Kunst auf Sylt : Auf einen Spaziergang durch die Galerie Herold

Der als „Nolde-Kabinett“ titulierte Ausstellungsraum mit seinen ausgewählten Nolde-Bildern verbreitet eine Atmosphäre, die an die gediegene Gute Stube mancher nordfriesischen Häuser erinnert.
1 von 1
Der als „Nolde-Kabinett“ titulierte Ausstellungsraum mit seinen ausgewählten Nolde-Bildern verbreitet eine Atmosphäre, die an die gediegene Gute Stube mancher nordfriesischen Häuser erinnert.

Die Kampener Galerie zeigt neben Bildern namhafter impressionistischer Maler eine beachtliche Anzahl von Werken aus der Epoche des Expressionismus, darunter auch von Emil Nolde.

Zu einem „Jahresausklang mit Emil Nolde“ lädt die Galerie Herold in ihre schmucken Räume im Haus „Meeresruh“ am Braderuper Weg 4 in Kampen ein. Ab dem Wochenende präsentiert Rainer Herold dort neben Werken namhafter impressionistischer Maler wie Ivo Hauptmann, Friedrich Kallmorgen, Ernst Eitner oder Thomas Herbst eine beachtliche Anzahl von Werken aus der Epoche des Expressionismus.

Neben Künstlern wie Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein oder Franz Nölken ist der Galerist besonders stolz darüber, „einige neue Werke von Emil Nolde vorstellen zu können. Werke, die wir bisher noch nicht gezeigt haben. Klar, dass ich mich darüber ganz besonders freue!“

Beim Rundgang durch die Räume ziehen zunächst die Werke Ernst Eitners unfreiwillig die Blicke auf sich. Seine „Mohnblüte“ (1895) belegt, warum man diesen Künstler mit Recht den „Monet des Nordens“ genannt hat. Von dezenter, das Auge über die Maßen erfreuender Farbgebung auch „An der Elbe bei Blankenese“ (Öl, um 1910. Warum nur ist diesem Bild kein würdigerer Platz zuteil geworden? Bestimmt dient er als Blickfang für so manchen Passanten.

Unbestrittener Anziehungspunkt der neuen Werkschau: die Bilder des großen Nordfriesen Emil Nolde. Allein der von Herold als „Nolde-Kabinett“ titulierte Ausstellungsraum mit seinen ausgewählten Nolde-Bildern verbreitet eine Atmosphäre, die an die gediegene Gute Stube mancher nordfriesischen Häuser erinnern mag. Kaum würde man staunen oder überrascht sein, säße hier der berühmte Künstler selbst. Inmitten seiner Werke und bei einer Tasse Tee.

Rainer und Karin Herold präsentieren unter anderem Werke von Erich Heckel, Max Pechstein, Franz Nölken und Emil Nolde.
Rainer und Karin Herold präsentieren unter anderem Werke von Erich Heckel, Max Pechstein, Franz Nölken und Emil Nolde.

In einer Farbenvielfalt, wie sie die Natur seiner nordfriesischen Heimat ihm tagtäglich vor Augen führte, zauberte der Künstler mittels verschiedener Maltechniken Motive aus Nah und Fern herbei. Eine „Ägyptische Figur mit rotvioletten Blüten“ (um 1911/12) ebenso wie die vertraute „Marschlandschaft mit Regenwolken“ (um 1935, Aquarell). Oder die in sattem Gelb daher kommenden „Sonnenblumen“, die das Auge nicht nur erfreuen, sondern in diesen Dezembertagen die Gedanken sehnsuchtsvoll auf den Sommer lenken.

Welch ein Kontrast gleich nebenan in den Räumen der „Galerie Herold Contemporary“ von Sohn Patrick Herold. Er lenkt den Blick des Besuchers sogleich auf zwei Vertreter der modernen Kunst, die er beredt würdigt.

A.R. Penck (1939 - 2017) präsentiert sich da mit einem Werk ohne Titel von 1989. Das Bild, ein Gewirr voller symbolhafter Kürzel, Strichmännchen und grafischer Bildzeichen, mag an archaische Höhlenmalereien erinnern. Genau das ist Pencks Markenzeichen, dadurch wirkt er „total markant“, so der junge Galerist.

Sodann Friedemann Hahn mit seinem in pastoser Farbgebung gestalteten Werk „Humphrey Bogart“ (Öl, 1986). Der Villa-Romana-Preisträger, in diesem Jahr gestorben, war ein Allround-Künstler, der sich auch als Literat und Komponist hervortat.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen