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Bauprojekt Hörnumer Hafen : Aufbruch in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Auf einer Einwohnerversammlung wurden erste Pläne für den Hörnumer Hafen vorgestellt.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 05:27 Uhr

„Dieser Abend soll dazu dienen, Sie zu überzeugen“, appellierte Ole von Beust gleich zu Beginn der Einwohnerversammlung an die etwa 200 Hörnumer, die am Montagabend in den großen Saal des Hapimag-Resorts im Inselsüden gekommen waren. Der ehemalige Erste Bürgermeister Hamburgs, der von der Gemeinde engagiert wurde, um die Entwicklung des Hörnumer Hafens mit seiner Erfahrung zu unterstützen, war sichtlich daran interessiert, dass die Entwürfe positiv aufgenommen werden. Und wird am Ende des Abends Grund zum Anstoßen gehabt haben. Aber dazu später mehr.

Zunächst stand der marode Hafen im Vordergrund. Alle sind sich einig, dass dort endlich etwas passieren muss: Ein Teil der Hörnumer Hafenanlagen ist baufällig, die Nord- und die Südmole mussten im Herbst vergangenen Jahres sogar gesperrt werden – wegen Einsturzgefahr. Die Kutter der Muschelfischer und die Adler-Ausflugsschiffe machen teilweise „im Päckchen“ fest, sodass Passagiere mehrere Schiffe überqueren müssen (wir berichteten). „Es ist fünf nach Zwölf und wir müssen endlich handeln“, so Hörnums Bürgermeister Rolf Speth.

Abgesperrt: Fußgänger dürfen die Südmole am Hörnumer Hafen nicht betreten.
Abgesperrt: Fußgänger dürfen die Südmole am Hörnumer Hafen nicht betreten. Foto: Nieß

Insgesamt drei internationale Architekturbüros waren nach Einsendung ihrer Entwürfe in die engere Wahl gekommen. Die Entscheidung fiel schließlich auf den Entwurf von Patrick Dierks, der bereits das Hotel Budersand und die erst kürzlich entstandenen Hörnumer Holzhäuser entworfen hat. Er arbeitet für das renommierte Architektenbüro „Gerkan, Marg und Partner“ (gmp). Die Projekt-Präsentation am Montag übernahm aus Urlaubsgründen allerdings sein Kollege Kristian Spencker, der souverän die Pläne erklärte. Er betonte gleich zu Beginn seines Vortrags, dass bei diesen Entwürfen „noch nichts in Beton gegossen ist“, sondern dass es sich bei der Neu-Entwicklung des Hafens um den Beginn eines Prozesses handle. „Wir möchten diesen Entwurf als eine Vision verstanden wissen und möchten mit Ihnen darüber ins Gespräch kommen“, so der Architekt zum Publikum.

In ihren Plänen hätten sich die Architekten ganz bewusst an unterschiedlichen Elementen der Insel orientiert: Steinerne Strände und Treppen muten wie übereinander lappende Eisschollen an, Dächer sind von der Sylter Dünenlandschaft inspiriert und die Architektur der Gebäude, in denen Gastronomie und Einzelhandel entstehen sollen, leite sich vom bestehenden Hörnumer Ortsbild ab. „Es ist kein Hafen aus einem Guss, das haben wir ganz bewusst vermieden“, erklärte der Architekt, „sondern wir möchten eine Vielgestaltigkeit erwirken, die auch den unterschiedlichen Funktionen des Hafens gerecht wird“. Das bedeute für ihn, dass aus einem bisher rein funktionalen und gewerblich genutzten Hafen „ein Kosmos wird, der alle Aspekte von Hörnum in einer Art und Weise aufnimmt“.

Auch wenn sich das Hafenbild insgesamt stark verändern wird, soll eines erhalten bleiben: „Die gesamte Hafenkontur wird sich – vor allem aus strömungstechnischen Gründen – stark an die alte Form angelehnt“, so Spencker. Allerdings sähen die Pläne ein um mehrere Tausend Quadratmeter vergrößertes zentrales Hafenbecken vor. „Da geht es natürlich vorrangig um eine bessere Manövrierfähigkeit für die gewerbliche Schifffahrt“, betonte der Architekt.

Ein wichtiger Punkt sei den Architekten die „zwei unterschiedliche Atmosphären“, die auf dem Gelände geschaffen werden sollen: Zum einen die rein gewerbliche Nutzung mit den Muschelfischern und der Adler-Reederei und zum anderen die Nutzung als Marina am nördlichen Ende des Hafens. Außerdem sollen die Molen keine reine Schutzfunktion mehr innehaben, sondern genutzt werden können. „Wir möchten, dass die Molen als Teil einer Hafenpromenade auch betreten werden können“, so Spencker. Weiter werde eine schwimmende Insel geplant, die der nördlichen Mole am südlichen Ende vorgelagert ist. „Diese Insel kann eine Bühne für Sommertheater sein, ein schwimmendes Café oder – zu bestimmten Anlässen – kann hier der Hafen sogar für einen Rundgang geschlossen werden.

Das Hörnumer Publikum zeigte sich insgesamt angetan von den vorgestellten Entwürfen. Lediglich die Frage, wo in der Hochsaison die vielen Autos abgestellt werden können, konnte in der Versammlung nicht klar beantwortet werden. Die Ideen reichten von einem überdachten Parkplatz über eine Tiefgarage bis hin zu den Möglichkeit, die Autos außerhalb des Ortes stehen zu lassen und die Personen mit Shuttle-Bussen nach Hörnum zu bringen.

Auf Initiative von Sven Paulsen, dem Inhaber der Reederei Adler-Schiffe, wurde schließlich ein Meinungsbild erstellt: Nur wenige Hörnumer in dem überfüllten Saal sprachen sich gegen die Entwürfe aus, die meisten zeigten sich einverstanden. Für die Beteiligten, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten mit der Zukunft des Hörnumer Hafens beschäftigt haben, war die Veranstaltung sehr erfolgreich. Jetzt muss nur noch die – nicht unwichtige – Frage der Finanzierung geklärt werden. Erste Schätzungen des Projektes belaufen sich auf etwa 15 Millionen Euro. Fest steht, dass sich Bund und Land unter bestimmten Voraussetzungen an der Finanzierung beteiligen würden. Darauf ist die Gemeinde auch angewiesen. „Leider ist das sehr kompliziert“, sagte Ole von Beust auf Nachfrage und versicherte: „Wir kriegen das alles hin, es geht nur nicht von heute auf morgen.“

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