zur Navigation springen

Sylter Zeitgeschichte : Auf Sylt probten die Nazis die Invasion

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Folge 32 der SR-Serie Sylter Zeitgeschichte dreht sich um die NS-Planungen, England per „Unternehmen Seelöwe“ zu erobern. Geprobt wurde dieses ominöse Planspiel im August 1940 am Sylter Strand.

6. Juni 1944 landen alliierte Truppen mit 170 000 Soldaten an der Küste der französischen Normandie. Es ist der entscheidende Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs – das Terror-Regime des „Tausendjährigen Reiches“ beginnt bereits elf Jahre nach der Machtergreifung Hitlers zu bröckeln. Der Diktator indes hatte schon vier Jahre zuvor eine Invasion thematisiert, allerdings in der Gegenrichtung: Ein Planspiel sah den Einmarsch deutscher Soldaten in England vor – geprobt wurde dieses Szenario auf Sylt.

Am 2. August 1940, die Uhr zeigt kurz nach elf, landen auf dem Fliegerhorst östlich von Westerland zwei Maschinen vom Typ „Junkers Ju 52“. Als die Passagiere aussteigen, nehmen die wartenden Soldaten zackig Haltung an. Denn die Schulterklappen, die silbern und gülden in der Sonne funkeln, weisen die Besucher als hochrangige Offiziere aus – ja, sogar der Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch, ist unter ihnen.

Was die Generäle und übrigen Offiziere an diesem sommerlichen Tag nach Sylt verschlägt, ist eine Operation von strengster Geheimhaltung – es ist die Generalprobe für das „Unternehmen Seelöwe“, die Invasion in England. Adolf Hitler selbst war es gewesen, der das ominöse Planspiel initiiert hatte. In seinem Größenwahn hatte der Diktator im Juli 1940 verfügt, die Invasion in England auf deutschem Boden zu proben.

Von Frankreich aus, so war es der Plan, sollten später einmal deutsche Pioniertruppen und amphibische Panzer über den Ärmelkanal setzen und an der britischen Küste landen. Diese Operation wurde zunächst im kleinen Maßstab durchgespielt – die Wahl fiel auf die Sylter Westküste. Gut tausend Soldaten hatten sich Mitte Juli in den Hörnumer Kasernen einquartiert. Am 20. Juli begann dann am Strand ein geschäftiges Treiben. Im Süden der Insel gingen Landungsschiffe vor Anker, amphibische Panzer pflügten durchs Wasser und walzten den Strand hinauf. Pioniere verlegten Stacheldrahtrollen, bauten Rampen und übten das Einnebeln des Landungsabschnitts durch den Einsatz von Nebelbomben. In Vorträgen wurden die Soldaten über Besonderheiten wie Ebbe und Flut, Strömung und Brandung und die Wind- und Wetterverhältnisse an der Küste unterrichtet.

Obwohl das Geschehen am Strand nicht unbemerkt bleiben konnte und von den Syltern neugierig beäugt wurde, gab man sich alle Mühe, die ganze Aktion zu verschleiern. In einem Bericht des stellvertretenden Inselkommandanten ist wiederholt von „strengster Geheimhaltung“ und den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen die Rede: „Diese bezogen sich auf eine scharfe Absperrung des Übungsgeländes, auf eine verstärkte Zug- und Briefkontrolle sowie genaueste Überwachung des Fremdenverkehrs in den hiesigen Hotels und Gaststätten. Besonders wurde die Überwachung der Inselbahn organisiert“, notierte der stellvertretende Inselkommandant in seinem Rapport. Nach fünf Wochen endete die Großübung. Das „Unternehmen Seelöwe“ aber war nur ein Papiertiger: England blieb unbehelligt – die Planspiele am Strand verliefen im Sand.

 


Karte
zur Startseite

von
erstellt am 03.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen