Kunst auf Sylt : Auf von Eichendorffs Spuren

Galerist Rainer Herold in seiner Kampener Dependance, hier vor einem Aquarell von Erich Heckel.
Galerist Rainer Herold in seiner Kampener Dependance, hier vor einem Aquarell von Erich Heckel.

Neue Ausstellung in der Kampener Galerie Herold mit Werken des Expressionismus widmet sich „Badenden“.

shz.de von
26. Juli 2018, 06:00 Uhr

„Ach, wer da mitreisen könnte...!“ schrieb einst der romantische Dichter Joseph von Eichendorff in einem seiner bekanntesten Gedichte. Und verlieh mit diesem Sehnsuchtsruf dem menschlichen Verlangen nach unbeschwertem Reisen, dem Einssein mit der Natur und der Entdeckerfreude eine poetische Stimme.

Nicht nur Berge, Täler und Wälder, auch das Meer mit seinen Stränden waren Themen romantischer Malerei und Dichtung. Eichendorff selbst lernte die vom Meer ausgehende Faszination auf seinen Reisen nach Hamburg und Lübeck ebenso kennen, wie den Elbestrand als Soldat in Torgau oder die Seebäder und die pittoresken Dünenlandschaften der Ostsee als Schulrat in Danzig und Königsberg.

Strandleben in einer Darstellung des Malers und Grafikers Erich Heckel (1883-1970). Fotos: Lorkowski
Strandleben in einer Darstellung des Malers und Grafikers Erich Heckel (1883-1970). Fotos: Lorkowski

Besucht man die neue Sommer-Ausstellung „Badende“ in der Kampener Galerie Herold, so nehmen die etwa 60 ausgestellten Werke den Besucher mit auf eine Reise, die gut und gerne den Lebensstationen Eichendorffs entsprechen. Und natürlich auch passend sind zu der seit Wochen hier auf Sylt vorherrschenden sommerlichen Witterung. Treffender hätte Galerist Rainer Herold darum seine aktuelle Präsentation nicht konzipieren können.

Ein Rundgang durch die Ausstellung zeigt Badeszenen, die auf Sylt und Hiddensee, in Timmendorf oder am Elbestrand angesiedelt sind. Andere spielen an der Flensburger Förde oder an einsamen Badeseen. Und zu sehen sind immer wieder Leute wie du und ich. Unschwer ist es, sich in den badenden, sonnenden, spielenden oder sich umkleidenden Strandbesuchern wiederzuerkennen. Andere dagegen stürzen sich in die Wellen, unterhalten sich und sind im familiären Kreis versammelt. Welch schöne Motive!

Eine Freude bereitet es, die teils farbkräftigen, teils mit nur wenigen Pinselstrichen skizzierten Szenen zu erkunden. Und bei jedem neuen Bild meldet sich der Wunsch: „Ach, wer da mitreisen könnte!“

„Kopf eines Südsee-Insulaners“  von Emil Nolde.
„Kopf eines Südsee-Insulaners“ von Emil Nolde.

Hochkarätige Werke schmücken im „Haus Meeresruh“ am Braderuper Weg in Kampen die Wände. Beinahe alle Expressionisten wie Kirchner, Heckel, Pechstein oder Nolde sind vertreten. Sie erheischen geradezu die Aufmerksamkeit des Betrachters und verlangen seine Aufmerksamkeit, gelingen ihnen doch durch markante Skizzierungen von Körper- und Armbewegungen ausdrucksstarke Szenerien. Etwa Erich Heckel mit seinem 1912 am Ostseestrand entstandenem Strandleben.

Aber es gibt nicht nur Badende oder Strandbesucher zu erkunden. Ein eigens Emil Nolde gewidmetes Zimmer „bedeutet bei dieser Ausstellung einen zusätzlichen Anreiz“, wie Rainer Herold verspricht. Sechs Werke des Nordfriesen zeigen neben einer immer wieder aufs Neue beeindruckenden Landschaft ausdrucksstarke Köpfe. Etwa das „Mädchen mit gelben Hut“ (Aquarell, um 1930/35) oder den „Kopf eines Südsee-Insulaners“ (Aquarell, um 1913/14). Letzteres Werk ist Ergebnis einer Reise, die der Künstler noch vor dem Ersten Weltkrieg über Russland und China nach Papua-Neuguinea unternahm.

Welch eine schöne Ergänzung ist diese Ausstellung zu den sonnendurchfluteten Wochen hier auf Sylt – für Insulaner und deren Gäste gleichermaßen.

Über die in der benachbarten Galerie von Patrick Herold stattfindende Ausstellung über das Schaffen Rainer Fettings wird die Sylter Rundschau gesondert berichten.

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