche Wassersportler sein kleines, aber feines Refugium in bester Westerländer Lage. Aus dem Fenster verkauft er in der Crêperie Am Meer mit seinem Team Crêpes in allerlei süßen und herzhaften Varianten. „Und den besten Kaffee auf Sylt. Weil wir ihn mit Liebe herstellen.“

Aufgewachsen ist Mario Witt in der Nähe von Magdeburg, bereits als Dreijähriger Steppke lernt er Skifahren und im zarten Alter von elf Jahren das Windsurfen. „Vielleicht waren wir 1985 sogar die ersten Snowboarder in der DDR. Mit einer selbst gebauten Plastik-Planke und einer Metallplatte drunter“, so schwärmt er von alten Pioniertagen. Auf dem Wasser gleiten, egal ob gefroren oder nicht, das war schon immer sein liebstes Hobby.

Nach einer Kochlehre im Thüringer Wald zieht es den Extremsportler nach der Wende zum Arbeiten zuerst in die Alpen nach Österreich. Weg von den kurzen Pisten im Harz, erst einmal den Bedarf nach neuen, langen Abfahrten stillen. Anschließend soll es ein Ort mit Wind und Wellen sein, um möglichst viel Surfen zu können. Gran Canaria oder Fuerteventura heißen seine Favoriten. Aber im Wiedervereinigungsjahr 1990 gibt es für Witt keine Arbeit auf den kanarischen Inseln. Auf Sylt dafür jede Menge: Also kühle Nordsee statt heißes Spanien. Er heuert im Restaurant Seeblick als Koch an, natürlich in unmittelbarer Nähe zum Strand. Wer wassersportsüchtig ist, muss Prioritäten setzen.

Nach einem knappen Jahr will ihn die Bundeswehr. Aber der Surf World Cup Sylt steht vor der Tür. „Meine Chance, Idole wie Robby Naish und Björn Dunkerbeck das erste mal live und in Farbe zu sehen, die kannte ich früher nur aus geschmuggelten Surfmagazinen.“ Einberufung geht also gar nicht, die Bundeswehr muss warten. Mario schaut sich in aller Ruhe den kompletten World Cup an. Als die Armee mit der Abholung durch Feldjäger droht, folgt er doch lieber der Einberufung in die alte Heimat.

Bei der Bundeswehr hält es ihn nicht lange. Er verweigert nachträglich den Kriegsdienst und wird – nach eigener Aussage – als erster in Magdeburg vor eine Kommission gebeten, um zu erklären, warum er keine Waffe tragen will. Weil Mario Witt viel lieber Surfbretter tragen will, findet er die richtigen Worte und überzeugt . Wenig später startet er seinen Zivildienst beim Roten Kreuz auf Sylt. Zurück auf der Insel, wieder ganz nahe bei Wind und Wellen. Nach dem Staatsdienst ist er für sechs Jahre im Kampener Golf & Landhaus fürs Frühstück zuständig. Im Sommer 1998 verkauft er aus der Strandbox Eis am Westerländer Strand, im Herbst ist er zur richtigen Zeit am richtigen Ort und kann die kleine Immobilie vor dem Hotel Miramar pachten, in der die Creperie am Meer entsteht. Mittlerweile ist der verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes im 17. Jahr auf der Promenade. Von der Biike bis Anfang November ist er mit seiner Crew vor Ort: Verkauft den Gästen seine Produkte und das authentisches „Surfer-Feeling“ gleich mit dazu. „Wenn wir mal eine halbe Stunde später öffnen, weil so gute Wellen sind, stört das unsere Gäste nicht. Im Gegenteil, die finden das cool.“ Sobald er Freizeit hat, versucht er mit dem Board auf dem Wasser zu sein. Alternativ fährt er gern mit dem Fahrrad über die Insel, gönnt sich auf der Terrasse vom Munkmarscher Fährhaus einen Imbiss. „Dort am Hafen sitzen, die Wanten der Segelboote klappern, aufs Wasser gucken: Das ist wie Urlaub für mich.“

Zwei Dinge vermisst Mario Witt auf Sylt: Den Wald seiner Heimat und „persönlich geführte Läden von Charakterköpfen, weil es davon auf Sylt leider immer weniger gibt“. Allein deshalb würde er die Creperie am Meer gerne noch sehr lange betreiben. „Damit Sylt die authentischen Orte nicht gänzlich ausgehen.“


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erstellt am 29.Apr.2015 | 18:10 Uhr

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