Sylter Köpfe : „Auf Sylt ist für Paparazzi kein Platz“

Inselfotograf Georg Supanz mit Thomas Gottschalk.
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Inselfotograf Georg Supanz mit Thomas Gottschalk.

Fotograf und Gastronom Georg Supanz ist die Sylter Schnittstelle in die Klatschspalten der Republik: Seit 27 Jahren schießt er auf Sylt Bilder.

Jesumann.JPG von
28. November 2013, 06:00 Uhr

Sylt | Oft sind sich Prominente und Fotografen in einer Art Hassliebe verbunden: Das Blitzlicht ist für den Berühmten überlebenswichtig und der Fotograf verdient durch den Verkauf der Bilder sein Geld. Für den Abgelichteten bleibt das Geschäft oft eine aufdringliche Symbiose. Manch einem aufgebrachten Rockstar rutscht deswegen auch mal die Hand aus, oder wütende Adlige gehen mit dem Regenschirm auf die Männer mit den Kameras los. So einfach ist die Rechnung. Zumindest auf den ersten Blick. Im Fall von Fotograf Georg Supanz und Sylt liegen die Dinge dann doch ein wenig anders. Seinen Job darf man sich nicht wie eine Fotosafari vorstellen. Der 45-Jährige ist kein Paparazzo, der rücksichtslos auf Menschenjagd geht. „Man muss behutsam vorgehen. Auf Sylt ist für Paparazzi kein Platz“, sagt Supanz, der seit 27 Jahren auf der Insel fotografiert.

Egal ob Poloturnier, traditionelles Krebsessen oder Wirtschaftsforum, Georg, den seine Freunde schlicht „Dschordsch“ nennen, ist immer mit mehreren Fotokameras vor Ort. Er scherzt mit den Promis, drückt Hände und verständigt sich über das anstehende Foto. Müssen viele Menschen auf ein Bild passen, und Supanz braucht ihre Aufmerksamkeit, hört man ihn oft rufen „Ich liebe euch alle.“ Alle schauen, und „Dschordsch“ drückt den Auslöser.

Auch wenn in Supanz’ Sylter Revier andere Fotografen vom Festland auf die Jagd nach Bilder gehen, hat er einen Vorteil: Man kennt ihn. „Viele der Leute haben über die Jahre Vertrauen zu mir aufgebaut, das ist schon wichtig.“ Als Beweis erzählt der 45-Jährige, dessen Eltern aus Slowenien stammen, wie er den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble und seinen amerikanischen Amtskollegen Timothy Geithner im Hotel Fährhaus ablichten wollte. Das Treffen der Spitzenpolitiker war zuvor hermetisch abgeriegelt worden – nichts war nach außen gedrungen. „Die deutschen Bodyguards kannten mich und haben mich vorgelassen. Die amerikanischen Sicherheitsleute sahen das aber nicht so unkompliziert und waren ziemlich hektisch“, erinnert sich Supanz. Um die Security zu beruhigen, habe Wolfgang Schäuble ihn dann herüber gewunken und in Richtung der Amerikaner gesagt: „Das ist der Inselfotograf, das ist in Ordnung.“ Über diesen Vertrauensbeweis freut sich der Fotograf bis heute.

Neben seiner Frau Nevenka und Tochter Aurora, hat der gebürtige Wuppertaler nur ein Herz für Fotografie und Gastronomie. „Als ich mit 18 Jahren als Koch auf die Insel kam, habe ich mir nichts mehr gewünscht, als ein Restaurant.“ Mittlerweile hat sich der geschäftstüchtige Insulaner diesen Traum erfüllt und betreibt sein eigenes Lokal „Pinochio“ in der Westerländer Bismarckstraße. Das Startkapital für dieses Projekt verdiente Supanz sich mit Fotos. „Wenn ich einen Tag nicht fotografiere, könnte ich Amok laufen.“ Solche Sätze meint der Fotograf fast ernst. Zu viel hat er seinem Talent zu verdanken. Ob er sich noch an das Foto erinnere, mit dem er am meisten Geld verdient hat? Über diese Frage kann Supanz nur lachen – die Antwort ist für ihn in Stein gemeißelt: Mit Exklusiv-Bildern von Roman Polanski – der Regisseur drehte auf Sylt den Film Ghostwriter – verdiente der Familienvater rund 64.000 Euro.

Auch wenn er den Weg in die Klatschspalten der Boulevard-Magazine ebnet, hat er selber kein große Interesse an Prominenz. Trotzdem hängt Georg Supanz schon mittendrin: Filmteams aus dem In- und Ausland haben Dokumentationen mit ihm gedreht. Auf Youtube finden sich unter seinem Namen eine ganze Reihe Filme, die den Inselfotografen in Aktion zeigen. Dort sieht man etwa wie Georg Supanz sich durch einen Mob aus Reportern zwängt, dann vor Roman Polanski steht, dem überraschten Regisseur freundlich die Hand drückt und erst dann sein Foto macht. Ganz behutsam eben.

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